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Heldbergs Ziel: „Wir wollen vernünftiges Bio“

Serie „Alles Bio“ Heldbergs Ziel: „Wir wollen vernünftiges Bio“

Nicht erst seit BSE und Dioxin wollen die Verbraucher genau wissen, was auf den Tisch kommt. In der Serie „Alles Bio“ informiert das Tageblatt über Erzeuger, Händler und Direktvermarkter von ökologisch erzeugten Lebensmitteln in der Region. Heute: Naturkost Elkershausen.

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Prüft die Ware persönlich: Großhandel-Chef Hermann Heldberg im Warenlager.

Quelle: Hinzmann

Käse mit Paprika oder Pfeffer, Frischkäse, Camembert und die Knollen italienischen Mozarellas füllen das Käselager. Farbenfroher ist es im Obst- und Gemüselager mit Tomaten, Salat, Trauben, Äpfeln und Kartoffeln. Fast jeden Tag sind Obst und Gemüse das erste Ziel von Hermann Heldberg, dem Chef des Großhandels Naturkost Elkershausen. Doch hier gibt es nicht nur Käse und Gemüse. In den gut gekühlten Hallen lagern rund 8000 Produkte aus der gesamten Nahrungsmittelpalette, aber auch Non-Food-Produkte wie Naturkosmetika.

Bei allem handele es sich um Verbandsware, betont Heldberg, Mitbegründer des Unternehmens. Naturkost Elkershausen wurde 1978 von zwei Familien gegründet, die anfangs nur ihre Selbstversorgung aus kontrolliert biologischem Anbau sichern wollten. Gemüse zogen sie im eigenen Garten, eine Scheune diente als Lager. Mit anderen Gleichgesinnten organisierten sie Transporte zu den damals noch wenigen Naturkosthändlern in der Region wie Schwarzbrot und Rapunzel.

Doch schon bald reichten die Vertriebswege nicht mehr aus. Um den Transport zwischen den vereinzelten Herstellern und der ebenfalls geringen Zahl an Abnehmern zu organisieren, schaffte die Firma einen alten Lkw an und bündelte den Einkauf der Läden in Göttingen, Kassel und Hannover und übernahm nach und nach den Warentransport.

Im Laufe der Zeit wandelte sich die Firma zu einem Großhandel mit Lager, immer mehr Läden wurden beliefert. 1983 gab es im Naturkostbereich eine Gründungswelle, die dem Betrieb Zuwachs bescherte. 1987 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt, seit 1992 ist Heldberg alleiniger Gesellschafter.

Viel zu klein war inzwischen die Dorfscheune geworden. 1988 zog die Firma mit 20 Beschäftigten in die ehemalige Levinsche Tuchfabrik in Göttingen um. 1994 erwarb Heldberg angrenzende Hallen. 2000/2001 kamen weitere Flächen und Gebäude hinzu.

Seit dem Abschluss der Umbauarbeiten stehen dem Unternehmen nun insgesamt 5000 Quadratmeter Lagerfläche und 1150 Quadratmeter Büro- und Sozialräume für die 140 Voll- und Teilzeitbeschäftigten zur Verfügung. In der öffentlichen Kantine können Mitarbeiter und Gäste jeden Mittag (12 bis 14 Uhr) zwischen zwei Gerichten wählen.

2000 betrug der Umsatz 24,5 Mio. Euro, neun Jahre später waren es 40 Mio. Euro. Nach dem Dioxin-Skandal im Januar sei die Wachstumsrate von drei (2010) auf 15 Prozent geklettert, berichtet Heldberg. Doch er weiß, dass sich diese Zahl nicht hält. Für das ganze Jahr rechnet er mit einem Wachstum von sieben bis acht Prozent. „Das Potential in der Region ist begrenzt“, weiß Heldberg. So sei die Zahl der Bioläden über die Jahre ungefähr gleich geblieben.

„Die Produktionsstrukturen haben sich verändert“, sagt der 58-jährige Landhandelskaufmann. Früher gab es in Göttingen noch eine Molkerei. Die letzte Biomolkerei in Niedersachsen in Hameln hat aufgegeben. Auch Marmelade kam früher aus der Region. Heute kommen die Früchte aus Osteuropa. Trotz Größe und dem klaren Bewusstsein, dass der Betrieb wirtschaftlich arbeiten muss, setzt Heldberg auf Regionalität und transparente Produktionswege. Bei der Tomate aus Spanien zum Beispiel muss der Weg von der Aussaat bis zur Ankunft im Göttinger Lager Schritt für Schritt nachverfolgbar sein.

„Wir wollen vernünftiges Bio, vernünftige Produktion, vernünftige Qualität“, beschreibt Heldberg seine Strategie gegen den Preisdruck. Ein wichtiges Argument gegen Niedrigpreise sei die artgerechte Tierhaltung. Heldberg macht deutlich: „Es gilt, einen Kompromiss zu finden zwischen dem, was der Kunde möchte und dem, was wir vertreten können.“ Die Grundfrage sei „Was ist etwas wert?“ und nicht „Wie billig will ich es verkaufen?“

  Verbandsware
  Ökobauern und -verarbeiter müssen über die Regelungen für den konventionellen Landbau hinaus zusätzliche Vorschriften einhalten. 1991 wurde von der Europäischen Gemeinschaft die EG-Öko-Verordnung verabschiedet, die Erzeugung, Herstellung und Kennzeichnung von Öko-Lebensmitteln einheitlich regelt. Seit 2000 fallen darunter auch Lebensmittel tierischen Ursprungs. Im September 2001 folgte ein einheitliches deutsches Bio-Siegel, die sechseckige Bio-„Wabe“. Lange vor dem Erlass dieser Verordnung haben sich Biobauern in Verbänden organisiert. Die ökologischen Richtlinien in diesen Verbänden sind in die EU-Verordnung eingeflossen, gehen jedoch in vielen Punkten über diese Richtlinien hinaus. Biobauern, die nach den Vorgaben eines Verbandes arbeiten, dürfen ihre Erzeugnisse mit dessen Logo kennzeichnen. Bekannte Anbauverbände sind Bioland, Demeter und Naturland.

Von Ute Lawrenz

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