Ein „Patient“ im Krankenhaus hat einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Birgit Meister (links) und Berit
Janßen beginnen sofort mit Herz-Druck-Massage und Beatmung.
Birgit Meister eilt hinzu und hilft ihrer Kollegin. 30-mal drücken, zweimal beatmen. Das ist die Faustformel bei einem Herzstillstand. Zum Einsatz kommen der Ambubeutel und wenig später der Automatisierte externe Defibrillator (AED). Ein weiterer Mitarbeiter wird angewiesen, die hausinterne Notrufnummer 1110 zu wählen, um das innerklinische Notfallteam von der Intensivstation zu alarmieren. Doch bis dahin muss weiter reanimiert werden. Und das kann anstrengend sein. „Puh!“ seufzt Berit Janßen, nachdem Dr. Anne Lüers, Assistenzärztin in der Inneren Medizin, die Übung im Dachgeschoss von Haus 6 beendet.
Janßen und Meister sind zwei von 24 Teilnehmern des sogenannten „Immediate-Life-Support-Kurses“ (ILS-Kurs) im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende. Kürzlich wurde der Kurs für medizinisches Fachpersonal bereits zum dritten Mal angeboten. Bei dem Kurs werden Mitarbeiter in lebensrettenden Sofortmaßnahmen ausgebildet, bis das innerklinische Notfallteam von der Intensivstation beim Patienten eintrifft. Im Kurs werden die wesentlichen lebenserhaltenden Maßnahmen unter professioneller Anleitung aufgefrischt.
Anschließend folgt die Manöverkritik in der Gruppe. „Gut war die schnelle Reanimation und Infusionsgabe“, sagt Instruktorin Dr. Anne Lüers. „Ihr habt alles sehr strukturiert durchgeführt, euch nicht ablenken lassen und klare Anweisungen gegeben.“ Lüers hat aber auch Kritikpunkte parat: „Es wurde nicht sofort an den AED gedacht, außerdem hättet ihr mehr Hilfe dazu holen können. Dann wäre es auch nicht so anstrengend gewesen.“
Im großen Seminarraum nebenan sieht es ähnlich aus. Angenommen wird, dass ein Patient im Bett in der Radiologie-Abteilung auf seine Untersuchung wartet. Eine Mitarbeiterin merkt plötzlich, dass der Patient bewusstlos ist. Jetzt beginnt auch hier das Planspiel. Erik Günther, Medizinisch-technischer Radiologieassistent, und Laura Heyden, Assistenzärztin in der Anästhesie, beginnen mit der Wiederbelebung. Instruktor Marc Jipp und Dr. Roswitha Lubjuhn beobachten genau, wie die Übungsteilnehmer an dieses Szenario herangehen. „Der Blutdruck ist 70, systolisch“, sagt Christin Schmid, die normalerweise auf der Intensivstation arbeitet.
Nach zehn Minuten ist auch diese Übung vorbei, der Patient, dessen Rolle eine hochmoderne Puppe übernimmt, ist wieder bei Bewusstsein. „Ihr habt den Kreislaufstillstand schnell erkannt. Besser wäre es noch gewesen, wenn ihr das Kopfkissen weggenommen und ein Brett unter den Körper gelegt hättet“, so Jipp. „Aber im Großen und Ganzen war das sehr gut.“
Insgesamt standen den 24 Teilnehmern sieben Trainer zur Seite. „Wenig Theorie, viel Praxis“, fasst Kursleiter Dr. Horst Wagner-Berger, Leitender Oberarzt der Abteilung Klinische Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, zusammen. „Wichtig ist vor allem die schnelle Erkennung einer lebensbedrohlichen Situation beim Patienten.“ Wagner-Berger war es auch, der im März 2009 den ersten ILS-Kurs in Südniedersachsen durchführte – im Evangelischen Krankenhaus Weende. „Nur wenige Krankenhäuser bieten solche Kurse an, wir gehören da deutschlandweit zu den Vorreitern“, so Wagner-Berger.
Erkennen eines drohenden Kreislaufstillstands sowie dessen Vermeidung, Betreuung von kritisch kranken Patienten in den ersten Minuten ohne unmittelbare fachliche Hilfe, Herz-Lungen-Wiederbelebung: Die Kursinhalte werden in kurzen Referaten sowie Übungen in Kleingruppen mit bis zu sechs Teilnehmern vermittelt. Hierbei wird speziell Rücksicht auf lokale Gegebenheiten im Krankenhaus genommen. Der Kurs wird nach einem europaweit einheitlichen Standard durchgeführt und zertifiziert. Alle Instruktoren, auch im Krankenhaus Weende, arbeiten ehrenamtlich.
chb/eb
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