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Gebäude verkauft

Sorge um Calvör und Cinema

Das Geschäftshaus Weender Straße 58 ist verkauft. Die Mieter sind informiert, Gaststätte Max L, Buchhandlung Calvör und Kino Cinema werden den Standort in A-Lage vermutlich verlassen. Investor Tobias Lemensiek hat für das Innenstadtgebäude andere Pläne.

Verkauft an den Leipziger Investor Tobias Lemensiek: Geschäftshaus mit Calvör, Cinema und Gaststätte Max L.

© Hinzmann
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Im Januar hat Calvör-Chef Eckart Kohl vom Verkauf der Immobilie erfahren. Eigentümer Otto Manfred Hack hatte die Mieter in Kenntnis gesetzt, dass das Haus (von seinem Vater 1939 erworben) ab September 2010 einen neuen Besitzer hat, die TLI Grundbesitz GmbH. Bei einem ersten Treffen mit Investor Tobias Lemensiek habe dieser schon erklärt, er plane ohne Buchhandel, berichtet Eckart Kohl. Da sein Mietvertrag zum 31. März 2011 ausläuft, ist der 53-Jährige auf der Suche nach neuen, bezahlbaren Geschäftsräumen in der Stadt. Drei seiner Buchhändlerinnen hätten bereits einen neuen Job beim eben eröffneten Buchhandel Thalia gefunden. „Freiwillig wäre ich nicht aus dieser Lage gegangen“, sagt Kohl, dessen Vater Wolfgang die Akademische Buchhandlung Calvör 1964 übernommen hatte. Ihren Namen verdankt sie dem Clausthal-Zellerfelder Buchhändler Calvör, der sie 1879 von Gustav Hessel erworben hatte. Gegründet wurde das Geschäft von Abraham Vandenhoeck, der sich in Göttingen im Zuge der Universitätsgründung niedergelassen hatte. Calvör ist in diesem Jahr, ebenso wie Vandenhoeck & Ruprecht, 275 Jahre alt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts, so schätzt Hack, ist Buchhandel im Haus. Vorher sei dort die Gaststätte „Haus Vaterland“ mit einem Tanzsaal im ersten Stock (heute Cinema) gewesen.

Unter Schock steht Sandra Kirchner. Die Betreiberin des Programmkinos Cinema, die Mitte Dezember ihren Vater, den legendären Kinobesitzer und Filmverleiher Walter Kirchner, verloren hat, muss jetzt um den Kino-Betrieb bangen. Ihr wurde die Auflösung des Mietverhältnisses zum 31. Dezember 2010 nahe gelegt. Sonst müsse die 45-Jährige mit einer kräftigen Erhöhung der Miete rechnen, hat sie am 19. Februar in einem Schreiben der TLI erfahren. Ihr Mietvertrag endet im April 2011, eine Option für weitere drei Jahre will sie in Anspruch nehmen. „Ich möchte so lange wie möglich im Haus bleiben“, erklärt Kirchner, die zurzeit am Herbstprogramm für das Cinema arbeitet.

Viel Geld hätte er investieren müssen, um die Immobilie mit rund 1000 Quadratmetern Fläche direkt neben der Jacobi-Kirche zu renovieren, begründet Hack den Verkauf. Das habe er nicht gekonnt, so der Besitzer des früheren „Musikhaus Hack“. Deshalb habe er einen Käufer für das Gebäude gesucht und mit Tobias Lemensiek gefunden. Lemensiek selbst will über die Göttinger Pläne erst informieren, „wenn sie konkret werden“.

Eckart Kohl, der zwei weitere Buchläden in der Universität und in Bovenden betreibt, will in der Innenstadt bleiben. Er braucht circa 100 Quadratmeter. Auch Sandra Kirchner will weitermachen. Sie sucht nach einem neuen Kinostandort.

Von Hanne-Dore Schumacher

Bezahlbare Mieten 

Man kann über die innerstädtische Expansion von Filialisten trefflich streiten. Gern wird der Untergang des klassischen Einzelhandels mit Ketten, Grüner Wiese und Parkplatzmangel beklagt. Doch was nutzt das Gejammere? Die Beispiele Calvör und Cinema zeigen deutlich: Die Innenstädte sind zu teuer. Der Immobilienbesitzer, der lange Zeit die Mieter geschont, dafür aber wenig ins Haus investiert hat, muss verkaufen. Der neue Investor braucht zahlungskräftige Mieter, um Kredite und eigenes Konto zu bedienen. Die Konsequenz: Alte Mieter müssen raus.
Da passt es gut, dass Buchgigant Thalia eine Filiale eröffnet hat. Der Schwarze Peter ist gefunden. Thalia muss für alles herhalten, was den Göttingern im Augenblick nicht passt. Schuldzuweisungen indes nutzen niemandem, am wenigsten dem traditionellen Einzelhandel. Der braucht bezahlbare Verkaufsflächen, und zwar in der Stadt. Calvör und Cinema wollen weiter machen, jetzt sind die Immobilienbesitzer am Zug. Von Hanne-Dore Schumacher


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  • Calvör Heimo Rütting – 15.03.10
    Hexenjagd auf die Entwicklung in
    Göttingen
    Unverständlich wie so ein schlecht gemachter Artikel in dem GT erscheinen kann.
    Total an der Wahrheit vorbei.
    Da wird einem alten Mann(Hack) seit Jahren die ursprüngliche vereinbarte Miete nicht gezahlt,so das dieser die Notbremse ziehen muß und das Haus auf Druck seiner Bank verkauft. Dann fordert der neue Eigentümer die vertragliche Miete. Frau Kirchner spricht besseren
    Wissens dann von einer kräftigen Mieterhöhung.
    Verschwiegen wird hier ein wesentlicher Teil wie doch Hack hinter das Licht geführt wurde von Idealisten..............???
    Der Artikel ist nicht angetan Geld nach Göttingen zu holen,das die Stadt dringend benötigt.
    Wir brauchen eine wettbewerbsfähige Innenstadt mit attraktiven Bestand und Angebot.Sonst setzt sich Kassel weiter ab und Kaufkraft geht dann mit Arbeitsplätzen verloren.Thalia ist der richtige Anfang.Hoffentlich schafft es der neue Eigentümer hier etwas zu schaffen was in die richtige Richtung geht.Nicht der ewige Blick in den Rückspiegel.
    Heimo Rütting
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  • Calvör Rainer Merz – 13.03.10
    Respektlose Behandlung und schlechte Bezahlung der Mitarbeiter, daraus resultierend eine unangenehme Atmosphäre in der "ehrwürdigen" Buchhandlung. Sind das wirklich Gründe für die große Jammerei, die da vom Göttinger Regionalblättle angestimmt wird???
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  • Thalia unschuldig ADS – 13.03.10
    Ja, ein Schuh wird erst aus der Geschichte, wenn man die Eröffnung von Thalia als Erklärungsversuch komplett ausklammert. Der Wechsel der drei Mitarbeiterinnen von Calvör zu Thalia hat jedenfalls nichts mit dem Immobilien(ver-)kauf zu tun. Da geht es eher um Tariflohn und betriebliche Mitbestimmungsmöglichkeiten, wie man hört. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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