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Weltweit Iraker fordern Schadensersatz von der Tui
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Iraker fordern Schadensersatz von der Tui
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00:27 28.04.2018
In der Tui-Zentrale sieht man der Klage gelassen entgegen. Quelle: HAZ-dimi anastasskis
Halabdscha/Hannover

 Es ist gegen 11 Uhr am 16. März 1988, als gelber Rauch durch die Straßen der kleinen irakischen Stadt Halabdscha wabert. Kampfflugzeuge kreisen über dem Ort an der Grenze zum Iran, 45 Minuten lang, wie Augenzeugen später berichten. Der Rauch stellt sich als Giftgas heraus, vermutlich Sarin und Senfgas. Mehr als 5000 Menschen sterben nach Angaben eines Opferverbandes. Am Tag vor der Giftgasattacke haben kurdische Rebellen zusammen mit Einheiten der iranischen Armee Halabdscha eingenommen: Iraks damaliger Diktator Saddam Hussein wollte ein Exempel statuieren – deutsche Firmen  könnten ihm dabei geholfen haben. Auch die hannoversche Tui steht offenbar im Verdacht, die damals noch Preussag hieß.

Zumindest  sehen das neun Hinterbliebene und deren Familien so, in deren Namen der Anwalt Gavi Mairone einer US-Kanzlei nun Klage am Zivilgericht in Halabdscha eingereicht hat. Er wirft mehreren Unterne“men und Einzelpersonen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und einen Komplott zur Durchführung von Völkermord vor. Insgesamt fordern die Kläger Entschädigungen in Höhe von mehr als 4 Milliarden Dollar. 

 „Es steht außer Frage, dass deutsche Firmen im Irak unterirdische Fabriken gebaut haben, die sie „Bunker" genannt haben, um „Pestizide" zu produzieren“, sagt Mairone. „Sie selbst haben in ihren Dokumenten offen gelegt, dass die „Pestizide" dazu da waren, „Perser und Israelis" zu töten.“ Seit Oktober 1980 sollen Mitarbeiter der beklagten Firmen immer wieder mit Offiziellen des Saddam-Regimes in Kontakt gestanden haben, um die Konstruktion von Chemiewaffenfabriken und die Herstellung von Nervengiften zu planen, so der Vorwurf. 

 Neben der Firma Karl Kolb GmbH aus dem hessischen Dreieich und Heberger Bau aus Rheinland-Pfalz steht auch der Name der Tui in der 85 Seiten langen Anklageschrift: Vor der Umwandlung in einen Reiseanbieter  agierte der Konzern unter seinem alten Namen Preussag als Industriekonglomerat. Die Tui weist die Vorwürfe zurück: „Die Forderungen entbehren jeder tatsächlichen und rechtlichen Grundlage“, heißt es in einer Stellungnahme. „Die juristische Klärung wurde bereits in den Jahren 1987 bis 1996 (...) abgeschlossen.“ Es habe bei der Preussag kein Organisationsverschulden vorgelegen. 

Das Landgericht Darmstadt hatte 1994 das Verfahren gegen zwei ehemalige leitende Preussag-Angestellte wegen geringer Schuld eingestellt. Die beiden Manager musste eine Geldbuße in Höhe von jeweils 5000 D-Mark (2556 Euro) zahlen. Den beiden Männern hatte die Staatsanwaltschaft vorgeworfen, gemeinsam mit weiteren Angeklagten Maschinen zum Abfüllen von Giftgas und eine Fertigungsstraße für Bomben in den achtziger Jahren in den Irak geliefert und somit gegen Exportbestimmungen verstoßen zu haben. 

„In den Verhandlungen in den 1980ern und 1990ern ging es um rein technische Anschuldigungen von illegalem Waffenhandel“, sagt Anwalt Mairone. Jetzt gehe es um eine Zivilklage wegen Völkermordes. „Wir haben über acht Jahre hinweg einen Berg an Beweisen gesammelt und neue Zeugenaussagen gefunden, die bislang nicht berücksichtigt wurden.“ 

 

 

Von Simon Kremer und Christoph Zeiher,

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