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Meister Eckhart

700 Jahre alte Predigt identifiziert

Zu den Schätzen des Göttinger Diplomatischen Apparats, einer Lehrsammlung der Universität Göttingen, gehört ein Pergamentblatt, das bislang nur als „Bruchstück aus einem mystischen Traktat“ bekannt war. Die Münchener Handschriftenforscherin Gisela Kornrumpf konnte dieses Fragment nun identifizieren: Es gehört zu einer Predigt des mittelalterlichen Theologen und Philosophen Eckhart von Hochheim, bekannt geworden als Meister Eckhart. Er lebte in der Zeit um 1260 bis 1328.

Ein Schatz der Universität: Fragment einer Eckhart-Predigt.

© pug
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Diese seltene Entdeckung war möglich, weil die Forscherin im Internet auf den digitalisierten Text zurückgreifen konnte. „Das doppelseitige Göttinger Handschriftenbruchstück stammt aus dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts“, erklärt die Spezialistin für deutschsprachige mittelalterliche Handschriften, Karin Schneider aus Herrsching.

Das Fragment ist nicht nur der älteste erhaltene Teil dieser Eckhart-Predigt. Es handelt sich zudem um eines der frühesten Zeugnisse der gesamten Eckhart-Überlieferung überhaupt. Der Text ist – und das ist einmalig – noch zu Lebzeiten des Dominikaners und christlichen Mystikers von einem unbekannten Schreiber angefertigt worden.
Das Fragment enthält die ersten zwei Drittel der deutschsprachigen Predigt zum ersten Johannes-Brief (1. Joh. 4,9). Nach Meister Eckhart veredelt die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus das gesamte Menschengeschlecht. Diese Veredelung muss sich in einem reinen Herzen und in der Gleichrangigkeit von Gottes Freunden und ihm Fernstehenden widerspiegeln. Der Prediger fordert seine Zuhörer auf, ihren Willen aufzugeben und gelassen zu sein. Sie sollten Werke ‚ohne Warum‘ vollbringen – „sunder warumme“, wie es im Göttinger Text heißt.
In der Forschungs- und Lehrsammlung des 1802 gegründeten Diplomatischen Apparates der Universität Göttingen gibt es über tausend Urkunden, Handschriften, Fragmente und Siegel. Wie und wann das Bruchstück aus der Predigt Meister Eckharts nach Göttingen gelangte, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Immerhin kümmerte sich Eckhart als Vikar des Dominikanerordens in Thüringen ab 1296 auch um den Göttinger Konvent. Ein Konvent ist nach General- oder Provinzkapiteln die kleinste Einheit im Dominikanerorden. Diese kleinen Kloster bestehen aus mindestens sechs Mitgliedern.

Im Jahr 2010 begehen die Meister Eckhart-Forscher den 750. Geburtstag des Theologen. Aus diesem Grund findet vom 12. bis 14. März 2010 in München die Tagung „Meister Eckhart im Original – Fakten, Bilder, Legenden nach 750 Jahren“ statt. Eckhart soll dort mit Hilfe wissenschaftlicher Bemühungen in größtmöglicher Nähe zum „Original“ vorgestellt werden. Auf der von der Meister-Eckhart-Gesellschaft und der Katholischen Bayrischen Akademie organisierten Veranstaltung werden auch neu entdeckte Handschriften des einflussreichen Predigers präsentiert: unter anderem das Göttinger Fragment.

bd/pug


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