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Neugebauer: Historiker der Mathematik

Feierstunde mit Gedenktafelenthüllung

Der Mathematiker Otto Neugebauer (1899-1990) hat das Verständnis für die antike Mathematik revolutioniert. Am Mathematischen Institut der Universität Göttingen begann die wissenschaftliche Laufbahn des in Graz geborenen Österreichers.

Arbeit von Neugebauer: Die markierte Zeile steht für 45 - 75 - 60 mit 452 + 602 = 752.

© Gabler
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Von 1922 bis 1934 war er hier tätig, arbeitete für den bekannten Göttinger Mathematikprofessor Richard Courant und war Manager des Neubaus des heute unter Denkmalschutz stehenden Mathematischen Instituts in der Bunsenstraße. Dort wird am Donnerstag, 1. Juli, an Neugebauer erinnert und eine Gedenktafel um 16.30 Uhr am Gebäude enthüllt.

Als Historiker der Mathematik für die antiken Kulturen von Babylon und Ägypten war Neugebauer bekannt. „Das Verständnis der in Keilschrift überlieferten Texte hat er revolutioniert und damit der weiteren Forschung zugänglich gemacht“, erklärt Prof. Benno Artmann, der am Donnerstag die Laudatio auf den Erforscher der vorderasiatischen Keilschrift-Mathematik und Astronomie halten wird.

Neugebauer hatte Rufe an die Technischen Hochschulen Darmstadt und Braunschweig abgelehnt, um in Göttingen zu bleiben. Die Georgia Augusta ernannte ihn 1932 zum außerordentlichen Professor für Geschichte der Mathematik.

Seine Kritik an Verhaltensweisen nationalsozialistischer Studenten führte dazu, dass er von den Nationalsozialisten als „politisch unzuverlässig“ ausgegrenzt wurde. Neugebauer entschloss sich 1934 zur Emigration. Nach einer Tätigkeit an der dänischen Universität Kopenhagen zog er mit seiner Familie in die USA.

An der Brown University in Providence war er seit 1939 tätig und zusätzlich seit 1945 auch in Princeton am Institute for Advanced Studies. Dem von ihm in Deutschland 1931 gegründeten „Zentralblatt für Mathematik“ folgte in den USA 1940 die Gründung der „Mathematical Reviews“.

Ende 1945 wurde dem Universitätsprofessor angeboten, nach Göttingen auf seine Assistenten-Stelle zurückzukehren. Neugebauer lehnte ab. In Deutschland wurde er im Jahr 1957 als vertriebener Wissenschaftler anerkannt und erhielt eine Entschädigung.

Die Feierstunde zur Gedenktafel-Enthüllung erinnert an den Mathematiker. Um 17.15 Uhr beginnt der Vortrag „Neugebauer und die Erforschung der babylonischen Mathematik“ von Prof. Hermann Hunger, Wien, im Mathematischen Institut, Bunsenstraße 3-5.

[Angela Brünjes]

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