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"Alles Bio" Wo Käse und Salat aus dem Tanzsaal kommen
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18:52 01.04.2011
Stellt die Bestellungen ihrer Kunden zusammen: Heike Nüsperling-Herr, Inhaberin des Bio-Bringdienstes in Mackenrode. Quelle: Hinzmann

Einkaufen heute ohne Auto? Der Bio-Lieferservice Linde Natur in Mackenrode macht’s möglich. Alles für den Haushalt in Bio-Qualität bringt er einmal in der Woche zu den Kunden. „Es ist doch besser, wenn nur einer fährt, als wenn viele Leute unterwegs sind“, sagt die Initiatorin Heike Nüsperling-Herr. Aus diesem Verständnis heraus hat sie vor 20 Jahren den Bio-Bringdienst für Göttingen, Südniedersachsen und den Harz gegründet.
Mit zwei kleinen Kindern war die Familie damals nach Mackenrode gezogen. Ein Geschäft war weit und breit nicht in Sicht, geschweige denn eine Bezugsquelle für „gesunde Lebensmittel“. Mit Bekannten gründete das junge Paar deshalb eine Einkaufsgemeinschaft für biologische Lebensmittel. „Am Anfang haben wir alles in der Scheune gemacht“, erzählt sie. Doch als die Arbeit zu aufwändig wurde, entschloss sich Nüsperling-Herr aus der Privatinitiative eine Firma zu gründen. Von der Scheune ist die Ware in die Küche und dann in den Tanzsaal umgezogen. Nüsperling-Herr hat den Saal aus den 30er Jahren zum heutigen Laden und Büro umbauen lassen. Dreimal musste der Kühlraum erweitert werden. Im vergangenen Jahr wurde noch einmal vergrößert. Zu den vorhandenen 160 Quadratmetern Nutzfläche ist noch einmal knapp die Hälfte hinzugekommen. 150 000 Euro hat die Geschäftsfrau investiert, um unter anderem die 80 Sorten Käse in einer modernen Theke präsentieren zu können. Auf der neuen Galerie mit Blick in den Garten können die Kunden verschiedene Snacks probieren.

„Das genossenschaftliche System gibt es nach wie vor“, betont die Chefin des Lieferdienstes. Die rund 200 Mitglieder der Food Coop erhalten als Gegenleistung für ihren Mitgliedsbeitrag günstigere Ware.

Um 8.30 Uhr beginnt Nüsperling-Herrs Arbeitstag. Sie checkt, was an Lieferungen gekommen ist. Alles wird in die Warenlisten aufgenommen. Die „Lagerfeen“ räumen die neue Ware in die Regale. Bis sie damit fertig sind, hat Nüsperling-Herr ihre E-Mails gelesen und den Anrufbeantworter abgehört, um die neuen Bestellungen aufzunehmen. Nun ist sie soweit. Die ersten Aufträge können herausgegeben werden.

Heidi Nolte, fast von Anbeginn dabei, macht die Qualitätskontrolle: Sind Obst und Gemüse reif? Ist der Salat auch knackig frisch? Was zu reif ist oder welk, wird aussortiert. Bei Molkereiprodukten muss auf das Mindesthaltbarkeitsdatum geachtet werden, bei Käse auch auf Sauberkeit und Schimmelbefall. Im kalten Winter hatte der Betrieb mit Frostschäden zu kämpfen. Die Lastwagen seien zwar isoliert, doch bei sehr strengen Temperaturen reiche der Kälteschutz nicht aus.

An Großhändler mit langer Anfahrt muss die Bestellung für den nächsten Tag bis um 10 Uhr rausgehen. Hauptlieferant ist Naturkost Elkershausen. Bei dem Göttinger Bio-Großhandel reicht es, am Nachmittag zu bestellen. Bei den Landwirten, die viel auf dem Feld unterwegs sind, meldet sich Nüsperling-Herr per Fax oder Anrufbeantworter.

Zehn Teilzeitmitarbeiter sind bei Linde Natur beschäftigt. Ein Auszubildender wird Bürokaufmann, eine zweite Ausbildungsstelle soll noch in diesem Jahr eingerichtet werden. „Wir haben sehr hohe Ansprüche an unsere Mitarbeiter. Sie müssen den Blick für Qualität haben“, betont Heike Nüsperling-Herr. Zuverlässigkeit sei eine wichtige Größe. Darüber hinaus sollten sich die Mitarbeiter in die Kunden hineinversetzen können. „Manche Kunden bestellen kiloweise, andere pro Stück“, erklärt die Chefin. Wenn ein „Stück-Kunde“ im Internet bestelle, müsse man manchmal schon nachfragen, ob er fünf Orangen oder fünf Kilo davon möchte. „Da sind die Lagerfeen gefragt.“

Eine Fahrerin müsse erkennen, ob sie die Ware in die Wohnung bringe oder an der Haustür abgeben könne. „Wenn sich jemand ein Bein gebrochen hat, trage ich den Korb auch in die Küche“, gibt Nüsperling-Herr ein Beispiel. Wichtig ist ihr eine positive Ausstrahlung der Fahrer: „Sie sind schließlich unser Aushängeschild.“

Pannen gibt es dennoch auch bei Linde Natur. „Ist das für jemanden in der Nähe“ fragten Kunden, wenn sie einmal zu viel bekämen. „Oft bringen sie es dann dem Richtigen vorbei“, erzählt Nüsperling-Herr begeistert. „Wir haben offene, interessierte Kunden“, beschreibt sie. An Geldbeutel, Alter, Beruf oder Geschlecht könne man die Kundschaft nicht festmachen. Doch eines hätten sie alle gemeinsam: „Sie gehen mit Lebensmitteln anders um.“

Von Ute Lawrenz

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