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08:00 07.12.2018
Sibylle Meyer mit dem Becher, mit dem sie die Welt verändert will. Quelle: Richter
Göttingen

Sibylle Meyer sitzt an einem Tisch im Café Cortés. Gerade hat sie sich mit den Betreibern geeinigt, dass auch hier in Kürze der Fair-Cup in der Auslage zu finden sein wird. Das heißt, dass die Kunden ihren Kaffee und sogar Kekse in einem Plastikbecher mit nach Hause nehmen können. Meyer ist die Projektleiterin des Fair-Cups und Geschäftsführerin des dahinter stehenden Kleinstunternehmens.

Vor allem aber ist sie Lehrerin und hatte in dieser Funktion 2017 mit ihren Schülern ein Projekt entwickelt, das die Themen Umweltschutz, fairer Handel und Produktplanung verbinden sollte. Außerdem suchten die Abiturienten einen Weg, ihren Abschlussball zu finanzieren. Das hat funktioniert. Der Becher war für sie ein erfolgreicher Abschluss ihrer Schulkarriere und für ihre Lehrerin der Start in eine zeitintensive Nebentätigkeit.

320000 Becher pro Stunde im Müll

Die Idee hinter dem Fair-Cup ist, Einwegbecher zu verdrängen, die durchschnittlich für „15 Minuten genutzt werden und eine miserable Ökobilanz aufweisen“, so Meyer. Nach Zahlen der deutschen Umwelthilfe landen deutschlandweit pro Stunde 320 000 sogenannte ToGo-Kaffeebecher im Müll. Die Göttinger Alternative soll bis zu 500 Mal gereinigt und wiederverwendet werden können und ist anschließend inklusive Deckel vollständig recyclebar.

„Wir wollen, dass die Becher möglichst lange im Umlauf bleiben“, erklärt Meyer. Deshalb verzichtet man auch auf Werbeaufdrucke, damit der Fair-Cup bei allen Partner zurückgegeben werden kann. Um den beteiligten Firmen dennoch die Möglichkeit zu geben, beispielsweise Inhaltsstoffe auf dem Gefäß angeben können, fand Meyer einen Partner, der Aufkleber herstellt, die problemlos entfernt werden können. Und wie stellt man sicher, dass die Becher auch tatsächlich zurückgegeben werden? Mit einer Pfandgebühr von einem Euro pro Becher und 50 Cent für den Deckel.

Viel Überzeugungsarbeit

Mit ihrem fünfköpfigen Team aus Gleichgesinnten kümmert sich Meyer gleichzeitig um Organisation, Logistik, Produktentwicklung, Vertrieb, Werbung oder Neukunden-Akquise. Aufgaben wie Reinigung und Transport der Becher sind an Dienstleister vergeben. Die meiste Energie aber fließe in die Überzeugungsarbeit, sagt die Geschäftsführerin. Davon müsse sie in Göttingen besonders viel leisten. So saß Meyer beispielsweise vor einer Woche im Umweltausschuss der Stadt, um dafür zu werben, dass an markanten Stellen im Stadtgebiet Rücknahmeautomaten aufgestellt werden können.

Kontakt zu einem Hersteller hat sie bereits aufgenommen, die Kosten für einen Automaten – immerhin 8800 Euro – würden sie aus privater Kasse übernehmen. „Ich will zeigen, das es funktionieren kann. Dafür gehe ich auch persönlich ins Risiko.“ Bisher aber laufe sie in Göttingen immer wieder gegen Wände und pralle ab, schilderte Meyer den Ausschussmitgliedern. Politiker aller Fraktionen signalisierten Unterstützung, die Verwaltung sicherte zu, Prüfung und Gespräche führen zu wollen. „Warten wir mal ab, was passiert.“

Studentenwerk als Wunschpartner

Gerne hätte Meyer das Studentenwerk als Partner mit im Boot. Studierende seien genau die richtige Zielgruppe und würden die Nutzerzahlen schlagartig vervielfachen. Von Beginn an habe man regelmäßig das Gespräch gesucht. Im Juli dieses Jahres habe es sogar eine Petition aus der Studentenschaft für einen Mehrwegbecher gegeben. Das Studentenwerk entschied sich für eine eigene Lösung. Eine mit etlichen Nachteilen, so Meyer.

Anfang des Jahres sei sie bereits an dem Punkt gewesen, ihr Projekt aufzugeben, gesteht Meyer. In Städten wie Wolfsburg oder Flensburg habe sie Verwaltungen unbürokratisch überzeugen können. Stuttgart habe gerade 50 000 Euro für eine Konzeptentwicklung zum Mehrwegbecher bereitgestellt. In Göttingen hingegen, wo die Idee entwickelt wurde, müsse sie allzu oft als Bittsteller auftreten. Zwei Motivationshilfen überzeugten sie schließlich doch weiterzumachen: „Jürgen Trittin und die Real-Märkte.“ Das unerwartet positive Feedback ließ sie die Startschwierigkeiten schnell vergessen.

Gute Nachrichten

Mittlerweile häufen sich die positiven Nachrichten. Nach Real hat Alnatura Interesse bekundet. Auch laufen Verhandlungen mit einem Bäcker, der den Fair-Cup in seine 200 Filialen in Berlin, Hamburg und Lübeck bringen will. Außerdem soll der Göttinger Becher im Januar das Umweltzeichen Blauer Engel erhalten. Hinzu kommen die vielen kleinen Erfolge, von denen Meyer so gerne erzählt. So habe eine Landbäckerei berichtet, dass er durch den Becher eine Umsatzsteigerung zu verzeichnen hätte. „Außerdem hat bei Real der erste Kunde sein Mett im Becher gekauft“, sagt Meyer und strahlt.

Im kommenden Jahr schließt sich für den Fair Cup ein Kreis. Meyer will wieder eine Schülergruppe aus dem 13. Jahrgang für das Projekt gewinnen. Man darf gespannt sein, welche Ideen diesmal entstehen.

Von Markus Scharf

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