Verursacht immense Kosten: Pflege der von Demenz Betroffenen.
Sechs bis neun Prozent der über 65-Jährigen leiden heute an einer Demenz, also an einer erworbenen Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit, die Gedächtnis, Sprache, Orientierung und Urteilsvermögen so stark einschränkt, dass die Betroffenen nicht mehr zu einer selbstständigen Lebensführung in der Lage sind. Die Kosten für die demenzkranken Menschen werden auf 26 Milliarden Euro geschätzt. Ein großer Anteil hiervon, nämlich 30 Prozent für Pflege, wurde aber bisher nicht ausgabenwirksam, da er durch Angehörige der Patienten erbracht wurde.
Im Jahr 2010 werden voraussichtlich 20 Prozent aller Bundesbürger über 65 Jahre alt sein und so die (fiktiven) Kosten bei gleichen Bedingungen auf 36,3 Milliarden Euro ansteigen. Aufgrund der sich verändernden Familienstrukturen (Single-Haushalte, Kleinfamilien) wird aber der Anteil der Pflegekosten zusätzlich ansteigen.
Der vierte Bericht zur „Lage der älteren Generation“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kommt trotz dieser Dringlichkeit zu dem Ergebnis, dass beispielsweise die Forschungsaktivitäten im Bereich dementieller Erkrankungen eher zurückhaltend sind - medizinisch und gesundheitsökonomisch.
So bemängelt beispielsweise die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, dass nach wie vor in Deutschland nur ein Bruchteil der Patienten mit Alzheimer-Krankheit diagnostiziert werden, von denen wiederum nicht einmal die Hälfte eine Behandlung bekommt, die den bereits geltenden medizinischen Leitlinien entspricht.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine von der Barmer in Auftrag gegebene Studie „Alzheimer Demenz: Versorgungsforschung für mehr Behandlungsqualität und Kostenbewusstsein“. Sie wurde von Prof. Reinhard Rychlik vom Institut für Empirische Gesundheitsökonomie (IfEG), Universität Bochum durchgeführt und Anfang Juni vorgestellt. Nach wie vor werden demnach nur wenige Alzheimer Patienten mit spezifischen Medikamenten, so genannten Antidementiva, behandelt. Die Hälfte der in der Studie betrachteten, medikamentös behandelten Menschen hatte stattdessen Psychopharmaka oder ruhigstellende Substanzen (Sedidativa) erhalten.
Die Studie des IfEG umfasste einen Kostenvergleich von drei Versorgungsgruppen: Patienten unter Antidementiva-Therapie, Patienten, die mit Psychopharmaka und Sedativa behandelt wurden und Patienten ohne eine Demenz-fokussierte Therapie. Das Ergebnis: Eine nicht-antidementive Arzneimitteltherapie der Alzheimer-Demenz verursacht besonders in der Pflege höhere Kosten. Dementsprechend traten in der Gesamtkostenbetrachtung trotz höherer spezifischer Arzneimittelkosten die günstigsten Ergebnisse in der Antidementiva-Gruppe auf.
Die derart spezifisch behandelten Menschen verursachten Kosten in Höhe von 7 028 Euro pro Person und Jahr. In der Psychopharmaka/Sedidativa-Gruppe waren es 13 549 Euro und bei den nicht-medikamentös behandelten Betroffenen 8 818 Euro. In jedem Fall sind die Pflegekosten der größte Kostenblock.
Solche Studien sind noch selten. Gleiches gilt etwa für Forschungen über die Auswirkungen auf die Pflegesituation und auf Demenz-bedingte Altersarmut. Nur darüber, dass schon aufgrund der demografischen Daten dringender Handlungsbedarf besteht, sind sich offenbar alle einig.