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Öko-Landbau ist die Landwirtschaft der Zukunft

Serie „Alles Bio“, Teil 1 Öko-Landbau ist die Landwirtschaft der Zukunft

Nicht erst seit BSE und Dioxin wollen die Verbraucher genau wissen, was auf den Tisch kommt. In der Serie „Alles Bio“ informiert das Tageblatt über Erzeuger, Händler und Direktvermarkter von ökologisch erzeugten Lebensmitteln in der Region. Heute: Der Käsehof Landolfshausen.

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Bei der Käse-Produktion: Eberhard Prunzel-Ulrich auf seinem Käsehof in Landolfshausen.

Quelle: Hinzmann

Madita Luise hält das Zicklein im Arm. Zwei Tage hat das Ziegenbaby am Ofen gelegen. Schließlich war es kräftig genug, um in die Kinderstube im Stall entlassen zu werden. Heute toben dort nicht nur die Zicklein. Begeistert sehen ihnen die Kinder aus dem Sportkindergarten Waldweg Göttingen zu und freuen sich, wenn sie eins der süßen Tiere im Arm halten dürfen.

100 bis 150 Zicklein und Lämmer kommen in der Zeit von Januar bis April auf dem Käsehof Prunzel-Ulrich in Landolfshausen zur Welt. Die ersten Tage dürfen sie bei ihrer Mutter trinken. Doch damit deren gute Milch bald zu Käse verarbeitet werden kann, werden sie nach ein paar Tagen abgesetzt und lernen im Lämmerkindergarten, aus der Flasche und später aus der Lämmer-Bar (einem Eimer mit zehn Zitzen) zu trinken.

Mit Bioland-Kuhmilch werden sie großgezogen – 40 Euro kostet das laut Prunzel-Ulrich pro Tier – und ganz allmählich auf Bioland-Pellets und selbst angebautes Bio-Heu umgestellt. Als Bioland-Hof sei er verpflichtet, nach Möglichkeit auch Verbandsfutter zu füttern.

1981 haben Eberhard Prunzel-Ulrich und seine Frau Heide Ulrich den kleinen Hof in Landolfshausen gekauft. Als Selbstversorger wollten sie ihn bewirtschaften. „Damals gab es in der Region nur drei Biobetriebe“, erzählt der Landwirt. Durch die Mitarbeit an einem Forschungsprojekt „Waldsterben“ an der Universität Göttingen hielt sich das Paar anfangs über Wasser. „Als wir herkamen, gab es hier zwei Schafe“, erzählt er. Von einem Kommilitonen habe er dazu eine Ziege geschenkt bekommen. Der Grundstock für den Hof war gelegt. Denn wegen der Milchkontingentierung 1981 war klar: Wer keine Kuh hatte, konnte keine Milch produzieren.

Mit einem kleinen Büchlein aus der Hobbythek hat Prunzel-Ulrich fast als Pionier den ersten Biokäse mit Schafs- und Ziegenmilch produziert. Heute werden in der Hofkäserei im Jahr 30 000 bis 40 000 Liter Schafs- und Ziegenmilch zu Weich-, Hart- und Schnittkäse verarbeitet.

Die Käseproduktion liegt in den Händen von Prunzel-Ulrich und seinem Mitarbeiter Johannes von Paris. Als Nebenprodukt kommt das Fleisch als Bioware hinzu. Denn es gibt keine Milch ohne Lämmer. Von den 150 Lämmern werden aber nur 20 für die Aufstockung der jährlichen Milchproduktion gebraucht. Gute Tiere werden zur Zucht verkauft, die übrigen in Ebergötzen in der Fleischerei Kerl geschlachtet. Mit einem Auszubildenden, einem FÖJler (Freiwilliges ökologisches Jahr)und ein bis zwei Praktikanten wird die Arbeit auf dem Hof bewältigt. Gerade in der Lamm- und in der Heuzeit sei das eine Herausforderung.

Und warum bio? 1980 wurde das erste Symposium zum Ökolandbau in Göttingen ausgerichtet. „Das war der Punkt, wo ich angefangen habe, mich damit auseinanderzusetzen“, schildert Prunzel-Ulrich. Hinzu kam ein mehrmonatiger Aufenthalt in Peru. Dort habe er gesehen, welche schlimmen Folgen der konventionelle Landbau in diesen Ländern habe. Für ihn ist die Entscheidung für den Ökolandbau keine rein persönliche Entscheidung. „Unser Ansatz ist es, zu zeigen, dass Ökolandbau funktionieren kann.“ Allerdings dürfe man keine Stundenlöhne wie in der freien Wirtschaft erwarten.

„Der Ökolandbau ist die Landwirtschaft der Zukunft“, davon ist Prunzel-Ulrich überzeugt und sieht sich durch den Weltagrarbericht bestätigt. Der spreche für kleinbäuerliche Strukturen und Ökolandbau statt Agrochemie. Wichtig ist ihm auch die gute Zusammenarbeit mit den konventionellen Betrieben. „Jeder Betrieb, der morgen bio ist, ist heute noch konventionell.“

Bioland-Betrieb Eberhard Prunzel-Ulrich, Oberdorf 24, 37136 Landolfshausen. Telefon: 0 55 07 / 9 12 85, Telefax: 0 55 07 / 9 12 87. Wochenmarkt Göttingen: dienstags, donnerstags, sonnabends. Bovenden: freitags 14 bis 18 Uhr.

  Bioland
  Bioland ist der führende ökologische Anbauverband in Deutschland. Die Wirtschaftsweise der Bioland-Betriebe basiert auf einer Kreislaufwirtschaft – ohne synthetische Pestizide und chemisch-synthetische Stickstoffdünger. Die Tiere werden artgerecht gehalten und die Lebensmittel schonend verarbeitet. Dies ermöglicht eine umweltverträgliche und nachhaltige Lebensmittelerzeugung. Heute arbeiten rund 5443 Biobauern und 922 Lebensmittel-Hersteller wie Bäckereien, Metzgereien, Molkereien, Brauereien, Mühlen und Restaurants, Safthersteller nach den Bioland-Richtlinien. Den Grundstein für den organisch-biologischen Landbau legten Pioniere vor 50 Jahren. 1971 dann gründeten zwölf Männer und Frauen mit „Bio-gemüse“ den Vorläufer von Bioland. Zehn Jahre später hatte der Verein bereits 200 Mitglieder. Aus „bio-gemüse“ wurde die „Fördergemeinschaft organisch-biologischer Land- und Gartenbau“. Mitte der 70er Jahre wird „Bioland“ als Vereinsname und Warenzeichen etabliert.

Von Ute Lawrenz

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