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Weltweit China senkt Einfuhrzölle für Autos
Nachrichten Wirtschaft Weltweit China senkt Einfuhrzölle für Autos
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00:26 25.05.2018
Neufahrzeuge von Porsche auf dem Autoterminal von Bremerhaven: Die Edelmarke würde von Zollsenkungen besonders stark profitieren Quelle: dpa
Hannover

Auf Druck der USA und anderer Handelspartner hat China angekündigt, die Einfuhrzölle für ausländische Autobauer deutlich zu senken. Wie das Finanzministerium am Dienstag in Peking mitteilte, sollen die Importabgaben für Autos vom 1. Juli an von 25 Prozent auf 15 Prozent verringert werden. Für Autoteile ist eine Senkung von derzeit zwischen 8 und 25 Prozent auf 6 Prozent geplant.

Bisher müssen ausländische Autobauer in China entweder gemeinsam mit einem chinesischen Partner produzieren und den Gewinn dann teilen oder auf importierte Fahrzeuge hohe Zölle zahlen. Sinken die Zölle, werden die Importmodelle wettbewerbsfähiger. China ist der weltgrößte Automarkt und gerade für die deutschen Hersteller enorm wichtig. Die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen reagierten deshalb am Dienstag an der Börse mit Kurszuwächsen.

Als weitere Erleichterung hatte Peking bereits im April angekündigt, dass internationale Autofirmen bald mehr als 50 Prozent an chinesischen Tochtergesellschaften besitzen dürfen und nicht mehr zwangsweise Gemeinschaftsfirmen gründen müssen, um in Chinas Automarkt mitzumischen.

BMW profitiert stärker als VW

Der Volkswagen-Konzern lieferte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 4,18 Millionen Autos in China aus, von denen 189 000 Stück (4,5 Prozent) importiert wurden „Wir begrüßen die weitere Liberalisierung und Öffnung des chinesischen Marktes“, sagte ein Konzernsprecher zu den angekündigten Zollsenkungen. Volkswagen werde die Auswirkungen begutachten und entsprechend handeln.

Im Volkswagen-Konzern betreffen die chinesischen Zölle vor allem die Tochter Porsche. Für sie ist das China der weltweit wichtigste Markt, sie produziert aber nicht vor Ort. 2017 verschiffte sie rund 70.000 Autos dorthin. Die Volkswagen-Kernmarke VW und die Tochter Audi produzieren hingegen die meisten ihrer in China verkauften Autos auch dort. Importiert werden vor allem Edel-Modelle wie VW Touareg, Audi Q7 und Audi A8L.

Einen relativ hohen Importanteil hat BMW: Von knapp 600 000 in China verkauften Autos wurde im vergangenen Jahr etwa ein Drittel importiert. „Es ist ein starkes Zeichen, dass China seinen Weg der Öffnung fortsetzt“, sagte ein BMW-Sprecher, der davon ausging, dass sich der chinesische Markt nun noch dynamischer entwickeln werde.

Beobachter werten die Senkung der Zölle auch als ein Zugeständnis Pekings im Handelsstreit mit den USA. „Durch die niedrigeren Zölle kann das Handelsbilanzdefizit mit anderen Ländern reduziert werden“, sagte Cui Dongshu von der Vereinigung der chinesischen Pkw-Hersteller.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD), begrüßte die Entscheidung. China schütze seine Interessen aber weiterhin stark. Das Land habe sich klar auf den Bereich Elektromobilität ausgerichtet, in dem ausländische Hersteller weniger stark seien, sagte der Handelspolitiker aus Niedersachsen.

Im Handelskonflikt war Peking bereits am Wochenende einen Schritt auf Washington zugegangen. Beide Seiten seien übereingekommen, dass China künftig erheblich mehr amerikanische Güter und Dienstleistungen erwerben wolle, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung nach einem Besuch von Chinas Vizepremier Liu He in den USA.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump gedroht, China mit Strafzöllen von bis zu 150 Milliarden US-Dollar überziehen zu wollen. Peking kündigte Vergeltungsmaßnahmen an.

Studie: China schottet High-Tech-Branchen weiter ab

Derweil betonte die Bertelsmann-Stiftung in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung, dass chinesische Investoren gezielt Anteile von deutschen High-Tech-Firmen übernehmen. Von 2014 bis 2017 seien zwei Drittel aller Beteiligungen in „Schlüsselbranchen“ wie Medizintechnik, Robotik oder Elektroantriebe erfolgt.

Die Investitionen brächten Kapital nach Deutschland und schafften Arbeitsplätze, erklärte Studienautorin Cora Jungbluth. Doch China selbst schütze allerdings seine „Schlüsselindustrien noch immer bewusst vor ausländischen Investoren“, während die EU „freien Marktzugang“ gewähre. Die Bundesregierung und die EU müssten daher auf mehr Gegenseitigkeit drängen. „Auch 17 Jahre nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation gibt es keine Wirtschaftsbeziehungen auf Augenhöhe“, so Jungbluth

Für Deutschland schlägt Jungbluth vor, dass die Regierung künftig bei sicherheitsrelevanten Sektoren mit einem Prüfverfahren schon bei Anteilskäufen von 10 Prozent eingreifen kann – statt wie aktuell erst ab 25 Prozent.

Von Jörn Petring und Christian Wölbert

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