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Weltweit Rossmann verkraftet 30-Millionen-Strafe problemlos
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Rossmann verkraftet 30-Millionen-Strafe problemlos
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01:01 15.04.2018
Rossmann-Geschäftsführer: Peter Dreher, Dirk und Raoul Rossmann sowie Michael Rybak  Quelle: dpa
Burgwedel

 Bei Rossmann läuft das Geschäft weiterhin rund. Die Drogeriekette aus Burgwedel bei Hannover steigerte 2017 ihren Umsatz auf neun Milliarden Euro, vor allem dank eines starken Auslandsgeschäfts. Dieses macht inzwischen fast einen Drittel der Erlöse aus. Der Gewinn blieb mit über 200 Millionen Euro ungefähr auf dem Niveau von 2016 – trotz einer Kartellstrafe wegen Preisabsprachen mit dem Kaffeehersteller Melitta in Höhe von 30 Millionen Euro. 

Rossmann hat die vom Oberlandesgericht Düsseldorf festgesetzte Strafe bereits in der Bilanz für 2017 berücksichtigt, obwohl sie noch nicht rechtskräftig ist. „Wir sind vorsichtige Kaufleute“, sagte Finanzchef Peter Dreher am Donnerstag bei der jährlichen Pressekonferenz des Unternehmens.

Kritik am Gericht

Finanziell wird die Buße dem Unternehmen also nicht wirklich wehtun, falls sie vom Bundesgerichtshof bestätigt werden sollte. Geschäftsführer Raoul Rossmann kritisierte jedoch die überraschende Vervielfachung der Summe. Das Bundeskartellamt hatte ursprünglich nur eine Fünf-Millionen-Euro-Strafe verhängt, das Düsseldorfer Gericht machte daraus 30 Millionen. Man könne das Urteil in keiner Weise nachvollziehen. „Wir kämpfen weiter“, sagte der 32-Jährige.

Er betonte außerdem die abschreckende Wirkung der Strafe auf andere Unternehmen. „Wir fragen uns, inwieweit Strafen des Bundeskartellamts überhaupt noch gerichtlich überprüfbar sind“, sagte er. Nötig seien „Verlässlichkeit und Berechenbarkeit“.

Keine Angst vor Preiskampf

Vergleichsweise wenig Sorgen macht man sich in Burgwedel hingegen um neue Wettbewerber. Die gemeinsamen Expansionspläne von Edeka und Budnikowsky sind aus Sicht des Rossmann-Gründers Dirk Roßmann keine Bedrohung. „Wenn jemand neu anfängt, kann er nur Verluste schreiben, dass einem die Tränen kommen“, sagte er. Der Drogeriemarkt sei so eng geworden, dass Neustarts extrem schwierig seien. Rossmann hingegen habe „leichtes Spiel aus der Größe heraus“. 

Auch vor Preiskämpfen mit etablierten Wettbewerbern fürchte man sich nicht, sagte Dirk Roßmann. „Wir haben fünf Mal mehr Bankguthaben als Schulden. Daher sehe ich das Thema völlig entspannt.“ In den vergangenen Jahren hatten wiederholt Discounter wie Aldi die beiden Drogerieriesen dm und Rossmann mit Rabatten attackiert.

Seinen Umsatz steigerte Rossmann 2017 um 6,8 Prozent und damit etwas stärker als im Vorjahr. Verantwortlich dafür war vor allem das Auslandsgeschäft mit einem Plus von 12,9 Prozent. Die Drogeriekette betreibt Filialen in Polen, Ungarn, Tschechien, der Türkei und Albanien. Im weitgehend gesättigten Heimarktmarkt Deutschland stieg der Umsatz um 4,5 Prozent, fast einen Prozentpunkt langsamer als 2016.

2018 will Rossmann das Wachstumstempo beibehalten: Insgesamt sollen 230 neue Filialen eröffnen, darunter 105 in Deutschland. Für 2019 peilt das Unternehmen die Marke von europaweit 4000 Filialen an. 

Von Christian Wölbert

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