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Tankflugzeugauftrag

Europäer kämpfen um US-Milliardenauftrag


Im Kampf um den „Jahrhundert-Auftrag“ der US-Luftwaffe hat die entscheidende Phase begonnen. Mit dem Ende der Bieterfrist steht fest, dass es zum einem erneuten Zweikampf zwischen den Erzrivalen Boeing und der Airbus-Mutter EADS kommt.
Die Airbus-Mutter EADS tritt gegen Boeing um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Luftwaffe an.

Die Airbus-Mutter EADS tritt gegen Boeing um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Luftwaffe an.

© dpa

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS macht seinem US-Rivalen Boeing den milliardenschweren Tankflugzeugauftrag der amerikanischen Luftwaffe streitig. EADS reichte ein 8800 Seiten dickes Angebot ein, Boeing übergab der Air Force am Freitag 8000 Blatt Papier.

„Wir sind stolz auf unser Angebot, weil es die einzige Maschine im Wettbewerb ist, die bereits fliegt und andere Flugzeuge auftankt“, sagte EADS-Nordamerika-Chef Ralph Crosby. Das Airbus-Modell ist moderner und größer als das Boeing-Gegenstück und hat bereits Ausschreibungen in anderen Ländern gewonnen. Dafür verbrauche der NewGen Tanker von Boeing weniger Sprit und sei billiger in der Wartung, konterte der Chef von Boeings Rüstungssparte, Dennis Muilenburg.

Die von deutschen und französischen Anteilseignern dominierte EADS und ihr US-Partner Northrop Grumman hatten im März eigentlich ihren Rückzug aus dem Bieterwettbewerb über 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar verkündet. Beide Konzerne begründeten dies mit unfairen Wettbewerbsbedingungen und beklagten, dass die Ausschreibung voll auf Boeing zugeschrieben worden sei.

Daraufhin schalteten sich jedoch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ein und warnten vor „allen protektionistischen Versuchungen“. Wenig später erklärte sich das Pentagon bereit, die Ausschreibungsfrist zu verlängern, um EADS ein neues Angebot ohne Northrop Grumman zu ermöglichen. US-Präsident Barack Obama versprach zudem einen fairen Wettbewerb.

Mit der KC-45, die vom Verkehrsjet Airbus A330 abgeleitet ist, wird von EADS eine bereits erprobt Maschine ins Bieterrennen geschickt. Nach Angaben von EADS würde das Programm 200 Unternehmen in den USA beteiligen und 48.000 Menschen Arbeit geben. Die KC-45 soll in Mobile (Alabama) gebaut werden. Dort will EADS eigens ein Werk bauen, in dem dann auch Frachtmaschinen vom Typ A330 gefertigt werden könnten.

Boeing verspricht 50.000 neue Arbeitsplätze im eigenen Haus und bei 800 Zulieferern in den Vereinigten Staaten. Der NewGen Tanker basiert auf dem Verkehrsjet 767 aus den 1980er Jahren. Um das Flugzeug aufzuwerten, hat Boeing ihm das Cockpit des neuen „Dreamliners“ 787 verpasst. Auch die alten, in den 1950er Jahren entwickelten Tankflugzeuge stammten von Boeing.

Um das „Jahrhundert-Geschäft“ mit der US-Luftwaffe gibt es schon seit Jahren Streit. EADS hatte noch unter der Regierung von George W. Bush den Zuschlag für den Deal erhalten. Auf Druck von Boeing war der Auftrag allerdings neu ausgeschrieben worden. Noch davor hatte Boeing sich die Ausschreibung gesichert, der Deal war jedoch nach Unregelmäßigkeiten annulliert worden.

Die US-Luftwaffe muss 534 Tanker und Frachter ersetzen. Das verspricht langfristig ein Geschäft von 100 Milliarden Dollar. Im ersten Los geht es um 68 Maschinen und undatierte Folgeaufträge für 111 Flugzeuge.

Auch der ukrainische Hersteller Antonow und ein US-Partner hatten zu Wochenbeginn Interesse angemeldet. Doch Experten zweifeln an der Ernsthaftigkeit. Bis zuletzt war unklar, ob die Firmen es in der Kürze der Zeit geschafft haben, ein Angebot zu erstellen.

dpa

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