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Wissen 40.000 Jahre alte Eiszeit-Venus entdeckt
Nachrichten Wissen 40.000 Jahre alte Eiszeit-Venus entdeckt
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00:08 14.05.2009
Die „Venus vom Hohle Fels“. Quelle: H. Jensen/Universität Tübingen, ddp

Am Mittwoch präsentierte er in Tübingen seine „Venus vom Hohle Fels“ - eine geschnitzte Frauenstatuette aus Mammutelfenbein. Mit einem geschätzten Alter von 35.000 bis 40.000 Jahre gilt die Figur als älteste Menschendarstellung und als eines der ältesten Beispiele für figürliche Kunst weltweit. Conards Team hatte sie im September 2008 in der Karsthöhle „Hohle Fels“ bei Schelklingen entdeckt und unter strengster Geheimhaltung zusammengesetzt.

Conard spricht von einer „großen Überraschung“, mit der niemand gerechnet habe. Seit zwölf Jahren gräbt er mit einer Archäologenmannschaft in der Hallenhöhle, die bereits durch zahlreiche andere urzeitliche Funde bekanntwurde. Als das Team auf die sechs Einzelteile der „Venus“ stieß, war er selbst gar nicht anwesend, sondern hielt einen Vortrag auf einem Kongress in Frankfurt am Main. Alarmiert durch einen Anruf eilte er danach zur Fundstelle und traute seinen Augen kaum, als sich kleine Hände auf den verdreckten Elfenbeinstückchen abzeichneten. „Ich war sprachlos“, betont der Forscher.

Mit weißen Baumwollhandschuhen holt Conard die „superempfindliche“ Kostbarkeit aus einem Aluminiumkoffer. In seiner Hand wirkt das Fundstück wie ein kleiner Stein. 20 Meter vom Höhleneingang entfernt wurde die Statuette in einem tonhaltigen Segment gefunden, das aus dem sogenannten Aurignacien stammt. Dabei handelt es sich um die älteste mit dem modernen Menschen in Verbindung gebrachte Kultur in Europa, die vor etwa 40.000 Jahren begann. Die „Venus vom Hohle Fels“ ist für ihr stolzes Alter erstaunlich gut erhalten. Lediglich der linke Arm mit der Schulter fehlt.

Dargestellt ist eine Frauengestalt, wobei Sexualmerkmale wie große Brüste und das Schamdreieck im Vordergrund stehen, während die Beine kurz und spitz sind. Auf den Schultern befindet sich anstelle eines Kopfes ein geschnitzter Ring. Viele kleine Linien im Elfenbein deuten außerdem eine Art Kleid oder einen Schurz an. Selbst der Bauchnabel ist deutlich erkennbar. Wegen Politurspuren gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Figur als Anhänger getragen wurde.

An eine These über die konkrete Bedeutung wagen sie sich aber vorerst nicht heran. „Ich war nicht da vor 40.000 Jahren, und unter dem Strich habe ich keine Ahnung“, betont Conard.
Der Urgeschichtler geht nur so weit, dass es sich „eventuell“ um ein Fruchtbarkeitssymbol handeln könnte. Möglicherweise hätten es schwangere Frauen getragen. Aber dies sei alles „reine Interpretation“. Es gebe eine „unsäglich große Bandbreite von möglichen Deutungsansätzen“. Fest dürfte aber zumindest stehen, dass der Fund die bisherigen Diskussionen in der Fachwelt über die Anfänge menschlicher Darstellungen in der Kunst erheblich bereichern wird. Bislang war fraglich, ob es zu einem so frühen Zeitpunkt schon figürliche Kunst in Europa gab.

Für Conard ist es bereits die zweite Entdeckung, die weltweit für Furore sorgt. 2006 hatte sein Team in der Vogelherdhöhle im Lonetal auf der Schwäbischen Alb eine vollständig erhaltene, geschnitzte Mammutfigur aus Elfenbein entdeckt - mit 3,7 Zentimetern noch kleiner als die „Venus“. Sein neuer Fund wird nun erstmals bei einer Eiszeit-Ausstellung in Stuttgart vom 18. September bis 10. Januar 2010 einer breiten Öffentlichkeit gezeigt.

von Tanja Wolter/ddp

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