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Weltweit Diesel-Motoren sind dreckiger als Benziner
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Diesel-Motoren sind dreckiger als Benziner
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06:50 31.01.2018
Ein Dieselzapfhahn. Quelle: dpa
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Berlin

Dieselmotoren in Pkw bieten beim Klimaschutz keinen nennenswerten Vorteil mehr und sind mittlerweile deutlich teurer als ein Benzin- oder sogar Hybridantrieb. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des International Council on Clean Transportation (ICCT). „Bestes Beispiel ist der aktuelle VW Golf, der in der Diesel-Variante bei gleicher Motorleistung sogar mehr Kohlendioxid ausstößt und gleichzeitig mehr als 3000 Euro teurer ist als ein vergleichbarer Benziner“, schreibt ICCT-Europadirektor Peter Mock in einem vierseitigen Papier, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. „Aus technischer Perspektive erscheint es nicht mehr zeitgemäß, dem Diesel ein Steuerprivileg und ein Verschmutzungsprivileg einzuräumen.“ Mock verwies darauf, dass in Deutschland die Energiesteuer für Dieselkraftstoff 30 Prozent unter dem Satz für Benzin liege und die Euro-6-Schadstoffgrenzwerte für Diesel-Pkw knapp 30 Prozent höher lägen als für Benziner-Pkw. „Würden in Deutschland die Steuersätze für Benzin- und Dieselkraftstoff wie in Frankreich schrittweise angeglichen, könnte der Bundeshaushalt mit Mehreinnahmen von etwa 7 Milliarden Euro rechnen“, so Mock.

Das unabhängige Umwelt-Institut hatte 2015 bei gemeinsamen Untersuchungen mit der West Viginia University den VW-Dieselskandal ins Rollen gebracht. Bei seiner aktuellen Expertise stützt sich ICCT auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamts für das Jahr 2017. Denen zufolge liegen in der Summe über alle Fahrzeugklassen hinweg die Kohlendioxid-Emissionen für Diesel-Pkw in Deutschland mit 131 Gramm pro Kilometer bereits ein Gramm über denen der Benzinfahrzeuge. „Zudem“, so Mock in dem vierseitigen Papier, „weisen Diesel-Pkw im realen Alltagsbetrieb eine höhe Abweichung gegenüber den offiziellen Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Kohlendioxid-Emissionen auf als dies für Benzinfahrzeuge der Fall ist.“

ICCT rechnet 2025 mit einem Diesel-Anteil von 15 Prozent

Dass der Großteil von Neufahrzeugkunden in den vergangenen Jahren einen Dieselantrieb wählte hat Mock zufolge einen Grund: die knapp ein Drittel geringere Energiesteuer für Diesel. ICCT unterstützt deshalb den Vorstoß von VW-Vorstandsboss Matthias Müller, der Endes des vergangenen Jahres vorgeschlagen, die niedrigeren Steuern für Dieselkraftstoff zu überdenken und das Geld sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken zu investieren. „Abstriche bei den Diesel-Subventionen, dafür Anreize für Elektroautos wären das richtige Signal“, hatte Müller gesagt. Die Bundesregierung hatte ihm dafür einen Korb gegeben, die anderen Hersteller schwiegen. Europäische Nachbarn gehen schon länger den Weg: In Frankreich wird es ab 2021 identische Steuersätze für Benzin und Diesel geben, in Großbritannien ist dies bereits heute der Fall und in der Schweiz wird Diesel schon heute höher besteuert als Benzin.

ICCT rechnet nicht mit negativen Auswirkungen auf die Erreichbarkeit der Klimaschutzziele durch den Rückgang des Dieselanteils. Das Institut rechnet auf europäischer Ebene mit dem Rückgang des Dieselanteils von 50 Prozent im Jahr 2016 auf 15 Prozent im Jahr 2025. „Ein Kohlendioxid-Zielwert von 70 Gramm pro Kilometer ist damit für die Pkw-Neufahrzeugflotte 2025 weiterhin erreichbar“, so ICCT-Direktor Mock. Die Empfehlung der Forscher: „Vor diesem Hintergrund sollte ein Festhalten an der derzeitigen Subvention von Dieselkraftstoff für Pkw kritisch hinterfragt und eine Angleichung der Steuersätze in Erwägung gezogen werden.“

Von Thoralf Cleven/RND

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