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Biolandhof Müller-Oelbke

200 Stunden Arbeit für einen Hektar Möhren


Bio ist in aller Munde. Spätestens seit dem Dioxin-Skandal Anfang des Jahres wollen die Verbraucher genau wissen, was bei ihnen auf den Tisch kommt. In der Serie „Alles Bio“ informiert das Tageblatt über Erzeuger, Händler und Direktvermarkter von ökologisch erzeugten Lebensmitteln. Heute: der Biolandhof Müller-Oelbke in Etzenborn.

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen: Nach diesem Prinzip müssen die Erntehelfer entscheiden, welchen Broccoli sie mitnehmen und welchen sie auf dem Feld stehen lassen. Im Schritttempo fährt der Erntewagen über das Feld. Frauen und Männer gehen hinter dem Ausleger her, schneiden den Kohl und legen ihn aufs Band, das das Gemüse auf den Wagen befördert. Von Käfern oder Schnecken ramponierte Pflanzen bleiben zurück. Wenn das Feld abgeerntet ist, werden die Reste gehäckselt und dienen als Dünger für die nächste Aussaat.

1989 haben Andrea Oelbke-Müller und Christoph Müller den Hof in Etzenborn gegründet und sofort mit der Umstellung auf Bio begonnen. Seit 1992 ist er anerkannter Bioland-Betrieb für Gemüse-, Kartoffel- und Getreideanbau. Viele Betriebe hätten in der Zeit auf Bio umgestellt, erzählen sie. „Da gab´s was vom Staat“, erklärt Christoph Oelbke. Er und seine Frau hatten schon vorher in Potzwenden eine kleine Bio-Schafherde gehalten.

Beim Landwirtschaftsstudium haben sie sich kennen gelernt. In Etzenborn fingen sie mit 35 Hektar an. Mittlerweile bestellen sie knapp 160 Hektar Land gemeinsam mit vier fest Angestellten – Landwirte und Landmaschinenschlosser – sowie einem Pool von 20 Aushilfskräften beim Pflanzen des Gemüses, beim Hacken des Unkrauts, beim Ernten oder beim Sortieren der Ware. Auf etwa der Hälfte der Flächen baut Christoph Müller Getreide an, knapp 16 Hektar hat er für Kleegras vorgesehen. Auf rund 30 Hektar werden Kartoffeln geerntet. Auf 14 Hektar stehen Blumenkohl und Broccoli. Wirsing, Sellerie, Chinakohl, Rot- und Weißkohl und Rote Beete bereichern das Bio-Sortiment. „Ein Hektar Möhren, das bedeutet 150 bis 200 Stunden Arbeit“, sagt Andrea Oelbke-Müller. Auf fast zehn Hektar wachsen die orangefarbenen Wurzeln. Das Zeitaufwendigste sei das Unkraut Hacken.

Das Paar investiert. Seit 2004 lässt sich die Hälfte der Anbauflächen beregnen. Das Wasser stammt aus einem eigens gebohrten Tiefbrunnen. So gibt es auch in diesem trockenen Sommer etwa ein Pfund große Broccoli-Sprossen.

Im Kühlhaus stapeln sich die kleinen Blumenkohl-Kisten. Broccoli wird in großen Wannen abgepackt. In Kühllagern hat der Betrieb inzwischen große Lagerkapazitäten. Die Kartoffellager mit einer Kapazität von 750 Tonnen sind computergesteuert. Das 2008 errichtete Lager mit unterstützender maschineller Kühlung kann 650 Tonnen aufnehmen. In weiteren sieben Kühllagern ist Platz für 400 Tonnen frisches Gemüse. So kann der Betrieb fast das ganze Jahr über Möhren an den Naturkost Elkershausen liefern. 90 Prozent der Gemüseproduktion aus Etzenborn geht an den Göttinger Bio-Großhandel in der Levinstraße. Von dort wird das Gemüse auf die Bioläden in der Region verteilt. „Das bedeutet kurze Wege für die Kunden“, sagt die Chefin, die keine Zeit für den Betrieb eines Hofladens übrig hat. Weil Viehhaltung zu aufwendig wäre, hat der Hof in Etzenborn eine Futter-Mist-Kooperation mit anderen Betrieben aus der Region aufgebaut. Die Landwirte arbeiten zudem bei Forschungsprojekte mit den Unis Göttingen und Kassel zusammen.

Kontakt

Biolandhof Müller-Oelbke
Christoph Müller und Andrea Oelbke-Müller
Neuendorfer Straße 15
37130 Gleichen/Etzenborn
Telefon: 05508/92236
Telefax: 05508/92238
E-Mail: kontakt@ biolandhof-mueller-oelbke.de
Internet: biolandhof-mueller-oelbke.de

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