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22:42 30.01.2018
Die „Columbia“ bei einem Transportflug auf dem Rücken einer Boeing 747. Vor 15 Jahren, am 1. Februar 2003, explodierte die Raumfähre beim Landeanflug über Texas, die sieben Astronauten starben.| Quelle: dpa
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Washington

Millionen Menschen weltweit sehen im Fernsehen den wolkenlos-blauen Himmel über Texas und warten auf die Rückkehr der Raumfähre „Columbia“. Doch dann geschieht an diesem 1. Februar vor 15 Jahren das Unvorstellbare. Das Space Shuttle zerbricht und verglüht beim Eintritt in die Erdatmosphäre, nur 16 Minuten vor der geplanten Landung. Alle sieben Crew-Mitglieder sterben. Im Kontrollzentrum in Florida, wohin um 8.59 Uhr Ortszeit die letzten unverständlichen Worte aus der „Columbia“ übermittelt worden waren, steht in den Gesichtern der Familienmitglieder der Astronauten und der Ingenieure blankes Entsetzen.

Teile der „Columbia“ finden sich später in einem Radius von 200 Kilometern über Texas und dem Nachbarstaat Louisiana verstreut – auf Autobahnen, in Büros, in Wäldern. Ein Tag, der zum Triumph für die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die bemannte Weltraum-Forschung werden sollte, endet in einem Desaster. „Dieser Tag hat schreckliche Nachrichten und große Trauer über unser Land gebracht“, wendet sich der damalige Präsident George W. Bush an sein Volk. „Die ,Columbia’ ist verloren, es gibt keine Überlebenden.“

Schon beim Start der „Columbia“ lief etwas schief

Die „Columbia“ war nicht irgendeine Raumfähre – sie war die erste, der Grundstein einer Flotte nationaler Ikonen. Am 12. April 1981 hob sie erstmals vom Startplatz 39A des Kennedy Space Centers im Bundesstaat Florida ab. Auf „STS-1“, so der Codename der ersten Mission, folgten in einer 30 Jahre dauernden Space-Shuttle-Ära vier weitere Raumfähren und mehr als 1300 Tage im All bei 134 Flügen – bis die „Atlantis“ am Ende der Mission „STS-135“ im Juli 2011 zum endgültig letzten Mal aus dem Weltraum kommend auf der Erde aufsetzte.

Das offizielle Teamfoto der „Columbia“-Mission STS-107: (von links) David Brown, Rick Husband, Laurel Clark, Kalpana Chawla, Michael Anderson, William McCool und Ilan Ramon. Bei der Explosion der Raumfähre war die Crew innerhalb von Sekunden tot. Quelle: NASA/dpa

Schon beim Start der Unglücksmission „STS-107“ am 16. Januar war etwas schief gelaufen, das – wie Untersuchungen später ergaben – das Desaster beim Landeversuch unausweichlich machte. Ein Stück Schaumstoff-Isolierung eines Tanks der Raumfähre brach ab und schlug ein Loch in die Vorderkante des linken Flügels. Wissenschaftler der Nasa hatten das zwar bemerkt, aber das Ausmaß des Schadens unterschätzt. Eine Notfall-Rettungsmission wäre wahrscheinlich möglich gewesen, ergaben spätere Untersuchungen. Doch die Nasa unternahm nichts.

Der Moment der Katastrophe: Die „Columbia“ zerfällt beim Eintritt in die Atmosphäre in großer Höhe über Nordtexas in mehrere Teile. Ursache war ein schon beim Start beschädigter Hitzeschild. Quelle: dpa

Das Isolierschaum-Stück hatte den Hitzeschutz der Raumfähre beschädigt. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre fielen nacheinander die Instrumente im linken Flügel wegen Überhitzung aus. Heiße Gase mit einer Temperatur von 1800 Grad Celsius gelangten in die Tragfläche uns verbrannten sie von innen. Die „Columbia“ geriet kurz vor ihrer geplanten 28. Landung außer Kontrolle und zerbrach schließlich in 63 Kilometern Höhe über Texas. Die sieben Astronauten – fünf Amerikaner, darunter eine Frau, sowie der erste Israeli im All und eine Inderin – hatten Untersuchungen zufolge keine Chance, sich zu schützen. Sie waren innerhalb von Sekunden tot.

Keine Raumfähren mehr in den Weltraum

Das Desaster der „Columbia“ war nicht das erste der Shuttle-Geschichte, bereits 1986 starben sieben Astronauten, als die „Challenger“ kurz nach dem Start auseinanderbrach. Doch das Ende der „Columbia“ sollte die Raumfahrt für immer verändern. Die Raumfähren-Flotte wurde zunächst für rund zwei Jahre in den Hangar verbannt und umfangreiche Tests, Untersuchungen und Verbesserungen angeordnet. Das Resultat waren unter anderem bessere Sitze und Anschnallgurte.

Trauerfeier am 25. Januar am Kennedy Space Center in Florida zur Erinnerung an die Astronauten, die bei der „Columbia“-Katastrophe ums Leben kamen: Tal Ramon, vorne mit Sonnenbrille, ist der Sohn des verunglückten Astronauten Ilan Ramon. | Quelle: ap

Inzwischen sind die Shuttles komplett aussortiert – und die Nasa-Ingenieure von der Idee der Raumfähren abgekommen, auch wenn diese schwere Frachten transportieren können. Eine Kapsel soll es nun sein, wie sie derzeit von Russland für Astronauten und von privaten Firmen wie SpaceX oder Orbital Sciences für Fracht und planmäßig demnächst auch für Astronauten verwendet werden. Die Kapsel, die die Nasa derzeit entwickelt, heißt „Orion“. 2019 soll erstmals ein unbemannter Testflug stattfinden, 2021 ein bemannter.

Nach „Columbia“-Desaster steht Sicherheit nun an allererster Stelle

Eine solche Kapsel ist beim Start auf der Rakete angebracht, nicht daneben. „Deswegen ist sie Trümmer-Umgebungen nicht so ausgesetzt, was natürlich ein großes Problem für die ,Columbia’ war“, sagte „Orion“-Chef-Designerin Julie Kramer White dem „Space“-Magazin. Gäbe es einen Notfall kurz vor oder während des Starts, könnten Astronauten zudem von oben heraus aus der Kapsel befreit werden, das war bei den Raumfähren nicht möglich.

Das „Columbia“-Desaster habe dazu geführt, dass Sicherheit bei der Nasa nun an allererster Stelle stehe, sagt Dustin Gohmert vom Johnson Space Center in Houston. „Früher war es schwierig, einige Sicherheitsvorkehrungen durchzusetzen, die wir uns erhofft hatten. Jetzt ist das für alle das Wichtigste.“

Von Christina Horsten/dpa/RND

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