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Weltweit Verkaufsprämien sorgen für besten Juli der VW-Geschichte
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Verkaufsprämien sorgen für besten Juli der VW-Geschichte
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00:19 12.08.2018
Derzeit läuft das Geschäft bei VW noch auf Hochtouren. Dies könnte sich in den kommenden Monaten aber ändern. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Wolfsburg

Volkswagen hat im vergangenen Monat so viele Autos verkauft wie noch nie in einem Juli. Das Absatzplus von teils mehr als 100 Prozent in einzelnen Märkten hängt mit dem neuen Verfahren zur Verbrauchsmessung zusammen. Bevor dieses am 1. September verbindlich wird, möchte der VW-Konzern noch möglichst viele Autos losschlagen, die nach dem alten Verfahren gemessen wurden. Deshalb wurden in Europa spezielle Programme zur Absatzförderung aufgelegt. In den nächsten Monaten dürfte das Geschäft aber wesentlich schwieriger werden, kündigte das Unternehmen an.

„Der beste Juli der Geschichte“

Der Wolfsburger Konzern berichtete am Donnerstag über ein Absatzplus von 8,4 Prozent für die Marke VW im Juli. Mit rund 506.000 verkauften Autos sei der Monat für die Marke „der beste Einzelmonat Juli ihrer Geschichte“ gewesen, erklärte Volkswagen-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. Auch die insgesamt von Jahresanfang bis Ende Juli verkauften 3,6 Millionen Fahrzeuge seien ein Rekord.

Beim Blick auf den europäischen Markt zeigen sich noch weit höhere Wachstumsraten. Insgesamt stiegen hier die Verkäufe an Kunden um 30 Prozent auf 162.500. In Deutschland betrug das Plus knapp 33 Prozent, in Spanien waren es sogar 52 Prozent und in Holland stolze 164 Prozent.

Hersteller wollen alte Autos schnell loswerden

Zurückzuführen seien diese Wachstumsziffern in erster Linie auf „Programme zum Abverkauf der nach der NEFZ zugelassenen Fahrzeuge“, erklärte VW. Gemeint sind Autos, deren Spritverbrauch noch nach dem bislang geltenden „Neuen Europäischen Fahrzyklus“ gemessen wurde. Nach Angaben einer Sprecherin geht es bei den Programmen um Prämien, die die Händler ihren Kunden beim Kauf eines Autos bieten.

Ab dem 1. September gilt für Neufahrzeuge das „Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicle Testing Procedure“ (WLTP). Deshalb versuchen die Autohersteller, Autos, deren Verbrauch nach dem alten Testzyklus dokumentiert wird, noch möglichst schnell loszuwerden. Allerdings muss dies bis zum 1. September nicht vollständig gelungen sein, wie die VW-Sprecherin erklärte. Eine Regelung erlaubt es den Autokonzernen, bis zu 10 Prozent ihrer jährlichen Absatzmenge in dem jeweiligen Markt noch drei Monate länger zu verkaufen, auch wenn für die Autos noch nicht der Verbrauch nach dem neuen Messverfahren angegeben ist.

Die nächsten Monate würden allerdings für VW „herausfordernder“ werden, erklärte Vertriebsvorstand Stackmann. Das Unternehmen hatte zuvor bereits angekündigt, dass die Umstellung auf das neue Messverfahren bei einigen Modellen nicht rechtzeitig abgeschlossen werden kann, sodass die Produktion vorübergehend gestoppt werden muss.

Gute Zahlen auch bei VW-Tochter Audi

Bei der VW-Tochter Audi sieht es ähnlich aus. Am Donnerstag berichtete sie ebenfalls über starke Verkaufszuwächse im Juli, warnte aber vor künftig schlechteren Zahlen wegen der Umstellungsprobleme. In Europa verbuchte die Marke im Juli ein Plus von 14 Prozent, in Deutschland waren es sogar 38 Prozent. Der starke Anstieg sei „auf einen Sondereffekt durch den Abverkauf bevorrateter Modelle zurückzuführen“, teilte Audi mit. Mit Blick auf die Umstellung auf den neuen Prüfzyklus hatten die Ingolstädter den Händlern noch viele Autos auf den Hof gestellt. So könne man zeitweilige „Einschränkungen im frei konfigurierbaren Angebot“ kompensieren, erklärte Audi. Wer also einen neuen Audi kaufen will und mit seiner Bestellung nicht warten will, bis die Umstellung abgeschlossen ist, findet eine größere Auswahl an sofort verfügbaren Autos beim Händler.

„Gerade spüren wir, wie gefragt unsere Modelle sind. In den nächsten Monaten werden uns aber Herausforderungen wie die größte Modelloffensive unserer Geschichte ebenso wie die Umstellung auf WLTP weiter intensiv fordern“, erklärte Audi-Chef Bram Schot. Er führt derzeit als kommissarischer Vorstandsvorsitzender die Geschäfte, weil Rupert Stadler wegen des Skandals um gefälschte Abgaswerte in Untersuchungshaft genommen wurde.

Von Albrecht Scheuermann

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