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Weltweit Jeder sechste Mitarbeiter will mehr Urlaub
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Jeder sechste Mitarbeiter will mehr Urlaub
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16:24 07.11.2018
Zwei Mitarbeiter bedienen eine Metallpresse. Quelle: dpa
Hannover

In der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie ist vielen Beschäftigten mehr Urlaub wichtiger als mehr Geld. Von den 110.000 Mitarbeitern der Branche im Gebiet des Arbeitgeberverbandes Niedersachsen-Metall hat fast jeder sechste dafür entschieden, im nächsten Jahr statt eines im Tarifvertrag vereinbarten Zusatzgeldes acht weitere freie Tage zu nehmen. Unter den Schichtarbeitern sei es sogar jeder vierte, heißt es in einer Umfrage, die der HAZ vorliegt. Die entsprechenden Anträge mussten bis Ende Oktober gestellt werden.

In der vergangenen Tarifrunde hatte die IG Metall neben einer Lohnerhöhung von 4,3 Prozent das Recht auf eine (auf Wunsch befristete) Arbeitszeitverkürzung auf 28 Stunden in der Woche und die Wahlmöglichkeit für die Umwandlung des Zusatzgeldes von 27,5 Prozent eines Monatslohns in zusätzlichen Urlaub durchgesetzt – letzteres gilt aber nur für Schichtarbeiter sowie Beschäftigte mit jungen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Beide Gruppen können sich höchstens zwei Jahre lang für freie Tage entscheiden, zudem müssen sie bereits zwei Jahre in dem Betrieb gearbeitet haben.

„Ganz offensichtlich spielt der Wunsch nach einem höheren Einkommen nicht mehr die zentrale Rolle“, sagte der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt. „Das nehmen wir für kommende Tarifrunden interessiert zur Kenntnis.“ Wie in anderen Branche wandele sich offenbar auch in den Belegschaften der Metall-und Elektroindustrie die Einstellung zum Beruf. Zuvor hatten bereits die Tarifparteien bei der Bahn und der Post die Wahl zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit eingeführt – die Gewerkschaft IG BCE hat das Thema für die Chemie- und Pharmaindustrie ebenfalls auf die Agenda gesetzt.

Die Angaben von Niedersachsen-Metall basieren auf einer Umfrage unter rund 300 Mitgliedsfirmen. Demnach sind bei 54 Unternehmen 5696 Anträge auf eine Umwandlung des Zusatzgeldes eingegangen. Diese Daten seien repräsentativ, hieß es. Daher könne man sie auf das gesamte Tarifgebiet hochrechnen. Die 110.000 Beschäftigten von Volkswagen in Niedersachsen sind in dem Zahlenwerk nicht enthalten, da für sie ein eigener Haustarifvertrag gilt.

Für die Gewerkschaft kommen die Ergebnisse der Umfrage nicht überraschend. „Das Interesse an den freien Tagen scheint sehr groß“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger. „Angesichts der hohen Flexibilität und der enormen Belastungen sind gerade für viele Schichtarbeiter acht freie Tage von so hohem Wert, dass sie bereit sind, dafür das tarifliche Zusatzgeld einzutauschen.“ Die Unternehmen seien gefordert, die Wünsche ihrer Beschäftigten ernst zu nehmen.

Laut Tarifvertrag dürfen die Arbeitgeber die Umwandlungsanträge ablehnen, wenn dadurch das Arbeitszeitvolumen im Betrieb insgesamt sinkt – sprich: wenn andere Beschäftigte nicht entsprechend länger arbeiten wollen. In der Praxis werde von dieser Regelung aber kaum Gebrauch gemacht, hieß es im Arbeitgeberlager. Angesichts der vollen Auftragsbücher scheuten die meisten Unternehmen die Konfrontation mit unzufriedenen Mitarbeitern.

Von Jens Heitmann

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