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Tageblatt-Telefonaktion Demenz

Nicht mit einer Therapie zögern

Der Schwiegertochter sei aufgefallen, dass der 72-jährige Schwiegervater sich verändert habe. Er schiebe häufig Erledigungen auf, vermeide bestimmte Tätigkeiten, die früher für ihn selbstverständlich waren. Ihm selbst fallen Vergesslichkeiten auf, die er aber bagatellisiere. Die erste Untersuchung beim Hausarzt auf Demenz sei jedoch unauffällig gewesen.

Prof. Inga Zerr: Medikamente nicht eigenmächtig absetzen.

© CH
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Solche und ähnliche Beschreibungen wurden bei der Telefonaktion des Tageblattes zum Thema Demenz häufig an Dr. Anja Schneider, Medizinerin in der Gedächtnisambulanz des Göttinger Universitätsklinikums. „Im konkreten Fall habe ich eine weitere Abklärung in der Gedächtnisambulanz vereinbart, da die Symptome durchaus auf eine dementielle Erkrankung hinweisen könnten.“ Typisch sei beispielsweise, dass vertraute Arbeiten auf die lange Bank geschoben werden, da sich der Kranke ihnen nicht mehr gewachsen fühlt.

Bei Gedächtnisproblemen, die nach einer schweren Operation erstmals auftraten, vermutet sie dagegen eher Durchblutungsstörungen als eine dementielle Erkrankung und empfiehlt zunächst eine neurologische Abklärung. „Manchmal bringen ganz einfache Maßnahmen Besserung.“ So lohne es sich beispielsweise in vielerlei Hinsicht, den Blutdruck gut einstellen oder auf Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte hin untersuchen zu lassen.

Ein weiterer Fragenschwerpunkt war die mögliche erbliche Vorbelastung, wenn in der Familie bereits Demenzerkrankungen aufgetreten sind. „Die meisten Menschen haben Familienangehörige mit Demenz“, so Schneider. Eine erhöhtes familiäres Risiko liege aber in der Regel nur dann vor, wenn mehrere Angehörige bereits in jungen Jahren, etwa im Alter von 50, betroffen waren.

Keine Heilung

An Prof. Inga Zerr, Abteilung Neurologie des Universitätsklinikums und Leiterin der Demenzambulanz, wurden insbesondere Fragen zur Medikation gerichtet. „Das Problem ist, dass alle Substanzen, die wir in der Demenz-Therapie einsetzen, lediglich das Fortschreiten der Krankheit verhindern können. Keine von ihnen führt zu einer Heilung“, erklärt Zerr.
Daraus erwachse regelmäßig das Missverständnis, dass ein Medikament doch abgesetzt werden könne, wenn es ohnehin nichts bewirke. Dies würde jedoch zur Folge haben, dass die Demenz schneller voranschreitet.

Verstärkt werde der Konflikt dadurch, dass nicht alle Patienten die Medikation gut vertragen.
Außerdem seien trotzdem oft begleitende Therapien gegen einzelne Symptome der dementiellen Erkrankung notwendig. Beispielsweise können Unruhezustände oder Schlaflosigkeit separat behandelt werden, so dass die Lebensqualität des Betroffenen steigt.
Vom Zuwarten bis zum Beginn einer Therapie hält Zerr nicht viel. „Je eher mit der Behandlung begonnen wird, desto mehr können wir tun“, betont die Neurologin. Dabei müsse man sich unbedingt klar machen, dass gerade Alzheimer-Patienten so lange wie möglich versuchen, ihren Zustand zu verschleiern.

Von Heike Jordan


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