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Weltweit VW-Händler fordern Schadensersatz vom Konzern
Nachrichten Wirtschaft Weltweit VW-Händler fordern Schadensersatz vom Konzern
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20:52 17.09.2017
Die deutschen VW- und Audi-Händler streiten mit dem Autobauer öffentlich über die Folgen der Dieselkrise und wollen Schadenersatz.  Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Deutsche VW- und Audi-Händler üben im Diesel-Skandal scharfe Kritik an Volkswagen. Gleichzeitig fordern sie Schadensersatz sowie eine Nachrüstung der betroffenen Autos. Sie wollen für den Preisverfall der Gebrauchtwagen ebenso entschädigt werden wie für den hohen Zeitaufwand, den prozessierende Kunden mit sich bringen.

„Wir haben einen Skandal, und wie der Konzern damit umgeht, ist unglaublich. Man bekennt sich nicht mehr schuldig für das, was man verursacht hat“, sagte der Vorstandschef des Volkswagen und Audi Partnerverbandes, Dirk Weddigen von Knapp, dem „Spiegel“. VW-Deutschland-Vertriebschef Thomas Zahn nannte die Kritik des Händlerverbands in einer Stellungnahme „beispiellos und geschäftsschädigend“.

Derzeit werde ein Rechtsgutachten erarbeitet, sagte Weddigen von Knapp. Welche Summe die Händler von VW fordern werden, ist noch nicht bekannt – insgesamt könnte es aber um eine dreistellige Millionensumme gehen. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen der mehr als 2400 Handels- und Servicepartner der Marken VW, Audi und VWNutzfahrzeuge. Viele Klagen von Autobesitzern wenden sich gegen die Händler und nicht gegen VW direkt.

Verbandschef Weddigen von Knapp sagte, er verstehe Kunden, die klagten. Die Händler aber fühlten sich von Volkswagen „im Stich gelassen“. Es sei grotesk, dass die Händler, die den Ärger der Kunden nachvollziehbar finden, vor Gericht gegen sie kämpfen müssten. „Das ist eine perverse Situation, und sie führt dazu, dass wir diese Kunden nie mehr wiedersehen“, sagte der Verbandschef. Insgesamt habe der Handel in Deutschland seit Beginn der Diesel-Krise 73  000 VW-Fahrzeuge weniger verkauft. Stoppen lasse sich das alles nur, „wenn VW endlich bereit ist, seine Kunden in der Krise anständig zu behandeln“.

VW-Vertriebschef Zahn sagte, man wisse um die „herausfordernde Situation des Handels“. „Es ist unser wichtigstes Ziel, diesem entgegenzuwirken und das Vertrauen zurückzugewinnen.“ Man sei in einem engen Austausch mit dem Verband. „Aus den genannten Gründen sind die Aussagen von Herrn Weddigen von Knapp für uns unverständlich.“

Im Juni hatte der Autokonzern noch Händler aus aller Welt zu einem Kongress in Berlin eingeladen, um Wege in eine erfolgreiche Zukunft von VW und Handel zu finden. Nun ist die Stimmung an einem Tiefpunkt angekommen.
Ein Problem für die Händler ist auch der Wertverlust bei Dieselautos seit der Krise. Diesen bemerken sie vor allem bei Rückläufern aus Leasingverträgen. Um diese Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt überhaupt noch verkaufen zu können, müssten die Händler die Preise drücken und erhielten so bis zu 3000 Euro weniger als ursprünglich kalkuliert, sagte Weddigen von Knapp.     

Von Sebastian Raabe

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