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Vortrag von Harald Lesch

Aus Sternenstaub entstanden

Es gibt sie noch: Diese Redner, die ihr Publikum mit dem ersten Satz zu fesseln vermögen. Harald Lesch, unter anderem Professor für Astronomie und Astrophysik an der Ludwig-Maximilian-Universität München, ist ohne Frage einer von ihnen.

Sternenstaub: Kohlenstoff, aus dem alle Lebewesen bestehen, kann nur in Fusionsprozessen in Sternen entstehen.

© EF
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Kein Power Point, keine Bilder, ja nicht mal ein Manuskript benötigt dieser Mann, um einen bis zum Rand gefüllten Hörsaal zu unterhalten. Nur die Tafel diente der Unterstützung seines Vortrags: Ein bewährtes Prinzip, das Kennern seines Fernsehdebuts „alpha-Cenaturi“ bekannt sein dürfte.

In seinem Beitrag für die vom „Förderkreis Planetarium Göttingen“ ausgerichtete Vortragsreihe „Faszinierendes Weltall“ ging er der Frage nach, was das Universum mit uns Menschen zu tun habe. Denn im Vergleich scheint unsere überfüllte Erde ganz anders beschaffen als die sie umgebende „Leere“ unserer Milchstraße, die das Licht von viele Lichtjahre entfernten Sternen dank ihrer geringen Dichte von einem Wasserstoffatom pro Kubikzentimeter bis zu unseren Teleskopen durchdringen lässt. Zum Vergleich: Das beste im Labor erzeugte Ultrahochvakuum besitzt eine Restdichte von 104 Molekülen pro Kubikzentimeter. Die Verbindung suchte Lesch daher in der Entstehung des intelligenten Lebens selbst. Die für den Laien wohl erstaunlichste Erkenntnis wäre, dass wir Menschen buchstäblich aus Sternenstaub bestehen: Kohlenstoff, aus dessen Verbindungen alle Lebewesen aufgebaut sind, entsteht in Fusionsprozessen, die allein in Sternen ablaufen können, wenn Helium gegen Ende ihres Lebens in Kohlenstoff umgewandelt wird.

Natürlich ist die Kausalkette hier noch nicht zu Ende, weshalb Lesch die Beantwortung der Frage bis zum Urknall ausdehnte: Der Grund für die Entstehung von baryonischer Materie besteht nach Ansicht der heutigen Forschung in einer winzigen Asymmetrie zugunsten der Materie, die nur kurz nach dem Urknall beinahe von der Antimaterie vollständig in Energie hätte umgewandelt werden können. Hätte nicht jeweils eines von einer Milliarde Quarks diese Vernichtung überlebt, wäre es folglich niemals zur Entstehung von Leben gekommen.

Der Schlüssel zu diesen Erkenntnissen läge, wie Lesch süffisant ergänzte, in einem „maximalen Chauvinismus“. Denn die Annahme, dass die auf der Erde beobachteten Naturgesetze im gesamten Universum Gültigkeit besitzen, ist in der Forschung Usus geworden. Das Universum ist also doch näher, als unser irdischer Alltag vermuten lässt.

Die Vortragsreihe wird fortgesetzt am Dienstag, 9. März, um 20 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben, Hörsaal 009. Dr. Kerstin Weis, Bochum, spricht zum Thema „Auf dem Weg zum Großen Knall: Das unstete Leben der massereichen Sterne“.

Von Jonas Rhode


  • Harald Lesch log.o – 05.03.10
    Jonas Rhode beschreibt die Performance von Lesch durchaus zutreffend, auch wenn die rahmensprengende, medial (ZDF) bedingte Resonanz (Statt 009 diesmal010) Erwähnung verdient gehabt hätte. Aber das vermeintlich journalistisch essentielle "Wann"?? Ten days after? Dann wär's ja keine Überraschung mehr a la GT... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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