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Weltweit Nach Passat-Aus: VW-Betriebsrat sorgt sich um Jobs
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Nach Passat-Aus: VW-Betriebsrat sorgt sich um Jobs
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00:17 10.11.2018
Soll künftig eine wichtige Rolle für das VWN-Werk in Hannover spielen: Der Elektrokleinbus ID.Buzz, hier eine Studie auf der IAA Nutzfahrzeuge. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Die nächste Planungsrunde dürfte die einschneidendste in der VW-Geschichte werden. Wenn der Aufsichtsrat am 16. November über den Investitionsplan für die kommenden Jahre berät, geht es um einen weitreichenden Umbau der Modellpalette und damit auch einiger Fabriken. Hannover und Emden – zwei der schwierigeren Fälle im VW-Produktionsverbund – sollten eine langfristige Perspektive bekommen, heißt es im Konzern.

Der Plan des Topmanagements steht: VWN in Hannover soll in einigen Jahren einen Teil der Transporter-Fertigung an ein Werk des neuen Partners Ford in der Türkei abgeben und dafür künftig den elektrischen Kleinbus ID Buzz produzieren. Emden verliert um das Jahr 2023 den Passat, der aber im Skoda-Werk im tschechischen Kvasiny zunächst weitergebaut werden soll. Trotz der schrumpfenden Verkaufszahlen sei derzeit nicht geplant, generell die Produktion des Passat einzustellen, sagte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann am Mittwoch. Emden soll zum Ausgleich zwei Elektromodelle in hoher Stückzahl fertigen.

Sieben Generationen des VW Passat sind seit 1973 gebaut worden. Wir nehmen Sie mit auf eine Zeitreise.

Während der ID Buzz für Hannover eher im Premiumsegment angesiedelt ist, soll das Werk in Emden jährlich rund 200 000 Exemplare eines neuen Einstiegsmodells herstellen. Für die intern MEB Entry genannte Fahrzeugklasse werden Startpreise von knapp 20 000 Euro angepeilt.

ID Buzz für Hannover

Das Transporterwerk von VW Nutzfahrzeuge soll nach aktueller Planung die Pkw-Varianten (etwa den Multivan) der siebten Bulli-Generation bauen. Die Transporterversion wird eher eine aufgefrischte Variante des aktuellen T6 sein und aus einem türkischen Ford-Werk kommen. Für Ersatz in Hannover würde der ID Buzz sorgen, ein kleinerer Elektro-Van im Retro-Design, von dem es zahlreiche Varianten geben soll. Als völlig neues, voll vernetztes Auto soll er auch die Tür zu neuen Servicegeschäften öffnen.

„Das ist die Strategie, um in einem hochpreisigen Land die Beschäftigung zu sichern“, heißt es in Konzernkreisen. Dem Betriebsrat ist das allerdings noch zu vage. Dort sieht man nach wie vor mit Sorge, dass bei der Herstellung von E-Autos deutlich weniger Personal benötigt wird als bisher. Bevor das geplante Programm durch den Aufsichtsrat gehe, müsse es verbindlichere Zusagen für die Beschäftigtenzahl in den Werken geben, hieß es auf Arbeitnehmerseite. Die Standorte dürften nicht unter eine Mindestgröße schrumpfen. Außerdem müssten die Mitarbeiter schnell Klarheit bekommen. Gerade wegen des Abzugs der Passat-Produktion aus Deutschland sei die Verunsicherung groß.

Zwei Neue für Emden

Der Passat und die Coupe-Version Arteon sollen um das Jahr 2023 ins tschechische Kvasiny wechseln und dort mit dem Skoda Superb vom Band laufen. Für die dort gebauten Geländewagen Seat Ateca, Skoda Kodiaq und ein neues Modell wird ein Werk „eher östlich von Deutschland“ gebaut. In Emden sollen dann jährlich 100 000 VW Aero gebaut werden, ein E-Auto im Passat-Format. Vor allem aber kommt ein noch namenloses Einstiegsmodell mit E-Antrieb, von dem 200 000 Stück jährlich geplant sind.

Der Komplettumbau der beiden Standorte ist Ergebnis einer radikalen Ausrichtung auf Elektroautos. Wegen der vorgesehenen Abgasgrenzwerte und absehbarer weiterer Verschärfungen ist das ohnehin nötig. Mit der Einhaltung der Vorschriften wolle sich Volkswagen aber nicht begnügen, heißt es in Wolfsburg. Der Maßstab seien die auf der Pariser UN-Konferenz im Jahr 2015 beschlossenen Klimaziele. So soll der künftige ID Neo, eine Art Golf des Elektrozeitalters, als erstes Auto mit dem Label „CO2-neutral“ vermarktet werden – Produktion inklusive. Wo es nicht ohne Kohlendioxid geht, soll über den Kauf von Emissionszertifikaten Ausgleich geschaffen werden.

Die zweite Großbaustelle des Konzerns ist das Thema Software. Auch hier soll der Aufsichtsrat die Weichen stellen. In künftigen Modellgenerationen werden elektronische Hardware, Betriebssystem und Anwendungssoftware getrennt. So können die Geräte im Auto leichter durch Software-Updates aktuell gehalten werden. Außerdem würde der Konzern damit die Abhängigkeit von Zulieferern verringern.

Von Stefan Winter

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