Navigation:
eShop Online-ServiceCenter
Mosterei Malus in Silkerode

Äpfel kommen erst im Oktober in die Presse


Bio ist in aller Munde. Spätestens seit dem Dioxin-Skandal Anfang des Jahres wollen die Verbraucher wissen, was bei ihnen auf den Tisch kommt. In der Serie „Alles Bio“ informiert das Tageblatt über regionale Erzeuger, Händler und Direktvermarkter von ökologisch erzeugten Lebensmitteln.Dieses Mal: Die Mosterei Malus in Silkerode.

Ingmar Dalchow bei der Herstellung von Aroniasaft: Der Trester eignet sich zur Teeherstellung.

© OT

Silkerode. Mit dem Zivildienst hat es angefangen, ein Lebensprojekt ist daraus geworden. Damals, 1987, hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Bodensee ein Vermarktungsmodell für den Streuobstverkauf initiiert, erzählt Ingmar Dalchow. Damit wollte der BUND wirtschaftliche Anreize für die Erhaltung dieser Art des Obstanbaus schaffen. Während andere 5 DM pro Kilo zahlten, habe der Verband das Achtfache gegeben. Dalchow kam auf die Idee, eine Bio-Mosterei für Streuobst aufzubauen.

In Freiburg studierte Dalchow Biologie. Als sich im thüringischen Zwinge die Gelegenheit ergab, den Traum von der Mosterei umzusetzen, wechselte Dalchow an die Uni Göttingen und verlegte seinen Schwerpunkt auf die Geografie. Nach drei Jahren zog er mit dem kleinen Betrieb von Zwinge in den Nachbarort Silkerode. Mit zwei Studienkollegen habe er angefangen, erzählt Dalchow. Seit 2000 betreibt er die Mosterei allein in einer Hofgemeinschaft mit zwei weiteren Betrieben, einer Biogärtnerei und einer Naturheilpraxis.

In seiner Saft-Manufaktur presst Dalchow nur ungespritzte Früchte. Der Erhalt der Biotope war und ist für ihn Bestandteil der Betriebsstruktur. Mit 50 Lieferanten bewirtschaftet er etwa 50 Hektar kontrollierte Flächen mit 4000 Apfelbäumen. Die Erzeuger erhalten für das angelieferte Bio-Obst 25 Prozent mehr Geld als bei anderen Mostereien. „Damit wird der Aufwand gerechter entlohnt“, sagt Dalchow. Der Aufpreis lande letztendlich bei den Kunden, die Wert auf einen guten Obstsaft legten. Etwa 20 verschiedene Säfte hat der Silkeroder Moster im Programm. Mitte September beginnt in der Mosterei die Saison. In diesem Jahr hat Dalchow allerdings schon früher angefangen. Für das Kloster Gerode vom Verein „Weg der Mitte“ als Treffpunkt westlicher und östlicher Heilverfahren hat er zum ersten Mal Aronia-Beeren zu Saft verarbeitet. Sonst presst er zuerst Zwetschgen, dann Birnen und Äpfel. Äpfel kommen im Oktober in die Presse. Erst dann entfalte sich das volle Aroma, begründet Dalchow. Gepresst wird mit der Packpresse. Dieses alte Pressverfahren löse den Saft schonend aus den zerkleinerten Früchten. Das Ergebnis: „Ein fein-trüber aromatischer Rohsaft.“ Eine Nacht lang lässt Dalchow ihn stehen. Nachdem er sich dadurch teilweise geklärt hat, wird er in der halbautomatischen Abfüllstraße bei 80 Grad Celsius auf Flaschen gefüllt. 30 000 bis 35 000 Liter Saft produziert Dalchow im Jahr. Etwa 50 000 Flaschen füllen nach der Saison das Lager.

„Ich kaufe nichts überregional dazu“, spricht Dalchow gegen lange Transportwege. Umweltfreundlich ist auch die Wärmerückgewinnung, die doppelte Nutzung des Flaschenspülwassers sowie die Verwendung von grünem Strom und weitestgehenden Einsatz von Holz als Brennstoff. Nur die Spülmaschine für die Flaschen wird mit Heizöl betrieben, die Umrüstung sei aufwendig und teuer. Gerne hätte der Moster mehr Lohnobstkunden, die ihm Obst bringen und dafür Saft zum Vorzugspreis bei ihm einkaufen. In diesem Jahr bietet er deshalb zwei Obstannahmetage in Göttingen an. Jeweils am letzten Sonntag im September und Oktober nimmt im Schlagemühlenweg 2, 10 bis 17 Uhr. Aus den Göttinger Äpfeln möchte Dalchow dann einen Göttinger Apfelsaft machen. Ein Teil davon soll, zu Glühwein verfeinert, auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt angeboten werden.

Von Ute Lawrenz

Information
Mosterei Malus
Inhaber: Ingmar Dalchow
Dorfstraße 18
37345 Silkerode
Telefon: 03 60 72 / 805 78
info@mosterei-malus.de
www.mosterei-malus.de
Von Mai bis Weihnachten verkauft die Firma Malus Bio-Säfte auf dem Göttinger Wochenmarkt. Ein großes Hoffest zum 20-jährigen Bestehen der Mosterei veranstaltet Inhaber Igmar Dalchow am Sonntag, 18. September, von 10 bis 17 Uhr in Silkerode. Betriebsführungen beginnen ab 14 Uhr.
Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Regionale Wirtschaft

„Sperling – Mode und Natur“

Großes auf kleinem Raum

„Sperling – Mode und Natur“ steht mit großen Buchstaben draußen am Geschäft. „Viele sprechen mich mit Frau Sperling an“, amüsiert sich Rose-Marie Arendts. Als sie vor 30 Jahren den Laden für Kinder-Naturbekleidung eröffnete, standen ihr gerade mal 20 Quadratmeter zur Verfügung. mehr

KommentareKommentar



Anzeige

Göttinger Zeitreise

Das Portal "Göttinger Zeitreise" ist die Geschichtswerkstatt für Göttingen: Bilder, Videos und Dokumente zur Zeitgeschichte können hier veröffentlicht oder angeschaut werden.

Anzeige


Top