Gut für Göttingen sei die Loslösung aus der Polytec-Gruppe allemal, bezog der hiesige Betriebsratsvorsitzende Uwe Gerlach gestern auf Tageblatt-Anfrage Stellung. Wenn es zur befürchteten Insolvenz gekommen wäre, so Gerlach, hätte die Zukunft des Standortes Göttingen düster ausgesehen. Nun müsse man abwarten, was der neue Eigner Stefan Pierers (Cross Industries) für Pläne habe. Zuletzt sei von der Peguform-Belegschaft gefordert worden, die Kosten an allen Standorten um weitere 20 Prozent zu senken.
Vor wenigen Tagen haben sich Gläubigerbanken und Polytec-Eigner Friedrich Huemer auf eine Trennung des Automobilzulieferers Peguform von der Polytec-Gruppe geeinigt. Die in Bötzingen (Baden-Württemberg) ansässige Peguform ist mit einem Umsatz von 1,4 Mrd. Euro und rund 7500 Mitarbeitern die größte Beteiligung von Polytec. Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) habe sich Polytec-Chef Friedrich Huemer lange gegen die Zerschlagung gewehrt. Doch die Banken, so heißt es, hätten gedroht, die gesamte Gruppe in die Insolvenz zu schicken. Die Polytec habe sich bei der Übernahme der Peguform im Herbst 2008 verhoben. Die Österreicher hatten die deutlich größere Peguform vom amerikanischen Finanzinvestor Cerberus für 218,5 Mio. Euro erworben. Damit sei Polytec ein wichtiger Schritt in Richtung eines global tätigen Zulieferers gelungen, schreibt die FTD. Mit dem Deal habe die Gruppe Umsätze in Höhe von 2,2 Mrd. Euro gemacht – mit mit 13500 Mitarbeitern. Durch den Zukauf der Peguform hätten sich jedoch die Schulden auf über 350 Mio Euro erhöht.
Banken mit Bedenken
Ein großer Teil der Kredite laufe im Mai aus. Da die Aufträge des österreichischen Konzerns aufgrund der Krise eingebrochen seien, hätten die Banken reagiert. In die Verhandlungen um den Weiterbestand der Polytec-Gruppe seien führende österreichische und deutsche Institute wie die WestLB, die Bank Austria, die Wiener Investkredit, die Oberbank und die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich eingebunden. Mit der Übernahme durch Cross Industries sei die Zukunft von Peguform vorerst abgesichert, heißt es. Der Finanzinvestor sei mit 15 Prozent an Polytec beteiligt, wolle den Anteil jedoch abgeben und sich auf Peguform konzentrieren. Cross Industries zahle für die deutsche Firma einen Schnäppchenpreis. Laut FTD übernimmt die Gesellschaft nur den 170-Millionen-Euro-Kredit, mit dem Polytec die Übernahme von Peguform finanziert hatte.
Die Banken erklärten sich bereit, 30 Prozent der Schulden nachzulassen. Dabei sei jedoch eine sogenannte Besserungsklausel vereinbart. Wenn die Geschäfte von Peguform besser als erwartet laufen, könne die Rückzahlungsquoten höher ausfallen. Dem Vernehmen nach soll Peguform künftig mit dem österreichischen Motorradhersteller KTM kooperieren, an dem Cross Industries 50 Prozent der Anteile hält.
(soz/ftd)
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