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Wissen Kampf gegen Malaria: Wissenschaftler rotten Mückenpopulation aus
Nachrichten Wissen Kampf gegen Malaria: Wissenschaftler rotten Mückenpopulation aus
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17:25 24.09.2018
Moskitos übertragen Malaria. Quelle: Patrick Pleul/dpa
London

Moskitos gehören zu den gefährlichsten Tieren der Welt. 445.000 Menschen sind im Jahr 2016 an Malaria gestorben. Insgesamt zählte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 216 Millionen Malariafälle. Die Krankheit wird von Mücken übertragen. Will man also Malaria in den Griff bekommen, vielleicht eines Tages sogar ganz ausrotten, dann muss man sich die Moskitos vornehmen.

Die Moskitos sollen verschwinden – zumindest zu großen Teilen. Denn je weniger Moskitos, desto geringer die Gefahr für eine Ansteckung, sagt das Forschungskonsortium „Target Malaria“. Wissenschaftlern des Projekts ist es nun gelungen, eine Population Malaria-Mücken im Laborversuch komplett auszulöschen, wie sie im Fachjournal Nature Biotechnology berichten.

Nach acht Generationen konnte keine Mücke mehr Eier legen

Dazu setzten die Wissenschaftler einen neuartigen Gene Drive (englisch für Genantrieb) ein. Mithilfe der Gentechnologie erhöht man die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nachkomme ein bestimmtes Gen von seinen Eltern erbt. Entweder wird ein Gen implantiert, das einen Antikörper etwa gegen Malaria erzeugt und dessen Erreger nicht überlebt. Radikaler ist die Methode, den Gene Drive zur Erzeugung von Unfruchtbarkeit einzusetzen, um Populationen oder Arten auszurotten.

Im Fall der Moskitos entfernten die Wissenschaftler mit Hilfe der Genschere CRISPR-Cas9 einen Abschnitt des „doublesex“-Gens. Dieses Gen ist bei Insekten dafür mitverantwortlich, dass es Männchen und Weibchen gibt. Das Ergebnis: Aus den Eiern seien nur noch fruchtbare Männchen geschlüpft, die Weibchen hätten keine Eier mehr legen können, so die Forscher.

Rund 150 so veränderte Moskito-Männchen trafen dann in Laborexperimenten auf 300 normale Weibchen und 150 weitere normale Männchen. Im ersten Experiment konnte nach acht Generationen keines der Weibchen mehr Eier legen, im zweiten Experiment geschah dies nach elf Generationen. Die Populationen waren zusammengebrochen. Das zeige, dass „Gene, die für die Geschlechtsbestimmung bei Insekten verantwortlich sind, hervorragende Ziele darstellen“, sagt Ernst Wimmer von der Georg-August-Universität in Göttingen.

Versuche in der Wildnis frühestens in zehn Jahren

Gene Drive ist umstritten. Zwar ist sich die Wissenschaft einig, dass die Methode eine effektive Lösung für viele schwere Probleme wie Malaria bietet. Gleichzeitig aber handele es sich um einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur mit kaum erforschten Risiken für die Ökosysteme. Dazu kommen ethische Fragen.

Bis solche Experimente in die Natur Einzug halten, könnten es noch einige Zeit dauern. Experte Wimmer geht davon aus, dass es noch mindestens zehn Jahre dauern wird, bis genveränderte Mücken oder andere Tiere in die freie Wildbahn ausgesetzt werden.

Von asu/RND

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