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Weltweit Prämien zu hoch für die meisten Bauern
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Prämien zu hoch für die meisten Bauern
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15:12 03.08.2018
Die Getreideernte wirbelt in diesem Jahr viel Staub auf, bringt aber wenig Ertrag. Quelle: dpa
Hannover

Die Dürre bringt viele Bauern in Nöte. Schließlich fällt die Ernte bei Getreide, Zuckerrüben und anderen Feldfrüchten dieses Jahr weit schlechter aus als normal. Und Viehhalter müssen teures Futter dazukaufen, weil das Gras auf den Wiesen vertrocknet. Statt jetzt nach Hilfe vom Staat zu rufen, sollten sie sich doch gegen dieses Risiko versichern, ist immer wieder zu hören - doch realistisch ist dies nicht: Eine Versicherungspolice, die dürrebedingte Ernteschäden abdeckt, wäre für die meisten Bauern viel zu teuer.

Dabei ist die Versicherung gegen Ernteausfälle ein alter Hut: Es gibt sie seit mehr als 200 Jahren in Form der Hagelversicherung. Die meisten Bauern sind heute gegen Hagelschäden versichert. Nach der Statistik des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft bewegten sich die Versicherungsschäden in den vergangenen Jahren überwiegend in der Gegend von 100 bis 150 Millionen Euro jährlich. Die gesamten Ernteschäden durch Wetterrisiken wie Sturm und Hagel, Trockenheit und Überschwemmung werden im langjährigen Durchschnitt auf rund eine halbe Milliarde Euro jährlich beziffert.

Die Dürreschäden in diesem Jahr dürften jedoch nach ersten Schätzungen mit mindestens 2 Milliarden Euro eine ganz andere Größenordnung erreichen. Diese Zahl zeigt schon, wo das Problem liegt. Trockenheit in diesem Ausmaß ist zwar selten – doch wenn sie dann auftritt, sind anders als beim nur regional auftretenden Hagel große Gebiete betroffen. Entsprechend groß fällt dann der Schaden aus, wie Rainer Langner, Chef der Vereinigten Hagelversicherung, erläutert. Es handelt sich um ein sogenanntes Kumulrisiko. Die Versicherer brauchen dafür viel Risikokapital und für die Bauern wird es teuer. Ein paar tausend Euro Jahresprämie nur für dieses Risiko sind denkbar.

So gibt es bisher in Deutschland kaum Versicherungsangebote, die Dürreschäden abdecken, während Bauern sich in der Regel problemlos gegen Schäden durch Hagel, Sturm, Starkregen und Frost absichern können. „Auch wir haben uns schon Gedanken über eine solche Erweiterung des Versicherungsschutzes gemacht“, sagt Jörg Becker, Abteilungsleiter Landwirtschaft bei der Mecklenburgischen Versicherung in Hannover. Bislang gebe es danach aber „absolut keine Nachfrage“.

Zudem seien Dürreschäden in der Landwirtschaft ein schwer zu kalkulierendes Risiko, erläutert der Experte. So hängt die Erntemenge von zahlreichen Faktoren ab, was es entsprechend schwer macht, den Schaden durch Trockenheit zu berechnen. Einen Ausweg bietet die Index-Versicherung: Der Bauer bekommt zum Beispiel dann Geld, wenn die Regenmenge ein bestimmtes Maß unterschreitet – ganz unabhängig davon, wie hoch sein konkreter Schaden ausfällt.

Anders als in Deutschland sind in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien oder Holland Ernteversicherungen, die auch Schäden durch Trockenheit einschließen, durchaus üblich. Dort wird dieser Versicherungsschutz allerdings vom Staat subventioniert. Etwas Ähnliches kann sich der Vereinigte-Hagel-Chef Langner auch für Deutschland vorstellen. Die Folgen des Klimawandes zu bewältigen, sei schließlich „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

Jörg Becker von der Mecklenburgischen rechnet noch mit allerhand Diskussionen. Schließlich könnte man überlegen, solche Subventionen durch eine entsprechende Kürzung der staatlichen Direktzahlungen an die Bauern zu finanzieren. Allerdings könnte das Thema auch ganz rasch wieder in der Versenkung verschwinden, sagt Becker aus Erfahrung. „Lassen Sie es mal im Winter reichlich regnen.“

Von Albrecht Scheuermann

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