Blickt optimistisch in die Zukunft: Reiner Grabe von der Buchhandlung Eulenspiegel.
Nicht für alle Großen hat sich der anfängliche Optimismus bewahrheitet. „Nach fünf Jahren ist denen die Puste ausgegangen,“ erinnert sich Klaus Hertel an das kurze Intermezzo von Schmorl & von Seefeld in der Universitätsstadt. Die hannoversche Buchhandlung kam 1999 ins Carré, musste aber 2004 wieder schließen.
„Der Atem von Thalia wird länger sein“, prophezeit der Inhaber der Buchhandlung Hertel in der Kurzen Straße 14. Für kleine Buchhandlungen kann ein Filialist wie Thalia schnell zu einer Existenzbedrohung werden, fürchten Freunde inhabergeführter Buchläden. Hertel sieht aber zunächst die auf der Weender Straße gelegenen Buchhandlungen in Gefahr. „Dadurch, dass wir nicht in dieser unmittelbaren 1a-Lage sind, haben wir eine Chance“, zeigt sich der Geschäftsführer optimistisch. Man könne jetzt natürlich Veranstaltungen planen oder ein Café eröffnen, aber das steht für Hertel zunächst nicht an. Er vertraut auf seine Stammkunden.
Auf ihre Stammkundschaft zählen kann auch Stephanie Nöttger. „Sie bringen mir Artikel und Leserbriefe über Thalia“, berichtet die Inhaberin der Buchhandlung Laura in der Burgstraße 21, die auf Literatur für Frauen und Kinder spezialisiert ist. Die Kunden machen ihr Mut. „Sie müsse sich keine Sorgen machen“, versichern die Kundinnen. Und die macht sich Nöttger auch nicht. „Natürlich hat man ein wenig Bedenken“, räumt sie ein, um aber gleich über die Laura-Stärken zu sprechen. „Ich suche jede Postkarte selber aus und kann genau auf die Bedürfnisse meiner Kunden eingehen. Das wissen die meisten zu schätzen.“
Als ruchbar wurde, dass Thalia nach Göttingen kommen würde, hat Nöttger prompt reagiert und ihr Sortiment weiter „verschärft“. „Bei mir bekommt man jetzt auch kleine und kleinste Verlage.“ Diese Spezialisierung ist wichtig, weiß Nöttger. „Um eine gute Chance gegen die großen Buchketten zu haben, muss man seine Nische betonen und auf Qualität in der Beratung setzen.“
Mit der neuen Situation im Göttinger Buchgeschäft geht Nöttger offensiv um. Sie diskutiert mit ihren Kunden und sucht das Gespräch. Nöttger stellt sich dem Wettbewerb mit dem Buchgiganten optimistisch und mit einem Lächeln.
Auch Reiner Grabe blickt optimistisch in die Zukunft. „Thalia ist eine logische Entwicklung“, stellt der Inhaber der Buchhandlung Eulenspiegel klar. „Konkurrenz belebt immer die eigene Motivation und schüttelt uns aus unseren Pantoffeln. Wir sehen Thalia nicht als Bedrohung.“ In den Zeiten der großen Ketten werden aber dennoch „nur die mit dem besten Service und der besten Fachkompetenz überleben“, prophezeit Grabe und nennt einen weiterer Vorteil für den Eulenspiegel: einen Buchladen mit ähnlicher Spezialisierung auf Esoterik und Kunst gäbe es erst wieder in Hannover oder Hamburg. In Südniedersachsen sei man daher beinahe einzigartig.
Im Roten Buchladen am Nikolaikirchhof geht man ähnlich gelassen mit der Konkurrenz um. „Ich habe mir Thalia angeschaut und nichts Unerwartetes entdeckt“, beschreibt Inhaber Klaus Schild seinen ersten Eindruck von dem neuen Buchgiganten. „Das ist nicht anders, als damals Schmorl & von Seefeld ins Carré eingezogen ist.“ Auch damals habe es keine Umsatzeinbrüche im Roten Buchladen gegeben.
In der Wissenschaftsabteilung von Thalia habe Schild auch nichts Persönliches oder Göttingenspezifisches gefunden. Den normalen Studenten, der sich ein Lehrbuch kauft, gebe es fast nicht mehr. Das finde man heute alles im Internet. Im Roten Buchladen würde man noch spezielle Bücher für die „skurrilen Göttinger Wissenschaftler“ bekommen, stellt Schild klar. Nur an einem Punkt sieht er eine potenzielle Gefahr für die kleinen Buchläden: Wenn es die Buch-Preis-Bindung nicht mehr gibt. Bisher würde man in jedem Buchladen für ein Exemplar das Gleiche zahlen, egal, wie groß das Geschäft ist. „Wird diese Bindung aufgehoben, würden Großkonzerne Prozente auf Buchbestellungen bekommen, und der Preis kann von den kleinen Geschäften nicht gehalten werden. Aber solange es die Buch-Preis-Bindung gibt, wird den kleinen nicht viel passieren“, ist sich Schild sicher.
