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Weltweit Viele Psychotherapeuten arbeiten zu wenig
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00:32 04.05.2018
Viele Psychotherapeuten in Niedersachsen arbeiten weniger als sie sollten. Quelle: Jens Wolf
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Hannover

 Viele Psychotherapeuten in Niedersachsen arbeiten deutlich weniger als vorgesehen. Nach einer Prüfung der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) gab es 2016 bei einem Viertel der Befragten „Anzeichen für eine nicht vollständige Erfüllung des Versorgungsauftrages“. Bei einer erneuten Umfrage im vergangenen Jahr, die der HAZ vorliegt, bot von den 314 minderbeschäftigten Therapeuten aus dem Vorjahr immer noch jeder Dritte weniger Sprechstunden an als erwartet. 

Die KVN will das nicht länger hinnehmen. Man habe Ende März insgesamt 152 auffällige Psychotherapeuten und Ärzte angeschrieben und um eine Erklärung für die „festgestellte Wenig-Leistung“ gebeten, sagte ein KVN-Sprecher. Darüber hinaus sei diesen Mitgliedern eine Beratungsangebot unterbreitet worden, „wie sie ihren Versorgungsauftrag ausfüllen können“. Voraussetzung dafür sei das Angebot von 20 Sprechstunden in der Woche oder von 228 Sprechstunden im Quartal.

Laut einer Umfrage der Bundespsychotherapeutenkammer warten erwachsene Patienten in Deutschland im Durchschnitt knapp 20 Wochen, bis sie eine Therapie beginnen können – in Niedersachsen müssen sie sich noch drei Wochen länger gedulden. Die Kammer erklärt das vor allem mit den Unterschieden in der Versorgung zwischen Stadt und Land – außerhalb der Ballungsgebiete gebe deutlich es weniger Psychotherapeuten. 

Das Muster zeigt sich auch in Niedersachsen: So haben sich beispielsweise in Göttingen mehr als vier mal soviele Therapeuten niedergelassen wie im Bedarfsplan vorgesehen; in Lünbeurg und Hannover liegt der Versorgungsgrad bei 286 beziehungsweise 243 Prozent. Am schlechtesten schneidet in der Statistik der Heidekreis ab – rein rechnerisch sei aber auch dort der Bedarf komplett gedeckt, hieß es bei der KVN.

Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen nennt vor allem zwei Gründe, warum ein Teil ihrer Mitglieder nur eingeschränkt in ihren Praxen tätig ist: Zum einen lasse die familiäre Situation bei einigen Kollegen nicht mehr Sprechstunden zu, sagte Kammerpräsident Roman Rudyk.  Zum anderen koste auch das Engagement in der Ausbildung des beruflichen Nachwuchses Zeit.  „Bei den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten kommt hinzu, dass die langen Unterrichtszeiten eine ganztägige Auslastung der Praxen deutlich erschweren“, sagte Rudyk.

Die Terminservicestellen der KVN helfen Patienten nur eingeschränkt weiter. Zwar gelinge es meist, wie gesetzlich vorgeschrieben, binnen vier Wochen einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu vermitteln, hieß es. Doch die Therapeuten vertreten den Standpunkt, dass diese Pflicht nur für die Sprechstunde und eine Akutbehandlung gilt – nicht jedoch für den Beginn einer regulären Psychotherapie. 

Die Krankenkassen sehen das anders – und haben sich in einem Schlichtungsverfahren durchgesetzt. Dagegen hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung vor dem Berliner Sozialgericht geklagt und einen Antrag auf aufschiebende Wirkung gestellt. Seither streiten Kassen und Ärzteschaft darüber, ob die Psychotherapeuten bis zu einer richterlichen Entscheidung auch reguläre Therapiesitzungen innerhalb der Vier-Wochen-Frist anbieten müssen. „Zur Zeit gibt es einen rechtlichen Stillstand“, hieß es bei der KVN.

Von Jens Heitmann

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