Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Setzer ist als Degenhart-Nachfolger bei Conti gesetzt
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Setzer ist als Degenhart-Nachfolger bei Conti gesetzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 18.03.2019
Nikolai Setzer steigt bei Conti weiter auf. Quelle: Conti
Hannover

Als Elmar Degenhart und Nikolai Setzer zusammen in den Vorstand von Continental einzogen, hätten wohl nur wenige Beobachter auf eine längere Zusammenarbeit gewettet. Im August 2009 stand der Autozulieferer für vieles, nur nicht für Kontinuität: Gleich vier neue Manager hatte der damals ebenfalls noch neue Großaktionär Schaeffler auf einen Schlag in die Konzernführung beordert – und nichts deutete darauf hin, dass der Autozulieferer nach den Turbulenzen um die gescheiterte Übernahme durch den Konkurrenten schnell zur Ruhe kommen würde.

In zwölf Jahren vom Trainee zum Vorstand

Erst in der Rückschau markiert dieser Tag die Wende zum Besseren: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat Conti die Rückkehr in den Dax geschafft und seinen Umsatz und die Belegschaft fast verdoppelt. Dieser Erfolg sei eng mit Degenhart und Setzer verknüpft, heißt es im Unternehmen: Der Vorstandschef habe den Konzern durch seine ausgleichende Art erst befriedet und dann in Ruhe neu ausgerichtet. Erleichtert wurde dieser Prozess durch die hohen Gewinne der Reifensparte unter der Führung von Setzer.

Der 47-Jährige hat bei Conti eine ebenso stetige wie steile Karriere hingelegt: Der Wirtschaftsingenieur brachte es in zwölf Jahren vom Trainee zum Vorstand. In dieser Zeit hat er alles gesehen, was die Reifendivision zu bieten hat – von Tests auf dem Contidrom, über die Reifenentwicklung und die Großkundenbetreuung bis hin zum Ersatzgeschäft. Seit 2015 ist Setzer zudem für den Einkauf des gesamten Konzerns verantwortlich – und steht nun vor der nächsten Beförderung: Anfang April wird der Manager im Vorstand Sprecher des neu geschaffenen „Automotive Board“.

Unter diesem Titel bündelt der Konzern die wesentlichen Bereiche des angestammten Zuliefergeschäfts. Daneben gibt es die „Rubber Group“, zu der die Reifensparte und das Industriegeschäft von Contitech gehören, sowie die Antriebssparte, die bald an die Börse gehen soll. „Mit den Personalentscheidungen auf Vorstandsebene unterstützen wir die derzeitige Neuaufstellung der Organisation“, sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle. Konzernintern ist man bereits einen Schritt weiter: „Damit ist Setzer als Nachfolger von Degenhart gesetzt“, verlautete am Freitag aus Arbeitnehmerkreisen.

Kaminaufstiege“ unüblich bei Großkonzernen

Der Wechsel von der „Gummibude“ in den Zulieferbereich wird als letzte Bewährungsprobe für noch höhere Aufgaben gewertet. Auch die Vertragslaufzeiten deuten in diese Richtung: Setzers ist als Sprecher des „Automotive Boards“ für fünf Jahre bestellt – im Jahr 2024 endet der Kontrakt von Degenhart, der dann 65 Jahre alt wird. Gegen einen weiteren Aufstieg spricht nur, dass der designierte Kronprinz bisher nur bei Conti tätig war: Solche „Kaminaufstiege“ gelten bei Großkonzernen mittlerweile als unüblich.

Ausnahmen bestätigen allerdings auch hier die Regel – und insbesondere in Contis Kautschukgeschäft können „Eigengewächse“ weiter schnell vorankommen. „Manche Karrieren nehmen hier heute eine Fahrt auf – das wäre früher undenkbar gewesen“, sagt ein Betriebsrat. Mehrere Mitdreißiger seien auf den Spuren Setzers unterwegs und schnell ins mittlere Management aufgerückt: „Da stellt sich schon die Frage, wo man die noch hin entwickeln will.“

Für die Belegschaft werde es mit einem Conti-Chef Setzer nicht einfacher, sagt ein Arbeitnehmervertreter. „Der hat Ecken und Kanten und agiert wenig politisch.“ Soll heißen: Für Setzer zählen vor allem die Zahlen. Dieses Faible teilt er mit Oberaufseher Reitzle, der äußerst ungehalten reagiert haben soll, als der Konzern im vergangenen Jahr gleich zweimal seine Gewinnziele nach unten korrigieren musste.

Von Jens Heitmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Drogeriekette wollte Schadensersatz wegen illegaler Absprachen der Süßwarenhersteller, einigte sich aber nun außergerichtlich.

15.03.2019

Der Pilot der in Äthiopien abgestürzten Boeing 737 Max wollte offenbar direkt nach dem Start umkehren. Die Maschine soll vor dem Unglück sehr schnell geflogen sein.

15.03.2019

China soll sich weniger vor ausländischen Investoren abschotten – das fordern die USA im aktuellen Handelsstreit schon länger. Nun hat die chinesische Führung ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Doch die USA und Europa bleiben skeptisch.

15.03.2019