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Weltweit Abgastest-Affäre: VW beurlaubt Cheflobbyisten Steg
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Abgastest-Affäre: VW beurlaubt Cheflobbyisten Steg
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16:07 30.01.2018
Thomas Steg Quelle: Michael Gottschalk
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Wolfsburg

 Die Debatte um umstrittene Abgastests an Affen hat bei Volkswagen zu einer ersten personellen Konsequenz geführt. Der Generalbevollmächtigte Thomas Steg wurde beurlaubt, wie die Volkswagen AG am Dienstag in Wolfsburg mitteilte. Der Vorstand habe das entsprechende Angebot des Leiters der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit angenommen.

 Steg werde bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge von seinen Aufgaben entbunden. „Wir sind dabei, die Arbeit der 2017 aufgelösten EUGT genau zu untersuchen und alle nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen“, sagte Konzernchef Matthias Müller der Mitteilung zufolge. „Herr Steg hat erklärt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Dies respektiere ich.“

Volkswagen war wegen Diesel-Abgastests mit Affen in die Kritik geraten. Die Autoindustrie hatte Wissenschaftler eingespannt, um mit der von BMW, Daimler, VW und Bosch gegründeten Lobbyorganisation EUGT - der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor - Gesundheitsgefahren von Dieselabgasen zu verharmlosen. Dabei waren auch Affen mehreren Tests ausgesetzt worden. VW hat sich von den Versuchen distanziert und dafür entschuldigt

Die Untersuchungen der Vorgänge sollten weiter mit Hochdruck vorangetrieben werden, teilte Volkswagen mit. Die Aufgaben Stegs übernehme kommissarisch Jens Hanefeld, verantwortlich für internationale und europäische Politik.

Weil: Stegs Beurlaubung war „unausweichlich“

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil (SPD) hält die Beurlaubung des VW-Cheflobbyisten Thomas Steg für „unausweichlich“. Steg hatte Kenntnis von den Abgas-Versuchen an Affen, die in den USA unternommen worden sind. „So sehr ich Thomas Steg schätze, so unausweichlich war diese Entscheidung“, sagte Weil am Rande einer Klausur der SPD-Landtagsfraktion in Lüneburg. Nicht umsonst seien die Wellen der Empörung seit Bekanntwerden dieser jüngsten Affäre so hochgeschlagen, dass man nicht auch Fragen nach der persönlichen Verantwortung einzelner Verantwortlicher stellen müsste – „nicht nur bei den Ausführenden, sondern höheren Ortes bei VW“. Weil, der offenbar früh von der Beurlaubung Stegs informiert war, betonte, dass man nun den Bericht des VW-Vorstandes abwarten müsse. Auf jeden Fall müsse diese Affäre auch persönliche Konsequenzen haben.

Für den FDP-Politiker und früheren Wirtschaftsminister Niedersachsens, Jörg Bode, stellt sich die Frage, ob auch der VW-Vorstand von den Tierversuchen in den USA Kenntnis gehabt hat. „Steg war ja dem Vorstand direkt unterstellt und hat nach ersten Berichten ursprünglich sogar an Menschen geplante Versuche abgewendet und auf Tierversuche hingewirkt“, sagte Bode der HAZ. Die FDP im Landtag hat eine Unterrichtung im Wirtschaftsausschuss beantragt. Die Beurlaubung Stegs sei „absolut zwingend“ gewesen.

Vollständige Aufklärung gefordert

Zuvor hatte Steg angekündigt, dass Volkswagen künftig auf Tierversuche verzichte. „Wir wollen Tierversuche für die Zukunft absolut ausschließen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert“, sagte er. Der Autobauer lasse prüfen, was nach den Versuchen mit den Affen geschehen sei, in welchem Zustand sie übergeben wurden und wie es ihnen heute gehe.

 Auch Konzernchef Müller hatte die Versuche als inakzeptabel bezeichnet. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte erneut vom Vorstand vollständige Aufklärung und personelle Konsequenzen – ohne Ansehen von Personen.

Steg war unter Gehard Schröder (SPD) erst stellvertretender Leiter des Kanzleramts. Von 2002 bis 2009 war er stellvertretender Sprecher der Bundesregierung. Seit 2012 war er bei VW Leiter der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit.

Von dpa/mbb

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