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Weltweit Südzypern und Türkei streiten um Gasfeld „Calypso“
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Südzypern und Türkei streiten um Gasfeld „Calypso“
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14:11 10.02.2018
Der Konzern Noble Energy fördert bereits mit seiner Plattform Homer Ferrington vor Zyperns Küste Erdgas. Bald könnte Total mit Eni im Südwesten der Insel nachziehen. Die Regierung in Nikosia verteilt gerne und oft Konzessionen. Quelle: dpa
Athen/Nikosia

Giorgos Lakkotrypis, Energieminister der Inselrepublik Zypern, freut sich über „eine gute Nachricht“: Am Donnerstag meldete der italienische Energiekonzern Eni ein bedeutendes Gasvorkommen vor der Südwestküste der Insel. Eni bohrt dort in einem Konsortium mit dem französischen Konzern Total nach Erdgas. Der Fund hat allerdings politische Sprengkraft: Die Türkei erhebt Anspruch auf die Bodenschätze.

Ein Marktwert von hunderten Milliarden Euro ist möglich

„Calypso“ heißt das Erdgasfeld, auf das die Italiener bei ihren Bohrungen im Explorationsgebiet Block 11 trafen. Die Experten des Unternehmens sprechen von einem „vielversprechenden Fund“ und ziehen bereits Parallelen zum riesigen Gasfeld „Zohr“, das 2015 in der benachbarten israelischen Wirtschaftszone entdeckt wurde. Block 11 ist nur einer von 13 Sektoren, in denen vor der zyprischen Südküste nach Gas gesucht wird.

Wie groß die Vorräte tatsächlich sind, weiß bisher niemand. Aber Fachleute schätzen, dass die Gasvorkommen Zyperns einen Marktwert von mehreren hundert Milliarden Euro haben könnten – ein riesiger Schatz, der Begehrlichkeiten weckt: Die Türkei greift nach den Bodenschätzen. Ankara hält seit 1974 den Nordteil Zypern besetzt. Die Türkei fordert nicht nur eine Beteiligung der türkischen Zyprer an der Gasausbeute. Sie erhebt auch selbst Ansprüche auf große Teile des Seegebiets vor Zypern, die nach Ansicht Ankaras zur türkischen Wirtschaftszone gehören.

Südzypern will Europa mit Erdgas beliefern

Ungeachtet der Kontroverse hat die Regierung der international anerkannten Republik Zypern in den vergangenen Jahren Explorations- und Förderkonzessionen in den umstrittenen Seegebieten erteilt. Zypern hofft nicht nur, mit dem Erdgas den eigenen Bedarf zu decken. Es könnte auch Erdgas nach Westeuropa exportieren. Damit würde die EU unabhängiger vom russischen Gasriesen Gazprom.

Bisher fehlt es dazu aber an der Infrastruktur. Am wirtschaftlichsten wäre es, das geförderte Gas durch eine Pipeline zur nahen türkischen Küste zu pumpen. Die Türkei hat einen wachsenden Energiebedarf und könnte einen Teil des Gases abnehmen. Was sie nicht selbst benötigt, könnte über Pipelines wie die im Bau befindliche Trans-Adria-Pipeline, die von der Türkei über Griechenland und Albanien nach Italien führt, nach Westeuropa fließen. Diesem Konzept stehen aber die Teilung der Insel und die Ansprüche Ankaras entgegen.

Die Baukosten einer Pipeline könnten sechs Milliarden Euro betragen

Als Alternative ist der Bau einer Pipeline von Zypern über Griechenland nach Italien im Gespräch. Diese Lösung wäre allerdings mit geschätzten Baukosten von sechs Milliarden Euro sehr teuer. Überdies würde der Bau rund acht Jahre dauern.

Eine weitere Option, die in Zypern diskutiert wird: Der Bau einer Gas-Verflüssigungsanlage an der Südküste der Insel. Das verflüssigte Erdgas könnte dann in Tankern exportiert werden. So lange keine Klarheit über das Ausmaß der Gasvorkommen herrscht und der politische Streit mit der Türkei ungelöst ist, dürfte es aber schwierig sein, einen Investor für den Bau der kostspieligen Anlagen zu finden.

Von Gerd Höhler/RND

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