Joachim Stern hofft, dass sich die Menschen nicht blenden lassen und wissen, dass Größe nicht alles ist. „Dass die Buchhandlung Otto Schwartz schließen musste, hat uns allen aber noch einmal drastisch vor Augen geführt, wohin der Trend geht, und dass wir alle bedroht sind“, stellt der Buchhändler von „Buchstern“ in der Theaterstraße 24 fest. Angst habe er dennoch nicht. „Thalia ist für uns nicht Existenz bedrohend, sondern ärgerlich.“
Früher oder später werde der Buchhandel sich eh der Konkurrenz von e-Books und Internet stellen müssen. Und das sei auch eine Frage, mit der sich die Bücherriesen beschäftigen müssen. Man dürfe einfach nicht panisch reagieren, wenn der eigene Laden mal für eineinhalb Stunden leer sei und man genau wisse, dass sich nebenan die Kunden auf die Füße treten, rät Stern. Wie groß die Konkurrenz aber auch sein mag, Stern ist sich sicher: „Kleine Buchhandlungen wird es immer geben.“
Die Großen werden sich Sorgen machen müssen, steht für Eckart Kohl fest. Sie, so der Inhaber der Akademischen Buchhandlung Calvör, hätten die Sortimentsüberschneidungen mit Thalia. Weltbild und Hugendubel (beide in Göttingen vertreten) hätten zudem die gleiche Klientel. Kohl sieht darüber hinaus für große Buchhandelsketten eine Existenzberechtigung. Es gebe Kunden, die große Flächen schätzten, sagt er mit Blick auch auf Karstadt. Und: Schwellenängste seien in großen Häusern längst nicht so groß wie in den Fachbuchhandlungen.
Von Tonie Lenz
Bio ist in aller Munde. Spätestens seit dem Dioxin-Skandal Anfang des Jahres wollen die Verbraucher genau wissen, was bei ihnen auf den Tisch kommt. In der Serie „Alles Bio“ informiert das Tageblatt über regionale Erzeuger, Händler und Direktvermarkter von ökologisch erzeugten Lebensmitteln. Heute: Boyer im Ostviertel. mehr
Kommentare
Yep eifriger Leserfuchs – 18.05.10
Hype ist weg und auch da kocht man den Tee nur mit Wasser.Nachdem man denn mal ein wenig näher hinsieht, alles ein wenig Pappe, in den Ecken feiert der Staub und Dreck Orgien, und als ich mich letztens
auf einen der bunten Kindersitzwürfel mit meinem Kleinkind hinsetzen wollte, hab ich mir fas das Kreuz gebrochen, diese bunten Würfel sind fast nur Luft.
Ausserdem schmeckt der Kaffee aus dem Automaten zum ausspucken, zu teuer, und ich glaub ich bleib auch lieber bei meinem bisherigen Buchhändler.
Aus Prinzip auch weil der Kaffee so scheisse ist. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Göttinger Buchhändler Werner Grübl – 19.03.10
Na, ja, der Titel ist eher grenzwertig. Ich hab noch keinen Göttinger Buchhändler in Pantoffeln getroffen. Es ist sicher einen Artikel wert; aber ich vertraue auf die Göttinger, die da kaufen, wo auch der Eigentümer ebenfalls Göttinger ist; Beispiele dafür sind Bremer, da zahlt man gelassen einen geringen Aufschlag für Beratung u. Freundlickeit, bei Ewert statt bei Karstadt-Perfetto oder bei Lüttje/ statt bei Christ. Das hat auch Spoerl u.v.Seefeld zu spüren bekommen. Viele Konzerne meinen etwas erfolgreich beweisen zu müssen, was dem Wettbewerb mißlungen ist. Ich hab das aus eigener Erfahrung erlebt; bei der Branche schweigt des Sängers Höflichkeit. In der Regel weiß man welches Buch man will; wenn nicht braucht es eine kompetente Beratung; in beiden Fällen geht man zu "seinem" Buchhändler; wie ich immer zu "meiner" Friseurin gehe; Eulenspiegel und Calvoer: Ihr könnt weiter auf mich zählen! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben
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