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Interner Streit

IKK und AOK verhandeln über Fusion

Von Jens Heitmann

Die IKK Niedersachsen mit ihren rund 300.000 Versicherten ist intensiv auf der Suche nach einem Fusionspartner. Die Arbeitnehmerseite im Verwaltungsrat der Krankenkasse favorisiert nach Informationen dieser Zeitung einen Zusammenschluss mit der AOK Niedersachsen.
Bald schon Mittelpunkt einer fusionierten Kasse? Die Zentrale der AOK Niedersachsen in Hannover.

Bald schon Mittelpunkt einer fusionierten Kasse? Die Zentrale der AOK Niedersachsen in Hannover.

© Steiner

Die Vertreter der Arbeitgeber tendieren eher zu einem Partner aus dem Lager der Handwerker-Kassen in benachbarten Bundesländern. Zusammen kämen AOK und IKK in Niedersachsen auf einen Marktanteil von 34 Prozent.

Eine Entscheidung könne bereits auf der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates Mitte Oktober fallen, hieß es am Freitag in Hannover. Ein IKK-Sprecher bestätigte, dass das Gremium Bündnisse mit anderen Kassen sondiere. Auf der gestrigen Sitzung des Verwaltungsrates seien mehrere Optionen diskutiert worden. Eine Entscheidung werde möglicherweise bereits beim nächsten Treffen Mitte Oktober fallen, berichtete ein Beteiligter.

Die Verhandlungen mit der AOK Niedersachsen laufen seit mehreren Monaten. Der Anstoß zu den Gesprächen kam dem Vernehmen nach aus dem Lager der Gewerkschaften. Als treibende Kraft bei der IKK gilt der Verwaltungsratsvorsitzende Klaus-Dieter Salewski, zugleich Erster Bevollmächtigter der IG Metall Verwaltungsstelle Lüneburg. Auf Seiten der AOK mit ihren 2,2 Millionen Versicherten begrüße man die Initiative, sagte Kassenchef Jürgen Peter: „Das würde die Versorgungssituation für die Versicherten in Niedersachsen verbessern.“

Hintergrund der Fusionsbestrebungen sind die zahlreichen Zusammenschlüsse im Kassenlager in den vergangenen Monaten. Die Einführung des Gesundheitsfonds und des einheitlichen Beitragssatzes hat den Wettbewerbsdruck auf die Kassen verstärkt. Nach der Vorstellungen der Politik soll die Zahl der Kassen von aktuell 187 auf 30 bis 50 sinken. Nachdem vom Gesetzgeber bis 2007 nur Fusionen innerhalb einer Kassenart erlaubt waren, ist es zuletzt vermehrt auch zu Zusammenschlüssen zwischen Ersatz, Betriebs- und Innungskrankenkassen gekommen.

Die vergleichsweise kleinen IKK gelten als tendenziell gefährdet. Ihr Marktanteil stagniert bei 9 Prozent. Gleichwohl wolle die Arbeitgeberseite im Verwaltungsrat der IKK Niedersachsen lieber Partner im eigenen Lager finden, um die enge Verbindung zum Handwerk zu bewahren, hieß es.

Naheliegend wäre ein Zusammenschluss mit der IKK Nord in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, mit der die Niedersachsen einen gemeinsamen Landesverband bilden. Doch die handelnden Personen sind so zerstritten, dass man in Hannover eher zur finanzstarken IKK Gesundplus nach Magdeburg (320.000 Versicherte) oder zur frisch fusionierten Signal Iduna BKK nach Dortmund (eine Million Versicherte) schaut.

IKK

Die Innungskrankenkassen (IKK) stehen dem Handwerk nahe und sind die einzigen branchenbezogenen Kassen in Deutschland. Ihr Ursprung liegt in den „Krankenladen“ des mittelalterlichen Zunftwesens – bei keinem Träger des heutigen Sozialversicherungssystems reichen die Wurzeln so weit zurück. Heute zählen die IKK rund 5 Millionen Mitglieder, die in 14 regionalen Innungskrankenkassen und zwei Direktversicherungen organisiert sind. Die IKK Niedersachsen ist aus mehreren Fusionen kleinerer IKK hervorgegangen, sie zählt 500 Mitarbeiter und unterhält 39 Servicestellen.

AOK

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) gehen auf die Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung durch Otto von Bismarck 1884 zurück. Anfangs gab es 8200 von ihnen: Die Arbeiter wurden ihnen zugewiesen, wenn sie anders nicht zu versichern waren. Inzwischen ist auch die Zahl der AOK deutlich geschrumpft. Auch die AOK Niedersachsen hat bereits Anläufe zu einem Zusammenschluss mit Schwesterkassen unternommen – bisher vergeblich. In Niedersachsen beschäftigt sie 5800 Mitarbeiter und unterhält 90 Geschäftsstellen. Ihr Marktanteil beträgt knapp 30 Prozent.

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