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Nachrichten Wissen Kaltkeimer: Manche mögen es kalt!
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09:54 03.12.2018
Geduld ist gefragt: Bis Kaltkeimer erste Blüten zeigen, braucht es eine mehrwöchige Kälteperiode. Quelle: Pixabay
Hannover

Für die Aussaat von Tomaten, Sonnenblumen oder anderen wärmebedürftigen Pflanzen ist es auch auf der Fensterbank derzeit zu kalt. Die Tage sind zu kurz – die Sämlinge würden zu wenig Licht bekommen. Dafür können jetzt andere winterharte Stauden gesät werden. Die Samen dieser Pflanzen brauchen die Kälte sogar, um keimhemmende Stoffe abzubauen. Bei wohlig warmen Temperaturen würden sie gar nicht erst aufgehen. Draußen ist eine Aussaat für winterharte Stauden im März und April, wenn im Garten die Hochsaison beginnt, wiederum oft schon zu spät. Denn eine Kälteperiode mit Temperaturen von konstant unter fünf Grad Celsius ist im Frühling nicht gewährleistet.

Kaltkeimer benötigen für Wachstum Kältereiz

Zu den sogenannten Kaltkeimern – Pflanzen, die zum Keimen einen Kältereiz benötigen – gehören: Eisenhut (Aconitum napellus), Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris), Pfingstrosen (Paeonia), Schlüsselblumen (Primula veris) oder Lenzrosen (Helleborus orientalis). Auch die in den letzten Jahren beliebter werdende Silberkerze (Cimicifuga ramosa) und der Große Schuppenkopf (Cephalaria gigantea) brauchen einen Kälteimpuls, um zu keimen.

Kälteprozess nicht unterbrechen

Eisenhut, Schlüsselblume,Schuppenkopf, Küchenschelle oder Christrose lieben es, bereits in der kalten Jahreszeit ausgesät zu werden. Die Samen benötigen einen Kältereiz, um ordentlich keimen zu können. Die Kälteperiode darf nicht unterbrochen werden von etwas wärmeren Tagen, da sonst der Keimprozess aufgehalten wird. Wenn die Temperaturen steigen, dann sollten die Töpfchen mit den Keimlingen in den Kühlschrank gestellt werden. Wenn die Samen in den Töpfen schön kalt gehalten werden, können sie im Frühjahr im Gartenbeet oder im Blumenkasten ausgesät werden.

Kaltkeimer ziehen: So wird es gemacht

Zum Start bekommen die Samen zunächst noch warme Temperaturen spendiert: Gesät wird in Kistchen oder in Töpfen mit Anzuchterde. Bei Bedarf die Samen vorquellen lassen. Dann die Saat mit einer Schicht Erde abdecken, die ungefähr dem Durchmesser des Samenkörnchens entspricht. Die Erde gut anfeuchten. Anschließend stehen die Gefäße für drei bis vier Wochen feucht und warm bei Temperaturen von 18 bis 22 Grad Celsius im Haus. Nun ist ein erster Impuls für die Entwicklung zur Pflanze gegeben und die Saat zieht in die Kälte um. Für vier bis acht Wochen sollte sie nun Temperaturen von unter fünf Grad Celsius ausgesetzt sein. Die Erde sollte immer leicht feucht gehalten werden, die Gefäße aber an einem geschützten Ort stellen – beispielsweise unter einem Dachvorsprung oder in einem Frühbeet, damit die Saat nicht von starkem Regen weggeschwemmt wird. Hat es geschneit, lohnt es sich, die Aussaatgefäße mit einer Portion Schnee abzudecken. Die weiße Decke erhöht die Keimchancen und hält die Saat feucht. Danach ist die Geduld des Gärtners gefragt, denn die eigentliche Keimung beginnt meist erst, wenn die Außentemperaturen langsam auf fünf bis zwölf Grad steigen. Unbedingt sollte darauf geachtet werden, dass die Temperatur nicht abrupt steigt.

Sobald die Pflänzchen nach den Keimblättern das erste richtige Blattpaar zeigen, werden sie umgesetzt und in Multitopfplatten oder kleine Töpfe vereinzelt. Ist die Erde gut durchwurzelt, können sie an ihren endgültigen Standort in den Garten gepflanzt werden. Manche Stauden, wie die Pfingstrosen, strapazieren die Geduld besonders und benötigen zuweilen eine zweite Kälteperiode, also einen weiteren Winter, bis sie keimen.

Kaltkeimer anziehen macht Aufwand – lohnt sich aber

Die Keimrate schwankt stark, manchmal dauert es lange, bis sich erste Blättchen zeigen, und wenn es klappt, müssen die Sämlinge umgesetzt werden. Warum also nicht einfach Stauden im Frühling kaufen und sie auf der Stelle einpflanzen?

Das eine schließt das andere nicht aus. Denn auch wenn die Aussaat der Kaltkeimer Arbeit macht, hat sie Vorteile: Sie ist ein Experimentierfeld für alle, die keine gut sortierte Staudengärtnerei vor Ort haben. Wer sich die Mühe macht, wird manchmal mit Zufallssämlingen überrascht, die ganz anders als die Mutterpflanze aussehen.

Einige Frühlingsboten sorgen selbst für Nachwuchs

Außerdem bietet die eigene Aussaat die Möglichkeit, Nachkommen von Stauden zu ziehen, die es nicht ohne Weiteres zu kaufen gibt: Vielleicht stammen die Samen aus dem Garten einer guten Freundin, erinnern an eine Urlaubsreise oder sind Raritäten. Und manchmal spart man obendrein sogar ein wenig Geld: Geht die Saat auf, hat man meist sehr viele Exemplare. Das ist gerade bei Stauden, von denen man große Stückzahlen braucht, um Effekte zu erzielen, besonders ergiebig. Von den kleinen Schlüsselblumen kann man beispielsweise gar nicht genug haben. Sind einige der Frühlingsboten vermehrt und gepflanzt, sorgen sie in Zukunft selbst für Nachkommen. Denn hat sich diese kleine Primelart, die in freier Natur unter Schutz steht, erst einmal im Garten etabliert, sät sie sich selbst aus und belohnt die anfängliche Mühe mit zahllosen pastellgelben Blüten.

Von RND

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