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Drei Tonnen Tomaten im Jahr


Bio ist in aller Munde. Spätestens seit dem Dioxin-Skandal Anfang des Jahres wollen die Verbraucher genau wissen, was bei ihnen auf den Tisch kommt. In der Serie „Alles Bio“ informiert das Tageblatt über regionale Erzeuger, Händler und Direktvermarkter von ökologisch erzeugten Lebensmitteln. Heute: Boyer im Ostviertel.

Bietet Gemüse aus eigener Gärtnerei: Michael Boyer.

© Hinzmann

Göttingen. Zuerst kaufte er den Ein-Achs-Schlepper, erst dann kam das Land und alles weitere hinzu. So erzählt Michael Boyer seine jüngste Geschichte. Vor drei Jahren hat der Inhaber des Naturkostladens im Ostviertel wieder angefangen, Gemüse in der eigenen Gärtnerei zu ziehen.

„Eigentlich hat mir das immer so ein bisschen Kummer gemacht, dass ich nicht auch die praktische Arbeit machen konnte“, schildert der Agraringenieur. „Was ich hatte, war ein fertiges Konzept und eine wunderbare Vermarktungsmöglichkeit.“ Er betrieb schon den Bioladen im Ostviertel und bis zum Sommer auch den in der Burgstraße.

In Regensburg ist Boyer aufgewachsen, in Göttingen hat er Landwirtschaft studiert. Bei Naturkost Elkershausen übernahm er Fahr- und Lagerarbeiten. Mit Unterstützung des Großhandels gründete Boyer eine Biogärtnerei in Dramfeld, die er später wieder abgab, und für die Vermarktung nicht nur auf dem Wochenmarkt 1995 den Bioladen in der Burgstraße. Vor vier Jahren übernahm der 54-Jährige außerdem den Bioladen im Hainholzweg.

In der neugegründeten Gärtnerei arbeitet er mit dem Internationalen Schulbauernhof Hardegsen in Hevensen zusammen. Der Schulbauernhof habe ihm anerkannte Bioflächen zur Bewirtschaftung angeboten. Durch die Kooperation mit dem Betrieb mit Tierhaltung könne er die für die Umwelt angestrebte Kreislaufwirtschaft betreiben.

„Wir bekommen Mist, der Schulbauernhof bekommt Stroh und Gemüseabfälle“, erklärt Boyer, der in seinem Laden auch den Käse verkauft, den Kerstin Westphal vom Milchschafhof Westphal, Pächter auf dem Schulbauernhof, produziert.
In Göttingen fand Boyer Platz für Gewächshäuser und zieht dort Kräuter und Salat. In Lenglern baut er Feingemüse an. Mit den Flächen in Hevensen bewirtschaftet der Landwirt sechs Hektar mit zwei Mitarbeitern.

Zählt er die Kräfte im Ladengeschäft dazu, kommt er auf ein Dutzend Menschen, die Voll- oder Teilzeit für ihn arbeiten. Weil er viel auf den Feldern unterwegs ist, setzte er Guiseppe Consoli als Manager für den Laden im Ostviertel ein.

Das Geschäft in der Burgstraße gab er vor Monaten ab an seinen Mitarbeiter Mark Kutah (Tageblatt berichtete). Wie bisher kümmert sich Kutah weiterhin um Boyers Forellenteic he. Aus Kostengründen und für die Fleischqualität hätten sie sich dort für die konventionelle Haltung entschieden.

Das erste Jahr mit der Gärtnerei habe sich als erstaunlich schwierig erwiesen, zieht Boyer Resümee. Viele Kunden hätten es kaum glauben können, dass er tatsächlich eigenes Gemüse verkaufe. Einen immensen Zuwachs um 46 Prozent habe er dann von 2010 zu 2011 verzeichnen können. Ein Renner sind die eigenen Tomaten. „In diesem Jahr haben wir schon drei Tonnen verkauft.“

Um sein Gemüse noch besser verkaufen zu können, hat Michael Boyer einen Marktstand angeschafft. Er wollte die eigene Ernte auch auf dem Wochenmarkt anbieten. Doch der Stand sorgt nun für Marktflair vor dem nicht allzu großen Geschäft im Ostviertel und bietet mehr Platz für Obst und Gemüse.

Mit dem Göttinger Bio-Großhandel Naturkost Elkershausen, mit der Vollkornbäckerei Backhaus (Klein Lengden) und rund 40 regionalen Erzeuger-Betrieben habe er „sehr gute Partner“ gefunden. Es sei ein ständiges „Geben und Nehmen“, beschreibt Michael Boyer sein Leben als Bio-Bauer.

Boyer im Ostviertel
Michael Boyer
Hainholzweg 18
37085 Göttingen
Telefon: 05 51 / 50 764 30
E-Mail: chef@biobauerboyer.de
Internet: biobauerboyer.de

Von Ute Lawrenz

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