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Porträt: Der Göttinger Autohändler Pasquale Periello aus Italien

Autos sind seine Leidenschaft Porträt: Der Göttinger Autohändler Pasquale Periello aus Italien

Mehr als 25 Prozent aller Unternehmensgründungen in Niedersachsen fallen auf ausländische Mitbürger. Auch in Göttingen und in der Region wächst die Zahl der Betriebe von Gründern mit internationalen Wurzeln. Das Tageblatt stellt einige Firmen in der Serie „Die ganze Welt in Göttingen“ vor. Heute: Autohändler Pasquale Periello aus Italien.

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Ist früher selbst Rallyes gefahren und lässt keine Formel-Eins-Pbertragung aus: Kraftfahrzeugmeister Pasquale Periello.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Seit seiner Kindheit hat Pasquale Perriello einen Traum: zurückzukehren in seine Heimat Kampanien, dorthin, wo das Meer am blauesten ist, der Wein am süßesten schmeckt und die Menschen das Leben genießen.

Viel Zeit verträumt hat der gebürtige Italiener in den 53 Jahren, die er jetzt in Deutschland lebt, allerdings nicht. Stattdessen hat er zwei Autohäuser gegründet, ist für die CDU im Stadtrat und hat den Integrationsrat mit aus der Taufe gehoben.

1957 verließ der Tischler Angelo Perriello seine Heimatstadt Salerno (50 Kilometer von Neapel) und ging nach Dransfeld, um im Basalt-Abbruch gutes Geld zu verdienen. Vier Jahre später folgten seine Frau Rosina mit einer Tochter und zwei Söhnen.

„Das hat weh getan“

Ein Ereignis von damals wird Pasquale Perriello niemals vergessen: als er eines Morgens aufwachte, aus dem Fenster sah und Schnee erblickte. Mit lautem Geschrei habe er seine Geschwister geweckt, erinnert der heute 65-Jährige sich. „Als wir rausgingen und die weiße Pracht zum ersten Mal anfassten, war das ein unglaubliches Gefühl.“

Ein Jahr besuchte der Junge noch die Schule, ging dann bei der Fiat-Werkstatt Münstermann in die Lehre. Bei der ersten Zeugnisvergabe in der Berufsschule las der Lehrer die Noten vor. „Pasquale kann wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht bewertet werden“, ließ er die Klasse wissen. „Das hat weh getan“, blickt Perriello zurück.

Aber der junge Mann lernte die neue Sprache schnell. Legte 1965 seine Gesellenprüfung ab, arbeitete ein paar Jahre und machte 1971 seinen Meister, bekam anschließend eine Offerte vom TÜV sowie das Angebot, eine Gasoline-Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt zu übernehmen. Er wählte die Selbstständigkeit.

Rascher Erfolg

Eine gute Entscheidung, der unternehmerische Erfolg kam rasch. 1975 erwarb er am Stadtrand auf freiem Feld – da, wo sich heute das Gewerbegebiet Lutteranger befindet – ein Grundstück, auf dem er baute und 1977 ein Fiat-Autohaus eröffnete. Acht Jahre später folgte ein weiteres Autohaus, ebenfalls am Lutteranger, und zwar das „Toscana“ im Beseler Weg, dessen Leitung Perriellos Bruder Franco übernahm.

Perriello war erfolgreicher Geschäftsmann, wurde aber – wenn auch in abnehmendem Maße – „häufig immer noch als Ausländer gesehen“, sagt er. Also gründete er in den 80er-Jahren mit Gleichgesinnten den Ausländerrat (heute Integrationsrat), dessen Vorsitzender er jahrelang war.

„Ein gutes Unterfangen“, so sein Resümee. „Der Rat hat eine Menge bewegt“. Nachdem die EU-Bürger das kommunale Wahlrecht erhalten hatten, trat 1996 die damalige CDU-Stadtverbands-Vorsitzende Barbara Mecke an ihren Parteifreund heran: „Es reicht nicht, dass du jetzt wählen darfst, du musst auch kandidieren.“

Lebenslange Leidenschaft

Also trat Perriello an, wurde gewählt und sitzt seither ununterbrochen für die Christdemokraten im Stadtrat. Seit 2004 hat er ein weiteres Amt inne, und zwar das des Obermeisters der Kfz-Innung Südniedersachsen. Sein Schwerpunkt sei Ausbildung, und er tue alles, um die Berufsbildenden Schulen Münden, die die Kfz-Lehrlinge der Region besuchen, zu unterstützen.

Wann Perriello in Rente geht, weiß er noch nicht. „Hörte ich jetzt auf, würde ich nach wenigen Tagen den Benzingeruch vermissen, den brauche ich nämlich.“ Auf jeden Fall steht fest, dass Tochter Sandra (27, Kfz-Betriebswirtin) seine Nachfolge antreten wird.

Autos seien sein Leben lang seine Leidenschaft gewesen, sagt Perriello, der früher selber Rallyes gefahren ist und keine Formel-Eins-Übertragung verpasst und Rennen live miterlebt hat. Sein Lieblingsrennstall? Ferrari natürlich.

Wer weiß

Einmal im Jahr lässt der Unternehmer seine Autos allerdings hinter sich und fährt mit seiner deutschen Ehefrau Angelika „nach Hause“. Diesen Ausdruck wählt er ganz bewusst.  Kampanien sei für ihn schließlich immer noch Heimat. Dort herrsche keine Hektik, schwärmt er.

Die Deutschen könnten organisieren, die Italiener dagegen wären gut im Improvisieren und verstünden es, zu leben.

Aber ob er jemals für immer nach Salerno zurückkehren wird? „Meine Eltern wollten es und haben es nicht getan“, sinniert er, „ob ich es schaffen werde? Wer weiß.“

Von Hauke Rudolph

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