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Wirtschaft Start-up-Präsentation in der PFH
Nachrichten Wirtschaft Start-up-Präsentation in der PFH
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01:18 01.12.2018
Konstantin Altrichter, Karl Hartmann und Prof. Bernhard Vollmar (v. l.). Quelle: Hinzmann
Göttingen

Für mehr Hygiene im Krankenhaus will die Rostocker Firma daisygrip sorgen. Am Mittwoch stellten die Gründer ihren leicht zu desinfizierenden Stauschlauch in Göttingen vor.

„In Krankenhäusern, aber auch in Arztpraxen werden meistens schlecht zu desinfizierende Schläuche aus Baumwolle und Elastan zum Stauen des Bluts verwendet“, berichtet Gründer und Geschäftsführer Konstantin Altrichter (26) bei einem Pressegespräch in der Privaten Hochschule Göttingen. Dort erwirbt der Arzt seit Anfang des Jahres im Fernstudium seinen Master of Business Administration (MBA). Eigentlich, so Altrichter, müssten die Schläuche nach jeder Verwendung aufwendig sterilisiert werden. Aus Zeitgründen unterbleibe das meistens. Einweg-Stauschläuche wiederum seien „teuer und unökologisch“.

„Das Hygieneproblem ist mir nach dem Studium während meines Praktischen Jahrs im Krankenhaus bewusst geworden“, berichtet der Arzt. Monatelang sei er auf einer Station für Innere Medizin mit dem Abnehmen von Blut beschäftigt gewesen. Dabei habe er fortlaufend mit dem Stauschlauch Keime von einem Patienten zum nächsten getragen. Ein Blick in die Literatur habe ihm gezeigt, dass das Problem schon 1990 thematisiert worden sei. So habe er über eine Lösung nachgedacht.

Karl Hartmann

„Ein alter Schulfreund, Karl Hartmann, half mir“, erzählt Altrichter. „Wir haben zunächst zahllose Schläuche aus dem Baumarkt und dann aus dem Versandhandel getestet“, erinnert sich Wirtschaftsingenieur Hartmann, der damals für ein Medizintechnikunternehmen tätig war und später gemeinsam mit dem Arzt daisygrip gründete. Viel Zeit hätten sie mit der Konstruktion eines geeigneten Verschlusses zum Spannen des Schlauchs verwendet. Er habe den Umgang mit Konstruktionssoftware, sagt Altrichter. Die Entwürfe hätten sie sich auf dem 3D-Drucker ausgedruckt. Ein Jahr lang habe die Entwicklung gedauert. Im Februar sei der Stauschlauch fertig gewesen.

Carsten Maschmeyer

„Auf der Suche nach einem Investor nahmen wir im September an Carsten Maschmeyers Vox-Sendung ,Die Höhle der Löwen teil’“, erzählt Altrichter. Maschmeyer habe ihnen am Ende 100 000 Euro für eine 25-prozentige Beteiligung am Unternehmen angeboten. Die Verhandlungen mit Maschmeyers Team hätten sich dann aber lange hingezogen.

Ideenwettbewerb Gesundheitswirtschaft

„In der Zwischenzeit gelang es uns, beim Ideenwettbewerb Gesundheitswirtschaft von Mecklenburg-Vorpommern 142 000 Euro aus dem Efre-Programm der Europäischen Union einzuwerben“, berichtet Hartmann. Zusammen mit den 65 000 Euro eigenen Gelds, das sie bereits investiert hätten, reiche das für den Anfang. So hätten sie Maschmeyers Angebot ausgeschlagen.

„Seit September sind wir mit unserem Produkt am Markt“, berichtet Hartmann. Sie ließen die Bänder und die Verschlüsse im Auftrag fertigen. Die Montage übernehme eine Behindertenwerkstatt. Bei Auftragsspitzen packten sie selbst mit an. Derzeit seien sie in ganz Deutschland unterwegs, um ihr Produkt in Krankenhäusern und bei Händlern vorzustellen. Die ersten 5000 Stück hätten sie bereits verkauft.

Zentrum für Entrepreneurship

„Wir von der Privaten Hochschule unterstützen das Start-up“, sagt Professor Bernhard Vollmar vom Zentrum für Entrepreneurship. Altrichter schreibe seine Abschlussarbeit über Markteintritts- und Vertriebsstrategien von Start-ups im Healthcare-Bereich. „Mit dem Thema befasse ich mich ohnehin jeden Tag“, sagt der Fernstudent. Die PFH helfe außerdem bei der Öffentlichkeitsarbeit. Mittwochabend war daisygrid bei einer PFH-Veranstaltung dabei, die die Chefs von sechs Start-ups mit Vertretern von sechs mittelständischen Unternehmen zusammenbrachte.

„Ich werde oft gefragt, warum ich nach jahrelangem Studium nicht als Arzt arbeiten will“, berichtet Altrichter. Er glaube, dass er Patienten momentan besser helfen könne, wenn er einen Beitrag zur Verbesserung der Hygiene in Krankenhäusern leiste. Die Managementerfahrungen, die er gegenwärtig sammle, eröffneten ihm zudem Karrierechancen in der Krankenhausleitung. Er habe allerdings auch noch weitere Produktideen, die er gerne mit Hartmann umsetzen wolle.

Von Michael Caspar

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