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Weltweit Verschlechtert Niedersachsen die Hilfe für Schlaganfall-Patienten?
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Verschlechtert Niedersachsen die Hilfe für Schlaganfall-Patienten?
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00:18 30.11.2018
In Leer, Cloppenburg und Lingen sollen jeweils 30 neue Betten für akute neurologische Fälle eingerichtet werden. Quelle: dpa
Hannover

Das niedersächsische Sozialministerium steuert auf einen Konflikt mit den Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft zu. Ursache für den Streit ist die Absicht der Behörde, an drei Kliniken im Nordwesten neue neurologische Abteilungen im Miniatur-Format zu schaffen. „Die Behandlung von Schlaganfall-Patienten droht schlechter zu werden, wenn es neben den Krankenhäusern mit vollumfänglicher Versorgung auch ,Neurologien light‘ geben sollte“, sagte der Leiter des Verbandes der Ersatzkassen (Vdek) in Niedersachsen, Jörg Niemann.

Nach den Plänen des Sozialministeriums sollen am Klinikum Leer, dem Josefs-Hospital in Cloppenburg und im Bonifatius-Hospital in Lingen jeweils 30 neue Betten für akute neurologische Fälle eingerichtet werden. Die Auswertungen der Fallzahlen zeige, dass im ehemaligen Regierungsbezirk Weser-Ems ein nicht gedeckter Bedarf von rund 110 Betten existiere, heißt es im Beschlussvorschlag für den Krankenhausplanungsaussschuss, der der HAZ vorliegt: „Daher müssen weitere neurologische Abteilungen in den Krankenhausplan des Landes aufgenommen werden.“

Das sehen die Krankenkassen und die Kliniken anders. Es gebe keinen Zweifel daran, dass im Nordwesten 90 zusätzliche Neurologie-Betten vonnöten seien, sagte der Verbandsdirektor der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke. Es sei aber sinnvoller, diese bei den bereits auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisierten Häusern anzusiedeln: „An den bisherigen Standorten ist in der Behandlung eine hohe Qualität gewährleistet.“ Das sieht man auch beim Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund so – eine Lücke gebe es momentan jedoch im Landkreis Cloppenburg, sagte ein Sprecher.

Helios stieß auf Ablehnung

Das Sozialministerium vertritt bei der Einrichtung neuer neurologischer Abteilungen keine einheitliche Linie. Als die Helios Albert-Schweitzer-Klinik in Northeim im Mai einen entsprechenden Bereich eröffnen und dafür 20 Planbetten aus der Inneren Medizin dorthin verlagern wollte, wurde das von der Behörde abgelehnt. Begründung: Die neurologische Versorgung solle in Spezialkliniken stattfinden – nur diese verfügten über die nötige Ausstattung und die Kompetenzen, um eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung gewährleisten zu können. Das Verwaltungsgericht Göttingen hat das Sozialministerium inzwischen verpflichtet, erneut über einen Antrag der Klinik zu entscheiden.

Für die neurologische Versorgung im früheren Regierungsbezirk Weser-Ems sind derzeit elf Kliniken mit insgesamt 764 Betten zuständig, durchschnittlich gibt es dort 70 Betten je Abteilung. „Es macht überhaupt keinen Sinn, durch zusätzliche Fachabteilungen Krankenhausstandorte zu stärken“, sagte Sabine Nowack-Schwonbeck, Geschäftsführerin des Bereichs Gesundheitsmanagement stationär der AOK Niedersachsen: „Das Krankenhaus ist kein Selbstzweck – es muss konsequent an einer qualitativ hochwertigen Versorgung ausgerichtet sein.“

Wie wenig Sinn ein regionaler Wettbewerb in einem Gebiet der Spezialversorgung mache, werde am Beispiel Ostfriesland besonders deutlich, heißt es von Seiten der Kritiker: So gebe es in Emden einen leistungsfähigen Standort mit 65 Betten – nunmehr im nur 35 Kilometer entfernten Leer eine zweite neurologische Einheit mit 30 Betten aufzubauen, ergebe keinen Sinn. „Es ist unbestritten, dass größere Einheiten bei der Versorgung von Schlaganfällen bessere Ergebnisse erzielen als kleinere“, sagte Vdek-Landeschef Niemann.

Das Sozialministerium wollte zu seinen Plänen keine Stellung nehmen. „Das Thema der neurologischen Abteilungen wird im Krankenhausplanungsausschuss diskutiert, und dort werden auch die Auffassungen zur Sprache kommen“, sagte ein Behördensprecher am Dienstag. Dem wolle man nicht vorgreifen.

Weiterlesen: Schlechtere Qualität bei höheren Kosten

Von Jens Heitmann

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