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Weltweit Gaspreise sinken – doch Enercity hält an Tarifen fest
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Gaspreise sinken – doch Enercity hält an Tarifen fest
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00:18 06.08.2018
Enercity betreibt zwei eigene Kraftwerke und ist auch als Gasversorger aktiv. Quelle: Michael Thomas
Hannover

 Die Stadtwerke Hannover geben die sinkenden Gaspreise nur an Kunden weiter, die sich gezielt über neue Angebote informieren. Während der billigste Tarif bei Enercity seit 2016 um fast ein Drittel günstiger geworden ist, liegen die Konditionen in der gesetzlich geregelten Grundversorgung noch auf dem damaligen Niveau. Hier zahlen die Verbraucher bei einer Abnahme von 20.000 Kilowattstunden im Jahr weiterhin 1448 Euro, im Discount-Tarif sind es hingegen nur 877 Euro. Das zeigt eine Untersuchung des Vergleichsportals Verivox im Auftrag der HAZ.

Seit der Berufung von Susanna Zapreva zur Vorstandschefin vor rund zwei Jahren haben die Stadtwerke in der Grundversorgung nicht mehr an der Preisschraube gedreht. Während andere Versorger in diesem Zeitraum als Reaktion auf die Märkte in diesem Kundensegment ihre Stromtarife erhöht und die Gaspreise gesenkt haben, hat Enercity beide unverändert gelassen. „Wir bieten für unsere Kunden unterschiedliche Tarife, sodass für jeden das richtige dabei ist“, sagte Zapreva auf HAZ-Anfrage. „In der Grundversorgung setzen wir auf Stabilität sowohl bei Strom als auch bei Gas“.

Keine schlafenden Hunde wecken

Dafür gebe es noch ein anderes Motiv, heißt es in Unternehmenskreisen: Ziel sei es, die lukrativsten Kunden nicht „mit der Nase auf Preisvergleiche stoßen“. Im Unterschied zu Sonderverträgen müssen Versorger Tarifänderungen in der Grundversorgung öffentlich bekannt machen – und die Verbraucher auf ihr Kündigungsrecht hinweisen. In der Branche wird beklagt, dass selbst im Fall von Preissenkungen die Zahl der Kündigungen steigt. „Wenn das Thema erst in der Luft ist, merken wir das sofort“, sagt der Geschäftsführer eines Konkurrenten.

Beim Strom ist das Preisgefälle bei Enercity zwischen dem teuersten und dem billigsten Tarif nicht ganz so groß. Ein Verbrauch von 4000 Kilowattstunden im Jahr kostet in der Grundversorgung 1231 Euro im Jahr – im günstigsten Fall sind es 911 Euro. Insgesamt haben die Stadtwerke ihr Angebot in der Amtszeit von Zapreva deutlich erweitert: Die Kunden können bei Strom und Gas jeweils zwischen sieben Tarifen wählen.

„Die Grundversorgungstarife der Stadtwerke Hannover liegen über dem Bundesdurchschnitt und auch über dem Schnitt für Niedersachsen“, hieß es bei Verivox. In den größten Städten zwischen Ems und Elbe schwankten die Preise beim Gas bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr zwischen 1554 Euro in Braunschweig und 1265 Euro in Wilhelmshaven. Hannover liege mit 1448 Euro im oberen Drittel.

„Offenbar bemühen sich die Stadtwerke darum, ihre Bestandskunden besser an sich zu binden als auch im Wettbewerb um Neukunden mit attraktiven Tarifen zu punkten“, sagte ein Verivox-Sprecher. Die Strategie scheint bisher aufzugehen: Nach Angaben von Zapreva ist es Enercity gelungen, die Abwanderung von Kunden zur Konkurrenz zu stoppen. „Wir haben die Trendwende geschafft“, hatte sie im März erklärt.

Kundenzahlen sind top secret

Wie viele Kunden Enercity aktuell hat, will Zapreva aus Wettbewerbsgründen nicht verraten. Nach früheren Angaben beziehen rund 400.000 Haushalte in Hannover Strom und 200.000 Gas von den Stadtwerken. Nach Angaben der Bundesnetzagentur war 2016 beim Strom bundesweit jeder dritte Kunde im teuren Grundversorgungstarif eingruppiert, beim Gas war es rund jeder fünfte.

Von Jens Heitmann

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