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Weltweit Minister Altmaier fordert Kurswechsel
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16:52 16.04.2018
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU): „Fehlverhalten ausbügeln und Geschäftsmodelle an die ökologische und digitale Zukunft anpassen“. Quelle: imago/photothek
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Berlin

Ein reichweitenstarkes Modell, eine futuristische IT-Plattform und eine europäische Batteriezellfertigung: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fordert kurz nach dem Chefwechsel bei VW die Automobilindustrie zu einem weitreichenden Kurswechsel auf. Die Konzerne müssten ihr „Fehlverhalten ausbügeln und ihre Geschäftsmodelle an die ökologische und digitale Zukunft anpassen“, sagte Altmaier der „Bild“-Zeitung am Montag. „Auch die Elektro-Autos der Zukunft müssen hier gebaut werden, da haben die Auto-Konzerne unverständlich lange gezögert.“

Um den Anschluss an internationale Konkurrenz nicht zu verpassen, müssten die Konzerne hohe zweistellige Milliardenbeträge investieren. Konkret forderte Altmaier von den deutschen Autobauern: „Erstens: Bringt ein Modell auf den Markt, das mindestens die Reichweite eines Tesla hat und gleichzeitig weniger kostet. Zweitens: Schafft eine IT-Plattform für selbstfahrende Autos, die die beste weltweit ist. Die ersten sicher selbstfahrenden Autos müssen mit deutscher Technologie fahren – und drittens: Entwickelt gemeinsame Lösungen, um eine europäische Batteriezellfertigung auf die Beine zu stellen.“

Deutsche Konzerne setzen auf Diesel, statt auf Elektromobilität

Die Kritik am geringen Fortschritt der Elektromobilität in Deutschland scheint berechtigt: Zwar steigen die Neuzulassungen, aber auf einem sehr geringen Niveau. Bis 2040 könnte der Anteil der Autos mit alternativen Antrieben auf Deutschlands Straßen nach Einschätzung des Energiekonzerns ExxonMobil auf mehr als ein Drittel am Bestand wachsen. Rund 20 Prozent könnten dann reine Elektroautos sein, knapp zwei Drittel würden aber noch von Verbrennungsmotoren angetrieben, ergab eine ExxonMobil-Energieprognose. Deutsche Automobilkonzerne haben schon länger mit der Kritik zu kämpfen, anstatt auf neue Techniken lieber auf den Diesel zu setzen, der wegen des Abgas-Skandals gerade einen Imagewandel durchmacht.

Was Dieselfahrzeuge angeht, kann Altmaier aber erstmal Entwarnung geben: Er sei sich mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) einig, „dass wir keine Fahrverbote für Dieselautos wollen, denn es darf keine Bestrafung derer geben, die sich auf die Zusicherungen der Autoindustrie verlassen haben“. Anstatt den Autostandort Deutschland schlechtzureden, gelte es, entschlossen die Weichen für eine umweltfreundliche Automobilität der Zukunft zu stellen. Der neue VW-Chef Herbert Diess hatte angekündigt, er wolle bei Elektromobilität und Digitalisierung das Tempo für Innovationen erhöhen und neue Akzente setzen.

Altmaier macht Tempo in der Batteriezellfertigung

Für den Aufbau einer Batteriezellen-Fertigung in Europa will Altmaier bis zur Sommerpause „erkennbare Fortschritte“ erzielen. Die EU brauche „dringend“ eine eigene Produktion, und dies in mehreren Mitgliedsstaaten, sagte Altmaier am Montag nach einem Treffen mit Maros Sefcovic, dem für die Energieunion zuständigen Vizepräsidenten der EU-Kommission. Es müsse nun über die notwendigen Rahmenbedingungen gesprochen werden. Es gehe darum, die Elektromobilität voranzutreiben, die Batteriezelle sei ein erheblicher Teil der Wertschöpfung. Sefcovic sagte, die Kommission wolle im Mai einen Aktionsplan zur Batterie vorstellen. In Europa müssten künftig die besten Autos und die besten Batterien gebaut werden.

Batteriezellen sind entscheidend bei der Fertigung der Batterien für E-Autos. Derzeit dominieren asiatische Hersteller den Weltmarkt, es drohen Abhängigkeiten. Eine Fertigung in Deutschland und Europa gilt bisher als zu teuer.

Von RND/dpa/lf

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