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Weltweit Versicherung stöhnt unter teuren Reparaturen von Apple-Handys
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Versicherung stöhnt unter teuren Reparaturen von Apple-Handys
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00:31 07.04.2018
Die Wertgarantie  in Hannover will die Prämien für teure Handys anheben.  Quelle: Samantha Franson
Hannover 

  Der Siegeszug des Smartphone hat der hannoverschen Versicherungsgruppe Wertgarantie in zu starken Zuwächsen verholfen, doch nun spürt sie auch die Schattenseiten des Booms. Die Reparaturkosten der Geräte sind so stark gestiegen, dass das Versicherungsgeschäft in diesem Bereich derzeit Verluste schreibt. Schuld daran ist jedoch nur eine Marke – nämlich Apple. Nun sind Prämienerhöhungen geplant.

 Vorstandsmitglied Patrick Döring berichtete am Mittwoch über kräftig steigende Schäden bei den teuren Handys wie dem iPhone X, das mehr als 1000 Euro kostet. Ganz überwiegend gehe es dabei um beschädigte Dipslays. Der Hersteller aus dem kalifornischen Cupertino lasse seine Geräte nur über wenige zertifizierte Werkstätten mit sehr teuren Originalersatzteilen reparieren. Andere bedeutende Anbieter wie Samsung oder Huawei seien hier deutlich günstiger. Die Wertgarantie als Reparaturversicherer spürt die Apple-Preispolitik durch stark steigende Aufwendungen für Schadenfälle. „Wir werden reagieren“ kündigte Döring an. Prämienerhöhungen seien allerdings nur für Handys der obersten Preisklasse geplant. 

 Bei der Wertgarantie, die in Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel Versicherungen für technische Geräte und Fahrräder anbietet, macht das Geschäft mit den Smartphones laut Döring etwa 45 Prozent der Beitragseinnahmen aus. Die Schadenquote, also das Verhältnis von Schäden zu Prämien, liege in diesem Bereich „deutlich über 70 Prozent“ - und damit erheblich höher als bei sonstigen Geräten, mit denen die hannoversche Versicherung ordentliche Gewinne einfährt. „Wir wollten nicht die Deutsche Handyversicherung werden“, sagte Döring, das zahle sich  nun aus. 

Sehr zufrieden äußerte er sich vor allem mit der Fahrradversicherung. Wertgarantie sieht sich hier als ein Pionier bei dem Schutz für Elektrofahrräder, was sich jetzt in einem starken Wachstum bemerkbar macht. Bei den neu abgeschlossenen Versicherungen mache das Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor schon deutlich mehr als die Hälfte aus. 

 Ein wichtiges Standbein der Wertgarantie ist inzwischen die Tierkrankenversicherung, betrieben von der Tochtergesellschaft Agila. Diese hatte dem Unternehmen nach dem Start vor fast 25 Jahren längere Zeit erhebliche Probleme bereitet, doch diese sind überwunden. Die Entwicklung sei „sehr, sehr erfreulich“, hieß es. Der Vertragsbestand sei hier vergangenes Jahr um 35 000 auf 240 000 gestiegen. Die Beitragseinnahmen beliefen sich auf 44 Millionen und auch unter dem Strich stimmte offenbar das Ergebnis. 

Insgesamt steigerte die Wertgarantie-Gruppe vergangenes Jahr ihre Prämieneinnahmen um 11 Prozent auf 247 Millionen Euro Prämieneinnahmen. Hinzu kamen noch 24 Millionen Euro Einnahmen aus dem in Frankreich betriebenen Garantie-Dienstleistungsgeschäft. Der Vertragsbestand der Gruppe kletterte um eine halbe Million auf 5,5 Millionen. Davon entfallen 3,4 Millionen auf Deutschland, 1,4 Millionen auf Frankreich und der Rest auf Österreich, die Benelux-Staaten, Spanien sowie die Schweiz. Aus diesem Land will sich die Wertgarantie nun aber zurückziehen, weil das Geschäft dort nie richtig in Gang gekommen ist. 

Wertgarantie-Vorstandschef Thomas Schröder gab sich trotz der Probleme im Handy-Geschäft mit dem Jahr 2017 insgesamt zufrieden. Er berichtete nicht nur über das stärkste Neugeschäft der Gruppe seit der Gründung vor 55 Jahren, sondern auch über einen weiteren Anstieg des Konzerngewinns um etwa 10 Prozent auf 14,2 Millionen Euro. Haupteigentümer ist die Familie Jodexnis. Die Gruppe beschäftigt rund 730 Mitarbeiter, davon 460 in Hannover.

Von Albrecht Scheuermann

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