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Weltweit Zollstreit mit USA: Niedersachsens Firmen erwarten Einbußen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Zollstreit mit USA: Niedersachsens Firmen erwarten Einbußen
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16:12 13.07.2018
Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung bearbeitet auf dem Gelände der Salzgitter AG eine Stahlpfanne. Quelle: dpa
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Hannover

Der niedersächsischen Wirtschaft geht es noch sehr gut, aber die Anzeichen für ein baldiges Ende des Wachstums mehren sich. „Die ersten Gewitterwolken zeigen sich schon am Horizont“, sagte Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen (IHKN) am Freitag. Vor allem die ständigen Drohungen mit neuen Zöllen und der Fachkräftemangel verdüsterten die Stimmung, fasste Schrage die Ergebnisse einer Umfrage unter 1900 niedersächsischen Unternehmen zusammen.

Die Unternehmen betrachteten Strafzölle der USA auf Stahl und Aluminium sowie die von US-Präsident Donald Trump angedrohten möglichen weiteren Handelshemmnisse „mit größter Sorge“.

Derzeit gingen die Betriebe zwar noch von einem Exportwachstum aus. Die Einführung von US-Importzöllen auf Autos würde diese Erwartung aber „schnell revidieren“, warnte Schrage. Außerdem träfe der sich abzeichnende Handelskrieg zwischen China und den USA die niedersächsische Wirtschaft indirekt, weil die chinesische Nachfrage nach deutschen Maschinen dann sinken würde.

In der Industrie meldeten bereits jetzt mehr Unternehmen sinkende Auftragseingänge als im Vorquartal. „Der Einbruch ist noch nicht dramatisch“, beschwichtigte Schrage. Eine Rolle würden dabei auch die geplanten Produktionspausen bei VW aufgrund ausstehender Abgastests spielen. „Das wirkt sich natürlich auch in den Auftragseingängen bei den Zulieferern aus.“

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann warnte am Freitag ebenfalls vor den Folgen von Handelshemmnissen. „Der Brexit kann uns in Niedersachsen Wachstum kosten – und zwar in allen Bereichen“, sagte er. Großbritannien sei als einer der wichtigsten Handelspartner Niedersachsens wirtschaftlich eng mit dem Land verflochten. Noch schwerer allerdings wiegen aus seiner Sicht mögliche US-Zölle auf Autos. Niedersachsens größter Arbeitgeber ist Volkswagen.

Seltenes Lob für die Politik

Laut der IHKN dämpft auch der Fachkräftemangel die Konjunkturaussichten. In der Umfrage bezeichneten die meisten Firmen dies als größtes Risiko für ihre Geschäfte. Viele müsste Aufträge ablehnen, weil sie nicht genügend Personal finden, sagte Schrage.

Auch die Bürokratie werde von den Firmen nach wie vor als lästig angesehen. Schrage fand bei diesem Thema ausnahmsweise aber auch lobende Worte für die Landesregierung: Sie habe einen „positiven Umschwung“ bei den Gewerbeaufsichtsämtern bewirkt, diese würden bei der Überwachung von Anlagen deutlich effizienter arbeiten.

Insgesamt sind der IHKN zufolge die Erwartungen der Firmen an die kommenden Monate trotz Zöllen, Brexit und Fachkräftemangel zwar positiv, aber mit sinkender Tendenz. 19 Prozent der Unternehmen rechneten mit besseren Geschäften – im Vorquartal waren es noch 25 Prozent.

Von Branche zu Branche unterscheiden sich die Aussichten allerdings. In der Industrie deutet sich eine Wende zum Schlechteren an, vor allem im Autosektor und bei Metallerzeugnissen. Auch der Großhandel rechnet mit weniger Umsatz aufgrund der zu erwartenden Handelsbeschränkungen. Im Einzelhandel bleiben die Erwartungen negativ, vor allem wegen des Wettbewerbs mit dem Online-Handel. Baugewerbe, Versicherungen und Speditionen rechnen hingegen unverändert mit Zuwächsen.

Von Christian Wölbert und Thomas Strünkelnberg

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