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CD-Werk in Langenhagen

„Es muss endlich etwas passieren“

Es ist ein Kampf gegen Windmühlen: 1500 Unterschriften von Hannoveranern, die sich für den Erhalt des CD-Werks in Langenhagen einsetzen, übergaben am Dienstag mehrere Funktionäre der IG Bergbau, Chemie, Energie an Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode.
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Wirtschaftsminister Jörg Bode (links) nimmt eine Unterschriftenliste von Betriebsratschef Heiner Delgehausen und den IG-BCE-Funktionären Dieter Weniger und Ralf Becker entgegen.

Wirtschaftsminister Jörg Bode (links) nimmt eine Unterschriftenliste von Betriebsratschef Heiner Delgehausen und den IG-BCE-Funktionären Dieter Weniger und Ralf Becker entgegen.

© Jaeger

Die Situation hatte etwas Skurriles. 1500 Unterschriften von Hannoveranern, die sich für den Erhalt des CD-Werks in Langenhagen einsetzen, übergaben gestern mehrere Funktionäre der IG Bergbau, Chemie, Energie an Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode – ausgerechnet jenen Minister, der gemeinsam mit ihnen an genau diesem Ziel arbeitet. Die drei Parteien, an denen die Rettung des traditionsreichen Standorts am Ende hängt, fehlten. Ein wenig sprach die Verzweiflung aus IG-BCE-Landeschef Ralf Becker, als er bei der Übergabe forderte: „Es muss endlich etwas passieren. Die Zeit läuft uns davon.“

Tatsächlich droht der Standort mit seinen gut 900 Mitarbeitern auszubluten, wenn sich nicht schnell ein Käufer findet. Der aktuelle Inhaber, der börsennotierte US-Konzern EDCI, hat im Januar seine Abwicklung beschlossen. Ein Teil der Kasse wurde bereits an die Aktionäre ausgeschüttet, mit dem endgültigen Aus rechnet das Management in drei Jahren. Die Langenhagener Tochter, die längst den Kern des US-Konzerns ausmacht, hat zwar noch einen bis Mai 2015 gültigen Vertrag mit dem Hauptabnehmer Universal. Doch die Produktionsvolumina nehmen ab – allein im vergangenen Jahr um 14 Prozent –, weil immer mehr Kunden das Herunterladen von Musik aus dem Internet dem Kauf einer CD vorziehen.

Der Standort will sich deshalb unabhängig von der reinen Musik-CD und dem Großkunden Universal machen. Das jedoch kostet Zeit. Die ehemalige Mutter der Langenhagener, die auch heute noch eine Miete in Millionen-Höhe von ihrem Lieferanten kassiert, macht immer noch gut drei Viertel des Geschäfts aus. Auf Vermittlung der Landesregierung hatte sich der Münchener Finanzinvestor Perusa bereiterklärt, das Werk von EDCI zu übernehmen und dessen Umstrukturierung zu organisieren. Beide Seiten waren sich schon handelseinig, als nach Darstellung von Perusa Universal mit Forderungen nach Preisnachlässen und Produktionsverlagerungen querschoss.

Seitdem herrscht zwischen den Unternehmen Funkstille. EDCI und Perusa haben die Verhandlungen bereits mit Verweis auf Universal für gescheitert erklärt. Angebote der Landesregierung, alle sollten sich an einen Runden Tisch setzen, stoßen bei dem Musikriesen bislang auf taube Ohren. „Wir werden das jetzt noch einmal mit politischem Nachdruck einfordern“, versprach Bode. Schließlich müsse Universal Perusa gegenüber lediglich erklären, dass man zum aktuellen Vertrag auch weiterhin stehe.

Genau das betont der Musikverlag von Lady Gaga, U2 oder den Scorpions jedoch seit Wochen öffentlich – auch gegenüber der Landesregierung. „Dann kann eine entsprechende Erklärung Perusa gegenüber so schwer ja nicht sein“ argumentiert Bode. Zuletzt schrieb Universal-Chefsyndikus Richard Constant in einem Brief an IG-BCE-Chef Michael Vasiliadis, der dieser Zeitung vorliegt, die „Langenhagen-Affäre“ zeichne sich durch eine „komplette Falschdarstellung“ der Universal-Position aus. Weder stehe man einem Verkauf des Werks im Wege, noch strebe man vertragliche Änderungen an. Offenbar wollten potenzielle Käufer Druck ausüben, um daraus finanzielle Vorteile zu schlagen. Die Darstellung, dass Universal Jobs in Langenhagen gefährde, sei beleidigend, schrieb Constant. Man solle sich in der Frage besser an den aktuellen Betreiber halten.

Bislang tut Universal allerdings wenig, um die Auslastung in Langenhagen zu verbessern. Ein Teil der Aufträge wurde bereits fremd vergeben – mit der Begründung, EDCI habe sich mit einer Werksschließung 2009 in England nicht an den Vertrag gehalten. Auch weiteres eigenes Geschäft ging bereits an die Bertelsmann-Tochter Arvato nach Gütersloh. In Langenhagen befürchten sie, dass ihre frühere Mutter möglichst schnell möglichst viele Aufgaben an den Konkurrenten weiterreichen möchte.

[Lars Ruzic]

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