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Weltweit Conti-Betriebsräte fordern Aufklärung über Konzernumbau
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Conti-Betriebsräte fordern Aufklärung über Konzernumbau
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17:03 06.02.2018
 Autos fahren an der Firmenzentrale des Automobilzulieferers Continental in Hannover vorbei. Quelle: dpa
Hannover

 Die Arbeitnehmervertreter bei Continental fordern mehr Informationen über die Umbaupläne der Konzernführung. Nachdem der Vorstand kürzlich eingeräumt hat, verschiedene Szenarien durchzuspielen, um „das Unternehmen noch flexibler auf die Herausforderungen in der Automobilindustrie auszurichten“, haben die Betriebsräte das Thema am Mittwoch auf die Tagesordnung einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates gesetzt. Die Belegschaft sei verunsichert und wolle vom Vorstand aus erster Hand über den Stand der Pläne informiert werden, sagte Konzernbetriebsratschef Frank Michael Hell. 

Wie die Konkurrenz bereitet sich auch Continental auf den allmählichen Abschied vom Verbrennungsmotor und den Umstieg auf die Elektromobilität vor. In der Branche gelten Aufspaltungen als eine Möglichkeit, um sich für den Wandel in der Autoindustrie zu wappnen. Der US-Zulieferer Delphi beispielsweise hat im vergangenen Jahr seine Sparten für Fahrzeugelektronik und Sicherheitstechnik abgespalten, der Airbag-Produzent Autoliv trennte unlängst unterschiedliche Geschäftsbereiche voneinander.

„Conti wird sich bei dem Wachstumstempo verändern“, sagte Hell. „Die Frage wird sein, "wie" und "wann". Und: Macht es Sinn, überzeugt uns der Vorstand?“ Wenn es zu Veränderungen komme, werde der „Wertmaßstab“ sein, wie die Mitarbeiter dabei abschneiden. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat befürchteten zwar keine unmittelbaren Einschnitte zu Lasten der Mitarbeiter, wenn der Vorstand die Strukturen erneuert. Sie sehen aber offenbar die Gefahr, dass im Konzern eine Zweiklassengesellschaft entstehen könnte, falls sich Conti in eine „alte“ Verbrennungstechnik und zukunftsfähige Elektro- und Digitalgeschäfte aufteilen würde. Spekuliert wurde zudem über eine Abspaltung der profitablen Reifensparte, die seit Jahren der größte Gewinnbringer im Unternehmen ist. 

Besonders im Blick steht die Sparte Powertrain (Antriebstechnik) mit rund 37.000 Mitarbeitern.  Nach HAZ-Informationen hatte der Vorstand bereits im vergangenen Jahr erwogen, die Division, die vor allem Komponenten für Dieselmotoren und Benziner herstellt, aus dem Konzernverbund zu lösen. Eine Option soll ein Verkauf an Delphi gewesen sein. Für das Scheitern dieses Plans machen Insider auch den Widerstand vonseiten des Großaktionärs Schaeffler verantwortlich, der im Geschäft mit Antriebstechnik selbst stark engagiert ist. Die Zustimmung der Familie Schaeffler, die rund 45 Prozent der Conti-Aktien hält, wäre auch für eine Aufspaltung des Konzerns nötig.

 Eine weitere offene Frage ist, wie schnell ein Konzernumbau über die Bühne gehen könnte. Gerüchten zufolge dringt der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle darauf, möglichst noch im laufenden Jahr erste Tochtergesellschaften an die Börse zu bringen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Doch werde im Konzern bezweifelt, dass es so schnell geht. Conti-Finanzchef Wolfgang Schäfer hatte im Januar erklärt, die Öffentlichkeit könne im kommenden halben Jahr mit Neuigkeiten rechnen. 

Konkreter wollte die Konzernführung auch gestern nicht werden. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat  hätten darum gebeten, über den aktuellen Stand der Analyse zu möglichen Umbauplänen zu beraten, sagte ein Unternehmenssprecher: „Entscheidungsreife Pläne liegen weiterhin noch nicht vor und waren daher auch nicht Gegenstand der Sitzung.“ Was bei der Sitzung des Kontrollgremiums genau besprochen wurde, wollte er nicht sagen.

Von Jens Heitmann und Matthias Arnold

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