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Weltweit Werner Bahlsen: „Wir wollen den Umsatz verdoppeln“
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Werner Bahlsen: „Wir wollen den Umsatz verdoppeln“
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02:48 02.03.2018
Werner M. Bahlsen will Gewinner bleiben: Er gibt ehrgeizige Wachstumsziele vor. Der Ton bei Bahlsen sei aber lockerer als früher, sagt er. Quelle: (c) www.photos24.de
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Hannover

Bahlsen-Chef Werner M. Bahlsen spricht im HAZ-Interview über anspruchsvolle Wachstumsziele, den Kulturwandel in seinem Unternehmen und seine Nachfolge.

 Herr Bahlsen, laut einem Sprichwort ist es meistens die dritte Generation, die ein Familienunternehmen zugrunde richtet. Haben Sie als Vertreter der dritten Bahlsen-Generation jemals befürchtet, dass es Ihnen auch so ergeht? 

Werner M. Bahlsen: Ich kenne das Sprichwort, und es war immer mein Ehrgeiz, es zu widerlegen. 

Das ist Ihnen gelungen. Es gab schwierige Zeiten, aber heute steht Bahlsen gut da. Können Sie sich jetzt zurücklehnen? 

Im Gegenteil. Wir haben uns mit dem Programm „Bahlsen 2025“ sehr ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2025 wollen wir den Umsatz verdoppeln. Und natürlich profitabel bleiben. Nur so können wir als Familienunternehmen selbstständig unsere Zukunft gestalten. 

Dafür müssen Sie das Wachstum spürbar beschleunigen. Wie soll das gelingen? 

Wir wollen globaler werden. Wir werden „Pick Up“ in vielen internationalen Märkten einführen. Gerade tun wir das in Saudi-Arabien und den Golfstaaten. Wir schauen uns den Iran genau an. In Asien sind zum Beispiel Vietnam, Thailand und China spannende Märkte. 

Ist die Verdopplung bis 2025 wirklich realistisch? 2015 und 2016 hat Bahlsen nur um 3 bis 4 Prozent pro Jahr zugelegt, davor gingen die Umsätze sogar leicht zurück. 

In Deutschland sind wir letztes Jahr um 7 Prozent gewachsen, in einem stagnierenden Markt. Wir wollen hier weiter Marktanteile gewinnen. In England und den USA sind wir zweistellig gewachsen. Die Nachfrage nach „Pick Up“ ist sogar so hoch, dass wir sie nicht befriedigen können. Deswegen bauen wir für 15 Millionen Euro in unserem Werk in Barsinghausen eine neue Produktionslinie. Wir können uns auch Zukäufe vorstellen, wenn sie zu unserer Strategie „Baked Sweet Snacking“ passen. 

Entwickeln Sie spezielle Produkte für Asien – oder sollen sie überall gleich schmecken? 

Es gibt unterschiedliche Schwerpunkte, zum Beispiel sind Asiaten große Liebhaber von Blätterteiggebäck. Wir passen die einzelnen Produkte aber nicht an die jeweiligen Märkte an. Ein „Pick Up“ schmeckt überall gleich. 

Leibniz-Kekse haben Sie allerdings in Osteuropa bis vor ein paar Monaten nach einem anderen Rezept gebacken, mit Palmfett und Butter statt nur mit Butter. 

Wir haben dort ein sehr gutes Produkt gemacht, das preisgünstiger war und sehr gut angenommen wurde. Als aber die öffentliche Diskussion sich so entwickelte, dass Herstellern Diskriminierung vorgeworfen wurde, haben wir gesagt: Wir nehmen das Originalrezept und fertig. 

Haben Sie dann auch den Preis erhöht? 

Nein. 

Mit „Bahlsen 2025“ wollen Sie auch die Arbeitskultur verändern. Sie haben „Mut, Neugier, Rückhalt“ als zentrale Werte des Unternehmens definiert und Glaswände damit beschriftet – ist das nicht ein bisschen zu esoterisch? 

Mit Esoterik hat das gar nichts zu tun. Aus dem Dreiklang dieser Werte hat sich eine tolle Dynamik entwickelt. Wir können schon Erfolge sehen: Der Ton ist lockerer geworden. Viele Leute, die wir gar nicht auf dem Schirm hatten, beteiligen sich plötzlich an strategischen Projekten, weil sie sehen, dass sie sich weiterentwickeln können. 

Heißt „Bahlsen 2025“ auch, dass Sie das Unternehmen noch bis 2025 führen? 

2025 ist nicht abhängig von meiner Person. Ich werde nicht in meinem Stuhl sitzenbleiben, bis ich umfalle. Irgendwann ist der richtige Zeitpunkt, dass ich in den Beirat wechsele. 

Werden Sie dann die Geschäftsführung an eines oder mehrere Ihrer Kinder übergeben? 

Den Nachfolgeprozess diskutieren wir in der Familie intensiv. Das ist alles schon sehr gut auf der Reihe. Wir haben festgelegt, dass wir ein Familienunternehmen bleiben. Das ist aber unabhängig davon, ob ein Bahlsen hier in der Geschäftsführung ist oder nicht. Wir haben ein sehr kompetentes Führungsteam. Die führen einen großen Teil des Geschäfts schon vollkommen selbstständig. 

Wie wollen Sie verhindern, dass Ihre Kinder sich um den Kurs streiten und das Unternehmen lähmen – so wie es in den Neunzigerjahren zwischen Ihnen und Ihrem Bruder Lorenz passiert ist? 

Absolute Sicherheit gibt es nicht. Aber wir reden viel miteinander über das Unternehmen und den zukünftigen Kurs. Und das wäre schon anders, als das, was wir in der letzten Generation gemacht haben. Und das ist genau der Grund, warum wir gemeinsame Werte entwickelt haben. Die junge Generation hat mehr neue Ideen, die ältere hat mehr Erfahrung. Aber Erfahrungen können auch betriebsblind machen. Da ist es gut, wenn man sich aneinander reibt, um die beste Lösung zu finden.

Zur Person

Werner M. Bahlsen (68) ist Eigentümer und Chef des hannoverschen Gebäckherstellers Bahlsen. 1975 trat er in das Unternehmen ein. 1999 trennten er,  sein Bruder und sein Schwager es in drei Gesellschaften auf. Werner M. Bahlsen führt seitdem den Süßgebäck-Teil. Dieser macht mittlerweile mit über 2700 Mitarbeitern mehr als eine halbe Milliarde Umsatz pro Jahr. Werner Bahlsen hat vier Kinder und hält sich mit Joggen fit. Seine Sportuhr mit Pulsmesser am Handgelenk motiviere ihn, auch im Winter laufen zu gehen, sagt er.

Von Christian Wölbert

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