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Zuhause im Hühnermobil an der Bundesstraße 27

Direktvermarktung für Geflügel Zuhause im Hühnermobil an der Bundesstraße 27

Bio ist in aller Munde. Spätestens seit dem Dioxin-Skandal Anfang des Jahres wollen die Verbraucher genau wissen, was bei ihnen auf den Tisch kommt. In der Serie „Alles Bio“ informiert das Tageblatt über Erzeuger, Händler und Direktvermarkter von ökologisch erzeugten Lebensmitteln. Heute: Huhn + Ei in Waake.

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Geschäftstüchtiges Quartett: Daniele und Eberhard Rometsch mit Gudrun Wernecke und Gerhard Wernecke (von links).

Quelle: Hinzmann

Einen Tag sind sie erst alt und sehen aus wie fürs Osternest gebrütet. 250 fluffige Küken wuseln in ihrem großen Oval umher, picken, fressen oder trinken. Kaum zu glauben, dass sie erst an diesem Morgen bei Huhn + Ei in Waake angekommen sind. Rötlich-gelb ist ihr Baby-Flaum und doch heißt die deutsche Variante der französischen Bressehühner „Les Bleus“ (Die Blauen). Mit ihnen will Geschäftsführer Eberhard Rometsch eine eigene Zucht begründen. Denn für einen Biobetrieb eigne sich am besten eine Zwei-Nutzungsrasse mit hoher Legeleistung und gutem Fleisch zum Verzehr. Die langsam wachsenden Les Bleus möchte er mit diesem Ziel mit anderen Rassen kreuzen.

Vor zwei Jahren sind Daniele und Eberhard Rometsch mit ihren Verwandten Gudrun und Gerhard Wernecke nach Waake gekommen, um an der historischen Mühle im Hacketal einen Bio-Betrieb für Geflügel aufzubauen. „Unser Konzept war von Anfang an die Direktvermarktung für Geflügel“, erklärt Landwirt Rometsch. Als Bioland-Hof verkauft das Unternehmen schwerpunktmäßig Eier, Hähnchen und Suppenhühner. Maximal 1000 Legehennen wollen die Wahl-Waaker an der historischen Mühle im Hacketal halten, dazu sollen rund 600 Hähnchen kommen. In Hühnermobilen, den Dreieckshäusern, die an der B 27 auffallen, haben die Tiere ihr Zuhause. „Der Luxus besteht darin, dass die Hühner fast das ganze Jahr über frisches Grün bekommen“, erklärt Rometsch das Besondere der Unterkünfte. Alle ein bis zwei Wochen wird der Stall für 225 Hühner ein Stück weitergefahren, ein neues Areal von fast einem Hektar wird für sie eingezäunt. Drei Mobile sind schon bewohnt, zwei mit Hühnern, eins mit Hähnchen. Der vierte fahrbare Stall steht bezugsfertig bereit. Damit das Unternehmen im Aufbau regelmäßig Geflügel anbieten kann, soll die Kapazität noch ausgebaut werden.

16 bis 18 Wochen alt sind die Bio-Junghühner, wenn sie in Waake ankommen. Vier Wochen dauert es ungefähr, bis alle Neulinge vermarktungsreife Eier legen. Die ersten, kleinen Eier werden auf dem Martinshof in Uelzen von psychisch kranken und behinderten Menschen zu Bio-Nudeln verarbeitet. In Waake produzieren die Schwestern Daniele Rometsch und Gudrun Wernecke daraus Eierlikör, Kekse oder Sonntagskuchen. Zweimal am Tag werden die Eier abgesammelt. Bevor sie gestempelt und verpackt werden, werden sie unter anderem auf Risse durchleuchtet. So können die „Knickeier“ aussortiert werden.

Ein Jahr lang legen die Hühner Eier, bevor sie in die Mauser kommen. Bei Huhn + Ei werden sie dann geschlachtet und als Suppenhühner verkauft. Zwölf Wochen – im Gegensatz zu nicht mehr als 40 Tagen in einem konventionellen Betrieb – haben die Hähnchen Zeit zum Wachsen. Derzeit wird das Geflügel noch in Witzenhausen beim Bioland-Frischgefügel-Hof Roth geschlachtet. Ziel ist es bei Huhn + Ei jedoch, in viel Eigenarbeit eine eigene Schlachterei und einen Hofladen aufzubauen. Schon im Spätherbst soll der Laden eröffnet werden. Nach dem langen Streit um die Zufahrt zum Betrieb haben sich die beiden Paare nun entschlossen, die Kosten für die geforderte Abbiegespur auf der B 27 zu übernehmen, damit die Kunden auch zu ihnen kommen können (Tageblatt berichtete). 170 000 Euro sollte der Bau zunächst kosten, fast 50 000 Euro müssen sie nach dem jüngsten Bescheid immerhin noch dafür rechnen. Doch das Geschäft gehört zum Konzept: Die grundlegende Idee des Biobetriebs sei es, einen in sich geschlossenen Kreislauf aufzubauen, erklärt Daniele Rometsch.
Teil des Kreislaufs ist auch das Futter. Einen kleinen Teil baut Eberhard Rometsch selbst an. Doch für den größeren Anteil sei eine dauerhafte Kooperation mit einem viehlosen Betrieb vorgesehen. Huhn + Ei liefert den Mist, im Gegenzug bekommen sie Futter. Lediglich die Eiweiß- und Mineralstoffversorgung seiner Tiere muss der Betrieb über eine Futtermühle abdecken.

Für die vier noch „jungen“ Geflügelhalter im Alter von 41 bis 57 Jahren sind die Tiere nicht nur Fleisch- und Eierproduzenten. „Jeden Morgen streuen wir Körner für sie“, erzählen sie von dem Beginn eines Tages, wenn als erstes die Hühner herausgelassen werden. „Sie glauben gar nicht, was für eine Beziehung man zu den Tieren aufbaut“, schwärmen sie und beschreiben die Hackordnung der Tiere. Für eine gesunde soziale Struktur sind in jeder Herde vier bis fünf Hähne, ein Hahn für 50 Hennen. Auffällige Tiere bekommen Namen wie die zwei Hähne Herr Meier und Herr Schröder. Daniele Rometsch hat einen kleinen Zoo aufgebaut. Hier werden die kranken Tiere gesammelt. Haben sie sich erholt, dürfen sie bleiben. In dem Zoo wohnt auch Erpel Knacki. Bei der ersten Hähnchenkükenlieferung war ein kleines Entenkind mitgekommen. Sechs Wochen durfte das Pekingentenbaby in der Familie im Wohnzimmer wohnen und wuchs und gedieh zu einem prächtigen Erpel. Vom Postboten bekam er zu seiner Gesellschaft zwei gefällige Entendamen.

Nicht nur Knacki scheint es bei Huhn + Ei zu gefallen. Auch die Kunden kommen immer wieder, freuen sich die Unternehmer. Eier aus Waake kämen über Durchreisende bis nach Berlin oder Hamburg. Mit vielen Menschen aus der Region führen sie als leckeres Frühstücksei mit in den Urlaub.

Huhn + Ei

Huhn + Ei GmbH & Co. KG
Hacketal 2
37136 Waake
Telefon: 05 50 7 / 97 99 234
E-Mail: info@huhn-und-ei.de
Biolandbetrieb
Die Produkte von Huhn + Ei können die Kunden in der alten Mühle in Waake oder dienstags, donnerstags und sonnabends auf dem Göttinger Wochenmarkt sowie bei „Lebenskunst“ in Duderstadt kaufen. Zu größeren Abnehmern werden Eier geliefert.

Von Ute Lawrenz

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