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Porträt: Natella Kokaya betreibt das Caffé Amici in Göttingen

Von Taschkent nach Göttingen Porträt: Natella Kokaya betreibt das Caffé Amici in Göttingen

Mehr als 25 Prozent aller Unternehmensgründungen in Niedersachsen fallen auf ausländische Mitbürger. Auch in Göttingen und in der Region wächst die Zahl der Betriebe von Gründern mit internationalen Wurzeln. Das Tageblatt stellt einige Firmen in der Serie „Die ganze Welt in Göttingen“ vor. Heute: Natella Kokaya aus Usbekistan.

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Nicht im Klasssenzimmer, lieber im Caffé Amici: Natella Kokaya ist vom Lehramt in die Gastronomie gewechselt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Mein erstes Jahr in Deutschland war eine große Herausforderung“, erinnert sich Natella Kokaya (30), die heute in der Burgstraße 25 das Caffé Amici betreibt. Damals saß die 15-jährige Usbekin in der neunten Klasse des Max-Planck-Gymnasiums und verstand kein Wort Deutsch.

Der Vater, ein Computerspezialist, hatte eine Stelle in Göttingen bekommen und war mit seiner Familie aus der Millionen-Metropole Taschkent nach Südniedersachsen übergesiedelt. Inhaltlich stellte der Unterrichtsstoff für Kokaya kein Problem dar. Das hatte die Schulleitung beim Vorstellungsgespräch, das die Schülerin auf Englisch führte, überzeugt.

Natella Kokaya konzentrierte sich in ihrer ersten Physikarbeit auf die Formeln und schrieb prompt eine Eins. „Ich habe die Fächer geliebt, wo ich wenig reden musste: Mathe, Chemie und Physik“, erzählt sie. Nach einem Jahr dann sprach sie fließend Deutsch und konnte auch Aufsätze schreiben.

„Ich wäre auch gerne Zahnärztin geworden"

„Ich war die einzige Ausländerin in der Klasse. Das war mein Glück“, meint Kokaya. Die Lehrer seien gut, die Mitschüler nett gewesen. Sie habe schnell Kontakt gefunden. Mentalitätsmäßig sieht sie keine Unterschiede. Als Tochter einer russischstämmigen Familie fühlt sie sich trotz ihrer zentralasiatischen Herkunft als Europäerin.

Nach dem Abitur machte Kokaya ihren Bachelor in Russisch und Deutsch (Lehramt). Sie wollte ihre Muttersprache Russisch nicht vergessen. Deutsch studierte sie, um es perfekt zu beherrschen. „Ich wäre auch gerne Zahnärztin geworden. Meine Puppen hatten immer gute Zähne“, erzählt sie.

Ihr gefalle der Gedanke, schmerzgeplagten Patienten zu helfen. Kokaya machte sogar ein Praktikum bei einem Zahnarzt. Sie entschied sich dann aber gegen diesen Beruf. „Ich hätte in der Schule mehr Biologie machen müssen“, erklärt sie.

Während des Studiums jobbte sie in der Gastronomie und fand Gefallen am Kontakt mit den Gästen. Nach dem Examen schaute sie sich nach geeigneten Räumen um.

Händler und Dienstleister aus der Nachbarschaft

Damals zog sich der Besitzer des 2010 gegründeten Caffé Amici, Jörg Kaczorowski, aus persönlichen Gründen zurück. Mit zwölf Sitzplätzen ist der Betrieb überschaubar. Der Standort in der Nähe der Kreuzung Burg- und Theaterstraße überzeugte Kokaya. Seit August 2013 ist sie die Chefin.

Die Usbekin erweiterte die italienisch geprägte Speisekarte. Nun gibt es unter anderem auch französische Weine und spanische Salami. Der experimentierfreudigen Köchin macht das Zubereiten der Antipasti Freude. Ihre Mathematikkenntnisse helfen ihr, die Buchhaltung zu bewältigen. Dass sie Englisch und ein bisschen Französisch und Spanisch kann, hilft ihr, mit Gästen ins Gespräch zu kommen.

Neben Studenten und Professoren kommen die Händler und Dienstleister aus der Nachbarschaft. Auch Schauspieler vom Theater schauen vorbei. Viele kennt Kokaya bereits vom Sehen. Die studierte Germanistin geht nämlich gern ins Theater.

Von Michael Caspar

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