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Weltweit Stadt und Unternehmen senden Signal für Weltoffenheit
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Stadt und Unternehmen senden Signal für Weltoffenheit
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00:18 01.11.2018
Rund 600 Manager und Unternehmer kamen zum Wirtschaftsempfang der Stadt Quelle: behrens_c
Hannover

Die Luft zwischen der Stadt Hannover und vielen lokalen Unternehmen war zuletzt ziemlich dick: Erst vor wenigen Tagen kritisierten die Industrie- und Handelskammer und Arbeitgeberverbände die Stadtverwaltung scharf, weil diese zu voreilig die Einführung von Fahrverboten prüfe. Die Voraussetzungen hätten also besser sein können für den Wirtschaftsempfang am Montagabend, auf dem Politiker und Beamte der Landeshauptstadt mit den heimischen Unternehmern und Managern diskutierten und feierten.

Wenn man den Blick etwas weitet, das wurde auf der Veranstaltung im Congress Centrum deutlich, kann man solche Streitigkeiten zumindest für einen Abend vergessen. Während die USA sich abschotten, Großbritannien die EU verlässt und Italien eine Rückkehr der Euro-Krise riskiert, kommt es darauf an, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam den Freihandel und die europäische Idee verteidigen – so lautete das Fazit der Podiumsdiskussion vor rund 600 Gästen.

Bahlsen-Managerin Marianne Neuendorff, Johnson-Controls-Geschäftsführer Johann-Friedrich Dempwolff, Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) und der Berliner Wirtschaftsforscher Jörg Rocholl betonten gleichermaßen, dass Hannover seine Wirtschaftskraft zu einem guten Teil seiner Weltoffenheit zu verdanken habe.

Schon der Bahlsen-Gründer Hermann Bahlsen habe sich im Ausland inspirieren lassen, sagte Neuendorff. Dempwolff erklärte, wie der amerikanische Konzern Johnson Controls mit sehr hohen Investitionen seinen Standort in Hannover komplett umgebaut habe. Schostok erinnerte an die Bedeutung der Exportmesse als Beschleuniger für das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit.

Appell für Nachhaltigkeit

Wirtschafts- und Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) erinnerte in ihrem Vortrag allerdings auch daran, dass die weltweite Vernetzung der Produktion auch neue Herausforderungen bringe: „Durch die Globalisierung haben unser Handeln und unser Konsumverhalten direkte oder indirekte Auswirkungen auf die gesamte Welt“, sagte die Grünen-Politikerin.

Es gebe viele Bereiche, „in denen wir Verantwortung übernehmen müssen – und auch können“, sagte Tegtmeyer-Dette. So würden zum Beispiel Produkte in Pakistan oder China „nicht immer unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt“. Der Transport von Komponenten quer durch die ganze Welt habe ebenfalls negative Auswirkungen. Und der Hunger nach Fleisch führe dazu, dass in manchen Ländern nicht mehr genügend Ackerfläche vorhanden sei. Tegtmeyer-Dette betonte, dass viele hannoversche Unternehmen bereits heute solche Themen angehen. Die Erfolge sollten motivieren, „weiter neue Wege zu beschreiten“. 

Und die Fahrverbote? Blieben auf dem Podium außen vor. Und von den Gästen hörte man zumindest vereinzelt versöhnliche Töne. Das Thema werde wohl nicht so heiß gegessen, wie es gekocht werde, meinte ein Wirtschaftsvertreter.

Standort-Preis für Frauen geht an Demeter-Bäckerin Ruth Scharwies

Die Betriebswirtin Ruth Scharwies leitet gemeinsam mit Christian Licht die 1999 gegründete Demeter-Bäckerei Backwerk in der Südstadt, die einzige zertifizierte ihrer Art in Hannover und nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Backshop-Kette. Scharwies ist von einer Jury zur Trägerin des diesjährigen Stadt-Hannover-Preises „Frauen machen Standort“ gekürt worden, der mit 10.000 Euro dotiert ist. „Die Unternehmerin fördert mit neuen Arbeitszeitmodellen Frauen in der Ausbildung zum Bäcker“, sagt Jury-Sprecherin Cornelia Klaus. Auch die Nachhaltigkeit, für die ein Demeter-Betrieb steht, wurde gewürdigt.

Backwerk verkauft in einem kleinen Laden in der Südstadt, beliefert Bio- und Naturkostläden sowie unter anderem auch die Schlossküche Herrenhausen und eine Catering-Firma für Kindertagesstätten. Ausgeliefert wird mit Elektroauto oder Lastenfahrrad. Rohstoffe stammen aus ökologischem Anbau aus Betrieben der Region und von einem Hof in Uelzen. Zu den 16 Mitarbeitern zählen zehn Frauen.

„Ich freue mich sehr, dass der Preis nicht eine einmalige Höchstleistung auszeichnet, sondern den Fokus auf mehrere Kriterien richtet“, erklärt Scharwies. Sie will das Preisgeld für den Aufbau einer neuen Website verwenden. Für 2020 sind Ausweitung der Produktion und ein neuer Standort in den sogenannten Hannover Docks in Limmer geplant. Der Laden in der Südstadt bleibt aber erhalten.

Von Christian Wölbert

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