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Datenklau

Betrüger erbeuten Emissionsrechte im Wert von 3 Millionen Euro

Von Dr. Margit Kautenburger

Ein dreister Datenklau beeinträchtigt den internationalen Emissionshandel. Betrügern ist es gelungen, per Computer Verschmutzungsrechte von Unternehmen zu stehlen und diese weiterzuverkaufen. Die Täter erbeuteten auf diese Weise rund 3 Millionen Euro, wie das Umweltbundesamt am Mittwoch mitteilte.
Für große Industriebetriebe sind Emissionsrechte zum Kostenfaktor geworden.

Für große Industriebetriebe sind Emissionsrechte zum Kostenfaktor geworden.

© dpa (Symbolbild)

Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Potsdam schätzt den Angriff als „hochprofessionell“ ein. Das Bundeskriminalamt ermittele, sagte ein Sprecher. Der Handel mit CO2-Zertifikaten ist gestern in ganz Europa ins Stocken geraten.

Es ist der Albtraum von Sicherheitsexperten: Hacker legen mit Angriffen auf wichtige Unternehmen wie Energieversorger ganze Länder lahm. Der Angriff auf den Emissionshandel zeigt, dass ein solcher Plot nicht nur Stoff für Hollywoodfilme ist.

Was genau ist passiert? Um Zugang zum System des europäischen Emissionshandelsregisters zu erhalten, haben die Betrüger einen altbekannten Trick angewandt: das Phishing. Mit dieser Methode plündern Datenfischer in der Regel die Konten argloser Bankkunden, die ihre Konten online verwalten. In diesem Fall hatten sie es erstmals auf Teilnehmer des Emissionshandels abgesehen. Sie wurden am vergangenen Donnerstag per E-Mail im Namen der Deutschen Emissionshandelsstelle angeschrieben und aufgefordert, ihre Registrierungsdaten zu erneuern. Als Grund gaben die Betrüger pikanterweise an, es drohten Hackerangriffe. Die Täter gelangten so an Zugangsdaten und übertrugen anschließend Pakete mit Emissionslizenzen auf Konten in Dänemark und England. Von dort wurden die Rechte schnell wieder weiterverkauft.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes, bei dem die DEHSt angesiedelt ist, sind sieben von 2000 Nutzern des deutschen Emissionshandelsregisters bekannt, die auf den Trick hereingefallen sind. 250.000 Emissionszertifikate im Wert von jeweils 12 Euro seien unberechtigt transferiert worden, berichtete ein Behördensprecher. Betroffen sind vor allem Stromversorger, Industrieunternehmen und Händler. Ein Mittelständler aus Deutschland muss offenbar einen Verlust von Zertifikaten im Wert von rund 1,5 Millionen Euro verkraften.

Große Chancen auf eine Rückerstattung des Geldes sehen Experten nicht. Zwar wisse man, wo die Zertifikate hingegangen seien. Möglicherweise hätten andere die Handelsrechte aber in gutem Glauben erworben, sodass sie sie nicht zurückgeben müssten, erklärte der Sprecher des Umweltbundesamts. Dies werde juristisch noch geprüft. Alle Beteiligten beträten Neuland.

Nach Ansicht der Behörde gibt es keine Sicherheitsmängel beim Onlineregister. „Die Webseite des Registers ist sicher“, betonte der Sprecher. „Nicht die Technik hat versagt, Menschen sind kriminell getäuscht worden.“ Die Nutzer müssten sich aber – wie beim Online-Banking auch – absichern und vorsichtig und sensibel mit ihren eigenen Daten umgehen.

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