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Weltweit Deutsche Industrie fordert Rechtssicherheit
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00:19 29.06.2018
Asteroiden können zur Gefahr werden, wenn sie der Erde zu nahe kommen – bergen jedoch auch riesige Vorräte an wertvollen Rohstoffen. Quelle: NASA
Berlin

Wirtschaftlich betrachtet ist die Eroberung des Weltraums bislang ein reines Zuschussgeschäft – doch das könnte sich bald ändern. Der Abbau von Rohstoffen auf fernen Himmelskörpern ist heute kein Hirngespinst mehr. Viele Länder bereiten sich schon auf die neue Ära vor. Deutschland könnte ins Hintertreffen geraten, wenn die Politik nicht bald eine Rechtsgrundlage für den Weltraumbergbau schafft, warnt jetzt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Es geht dabei um Eigentums- und Haftungsfragen, aber auch die Finanzierung.

„Wenn Deutschland seine Schlüsselposition in der Luft- und Raumfahrt behalten und ausbauen will“, müsse die Bundesregierung rasch ihren im Koalitionsvertrag angekündigten Plan umsetzen - nämlich ein Weltraumgesetz mit einem gesonderten Kapitel für Weltraumbergbau verabschieden, erklärt der Verband in einem Positionspapier. Inzwischen hätten schon etwa 20 Länder solche Gesetze verabschiedet, darunter die USA und Russland, europäische Länder wie Spanien, Frankreich, Belgien und Finnland, aber auch Peru und die Mongolei. Neuestes Beispiel ist das Großherzogtum Luxemburg, das zum „Silicon Valley“ für Weltraum-Rohstoffe werden will und im August 2017 ein entsprechendes Gesetz beschlossen hat.

Objekt der Begierde sind die gewaltigen Vorkommen an Rohstoffen, die ungenutzt auf fernen Himmelskörpern schlummern. Die meisten davon sind viel zu weit weg, um sie von der Erde aus auszubeuten. Doch auch die theoretisch von hier erreichbaren Rohstoffvorkommen sind riesig. Forscher und Ingenieure, Weltraumunternehmen und Bergbaukonzerne interessieren sich für die in Erdnähe bisher entdeckten rund 17 000 Asteroiden, also Kleinplaneten, Stein- und Metallbrocken, von denen viele fliegenden Schatztruhen gleichen. Begeisterung wecken vor allem die dort vorhandenen metallischen Rohstoffe wie Platin, Eisen, Nickel, Kobalt, Rhodium, aber auch Gold. Allein der Asteriod 3554, der auch den Namen Amun trägt und auf seinem Weg um die Sonne die Erdbahn kreuzt, soll Metalle im Wert von 20 Billionen Dollar enthalten – genug, um die Versorgung auf der Erde für Jahrzehnte zu sichern.

Nach Ansicht des BDI ist die deutsche Industrie in der Lage, im Wettkampf um die Rohstoffe aus dem Weltraum „ganz vorn dabei zu sein“. Der Verband verweist auf die Rolle Deutschlands bei der Entwicklung des Raketenprogramms Ariane und das Know-how in der Weltraumrobotik, in der Bergbautechnik, der Kameratechnik und der Entwicklung von Transportsystemen. Allerdings ist die Gewinnung der Rohstoffe extrem teuer und schwierig. Voraussetzung seien deshalb spürbare Kostensenkungen, zum Beispiel durch die Entwicklung von wiederverwendbaren Raketen.

Bislang konzentrieren sich die privaten Investitionen und die Investoren auf dem Feld derin die Weltraumforschung aber auf die USA. Als wichtigsten Hemmschuh in Deutschland sieht der BDI, dass es noch kein Weltraumgesetz gibt, das die Nutzung des Weltraums und den Weltraumbergbau regelt. Ohne Rechtssicherheit gebe es keine Investitionen, warnt die Spitzenorganisation der deutschen Wirtschaft. Sie fordert auch eine Haftungsbegrenzung für private Weltraum-Aktivitäten. Ansonsten sei eine Versicherung dafür unbezahlbar. Außerdem sollte die Bundesregierung Investitionen in die Weltraumforschung finanziell fördern, etwa durch Darlehen der bundeseigenen Bank KfW.

In Berlin rennt die deutsche Industrie mit ihren Wünschen offene Türen ein, jedenfalls nach dem Wortlaut des Koalitionsvertrages. „Wir werden ein Weltraumgesetz auf den Weg bringen, um Investitions- und Rechtssicherheit für nicht-staatliche Raumfahrtaktivitäten zu schaffen“, heißt es in dem im März unterzeichneten Abkommen von CDU, CSU und SPD. Das dafür zuständige Bundeswirtschaftsministerium konnte am Dienstag aber nichts zum Stand der Dinge sagen.

Von Albrecht Scheuermann

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